CJC-1295 (No DAC) im Forschungsüberblick: Modified GRF (1-29), Mechanismus, Halbwertszeit und Abgrenzung
Dr. Sieglinde Klaus
Wissenschaftliche Redaktion · Bergdorf Bioscience

Inhaltsverzeichnis
- 01Was ist CJC-1295 (No DAC) und wie ist es aufgebaut?
- 02Wie wirkt CJC-1295 (No DAC) auf molekularer Ebene?
- 03Welche Halbwertszeit hat CJC-1295 (No DAC)?
- 04Wie unterscheidet sich CJC-1295 (No DAC) von der DAC-Variante?
- 05Welche Dosierungen werden in der Forschungsliteratur berichtet?
- 06Wie wird CJC-1295 (No DAC) rekonstituiert und gelagert?
- 07Welche unerwünschten Wirkungen sind aus der Substanzklasse bekannt?
- 08Wie unterscheidet sich CJC-1295 (No DAC) von Sermorelin?
- 09Wie unterscheidet sich CJC-1295 (No DAC) von Ipamorelin?
- 10Warum gilt CJC-1295 (No DAC) als "physiologischer" als die DAC-Variante?
- 11Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Ist CJC-1295 (No DAC) dasselbe wie Modified GRF (1-29)?
- Warum ist die Halbwertszeit so viel kürzer als bei CJC-1295 mit DAC?
- Existieren kontrollierte Humanstudien speziell zur No-DAC-Form?
- Wie lange ist die rekonstituierte Lösung haltbar?
- Warum werden GHRH-Analoga und Ipamorelin oft zusammen untersucht?
CJC-1295 (No DAC), identisch mit Modified GRF (1-29), ist ein synthetisches 29-Aminosäuren-GHRH-Analogon mit vier stabilisierenden Substitutionen. Anders als die DAC-Variante bindet es nicht an Serumalbumin und ist daher kurz wirksam, mit einer berichteten Plasma-Halbwertszeit von etwa 30 Minuten. Dieser Artikel fasst die präklinische und klinische Datenlage ausschließlich für Forschungszwecke zusammen.
Was ist CJC-1295 (No DAC) und wie ist es aufgebaut?
CJC-1295 ohne DAC ist chemisch identisch mit der Verbindung, die in der Literatur als "Modified GRF (1-29)" geführt wird. Es handelt sich um ein synthetisches Analogon des wachstumshormonfreisetzenden Hormons (Growth Hormone Releasing Hormone, GHRH). Strukturell entspricht es dem N-terminalen Fragment 1-29 des humanen GHRH, also demselben aktiven Kern wie Sermorelin, trägt jedoch vier stabilisierende Aminosäuresubstitutionen gegenüber dem nativen GRF(1-29): Position 2 D-Ala statt L-Ala, Position 8 Gln statt Asn, Position 15 Ala statt Gly und Position 27 Leu statt Met. Der tetrasubstituierte GRF(1-29)-Kern ist in der Arbeit von Jetté et al., 2005 dokumentiert, die Substitutionsübersicht zusätzlich in sekundären Quellen.
Die Sequenz lautet (N nach C): Tyr-D-Ala-Asp-Ala-Ile-Phe-Thr-Gln-Ser-Tyr-Arg-Lys-Val-Leu-Ala-Gln-Leu-Ser-Ala-Arg-Lys-Leu-Leu-Gln-Asp-Ile-Leu-Ser-Arg-NH2. Die berichtete Summenformel ist C152H252N44O42 mit einer molaren Masse von etwa 3367,9 g/mol; diese Angaben stammen aus Lieferanten- und chemischen Datenquellen, sind nicht peer-reviewt und gelten als ungefähr. Die CAS-Nummer 446036-97-1 wird teils der gesamten CJC-1295/DAC-Familie zugeordnet. Entscheidend für das Verständnis dieser Verbindung: Die "No DAC"-Form besitzt am C-Terminus keinen Drug-Affinity-Complex (Maleimidopropionyl-Lysin) und bindet daher nicht kovalent an Serumalbumin. Genau dadurch ist sie kurz wirksam, wie aus den Arbeiten von Jetté et al., 2005 und Teichman et al., 2006 hervorgeht.
Wie wirkt CJC-1295 (No DAC) auf molekularer Ebene?
CJC-1295 (No DAC) wirkt als Agonist am GHRH-Rezeptor (GHRH-R), einem Klasse-B-Sieben-Transmembran-G-Protein-gekoppelten Rezeptor auf den Somatotrophen der Adenohypophyse. Die Bindung koppelt überwiegend an Gs, aktiviert die Adenylylzyklase und erhöht dadurch das intrazelluläre cAMP. Dies aktiviert die Proteinkinase A (PKA), führt zur CREB-Phosphorylierung und zu einem spannungsabhängigen Calcium-Einstrom, der die Exozytose des gespeicherten Wachstumshormons (GH) auslöst. Chronisch fördert dieser Signalweg zusätzlich die Pit-1-vermittelte Transkription des GH-Gens, wie in der Übersicht von Mayo et al., 1995 beschrieben.
Der funktionelle Vorteil der vier Substitutionen liegt in der Stabilität. Sie verleihen Resistenz gegenüber der Spaltung durch Dipeptidylpeptidase-IV (DPP-IV) am N-Terminus sowie gegenüber weiterer Proteolyse. Dadurch steigen die Potenz und die metabolische Stabilität gegenüber dem nativen GRF(1-29). Die isolierte D-Ala2-Substitution senkte beim Menschen die metabolische Clearance von 39,7 auf 21 mL/kg/min und verlängerte die Verschwinde-Halbwertszeit von 4,3 auf 6,7 Minuten, wie Soule et al., 1994 zeigten; die DPP-IV-Stabilität des substituierten Kerns ist bei Jetté et al., 2005 dokumentiert. Nachgeschaltet erhöht die hypophysäre GH-Freisetzung das hepatische IGF-1. Diese Achse GHRH-R, GH, IGF-1 bildet das pharmakologische Rückgrat der gesamten Substanzklasse.

Welche Halbwertszeit hat CJC-1295 (No DAC)?
CJC-1295 (No DAC), also Modified GRF (1-29), ist eindeutig kurz wirksam. Die berichtete Plasma-Halbwertszeit liegt bei etwa 30 Minuten, mit einer in der Literatur häufig genannten Spanne von rund 30 Minuten bis etwa 2 Stunden. Zum Vergleich: Das native Sermorelin beziehungsweise GRF(1-29) wird noch schneller eliminiert, mit einer intravenösen Verschwinde-Halbwertszeit von etwa 6 bis 7 Minuten und einer Plasma-Halbwertszeit im Bereich von etwa 10 bis 20 Minuten. Die Kinetik des nativen Fragments stützt sich auf Soule et al., 1994, während die konkrete 30-Minuten-Angabe für Modified GRF (1-29) auf das Designprinzip der Verbindung und auf sekundäre Quellen zurückgeht.
Weil kein Albumin-Anker vorhanden ist, steigt das Wachstumshormon nach subkutaner Gabe in der Forschungsliteratur typischerweise innerhalb von etwa 15 bis 30 Minuten an und kehrt innerhalb von etwa 2 bis 3 Stunden wieder Richtung Ausgangswert zurück. Daraus ergibt sich ein pulsatiles, physiologischer anmutendes GH-Profil mit minimaler anhaltender tonischer Stimulation. Dies ist der definierende Unterschied zur DAC-Variante. Wichtig für die wissenschaftliche Einordnung: Die rigorosen humanen pharmakokinetischen Studien (Teichman et al., 2006; Ionescu et al., 2006) wurden mit dem albuminbindenden DAC-Konstrukt durchgeführt, nicht mit der No-DAC-Form. Eine dedizierte, peer-reviewte humane PK-Studie speziell zur No-DAC-Variante ist nach derzeitigem Kenntnisstand spärlich, weshalb die 30-Minuten-Angabe mit der gebotenen Vorsicht zu interpretieren ist. CJC-1295 (No DAC) im Peptid-Rechner berechnen kann die kinetischen Eckdaten für Modellierungszwecke veranschaulichen.
Wie unterscheidet sich CJC-1295 (No DAC) von der DAC-Variante?
Die DAC-Variante teilt denselben tetrasubstituierten GRF(1-29)-Kern, trägt jedoch ein N-epsilon-3-Maleimidopropionamid-Lysin. Diese Gruppe reagiert ex vivo beziehungsweise in vivo mit der freien Cys-34-Thiolgruppe des humanen Serumalbumins und bildet ein stabiles Thioether-Biokonjugat. Dieses Konjugat ist zu groß für die renale Filtration und zugleich vor DPP-IV geschützt, wie Jetté et al., 2005 beschrieben. Dadurch verlängert sich die Halbwertszeit beim Menschen auf etwa 5,8 bis 8,1 Tage, gezeigt von Teichman et al., 2006.
In gesunden Erwachsenen erhöhten einzelne subkutane Dosen von CJC-1295/DAC das mittlere GH 2- bis 10-fach für mindestens 6 Tage und das IGF-1 1,5- bis 3-fach über 9 bis 11 Tage; bei wiederholter Gabe blieb IGF-1 bis zu etwa 28 Tage über dem Ausgangswert (Teichman et al., 2006). Bemerkenswert ist, dass die GH-Sekretion selbst unter dieser kontinuierlichen albumingebundenen Stimulation pulsatil blieb. Pulsfrequenz und Amplitude wurden erhalten, während Trog-, Mittel- und IGF-1-Werte stiegen, wie Ionescu et al., 2006 dokumentierten. Genau dieser Befund erklärt, warum die kurz wirksame No-DAC-Form in der Forschung bevorzugt wird, wenn das Ziel die Nachbildung der natürlichen episodischen GH-Freisetzung ist und nicht eine tonische Dauererhöhung. Die No-DAC-Form wird zwischen den Gaben vollständig eliminiert und erzeugt daher kein chronisches IGF-1-Plateau. Die humane PK- und Wirksamkeitsdatenlage betrifft jedoch das DAC-Konstrukt, nicht direkt die No-DAC-Form.

Welche Dosierungen werden in der Forschungsliteratur berichtet?
Für die No-DAC-Form existiert keine von der FDA zugelassene humane Dosierung. Kontrollierte Humandaten stammen ausschließlich aus Studien mit der DAC-Variante. Dort wurden einzelne subkutane Dosen über etwa 30, 60 und 90 mcg/kg untersucht, wobei der Bereich von 30 bis 60 mcg/kg als relativ gut verträglich eingestuft wurde, wie Teichman et al., 2006 berichten. Die Pulsatilitätsstudie nutzte 60 und 90 mcg/kg ohne signifikanten Unterschied zwischen beiden Dosierungen; dort lag das basale GH etwa 7,5-fach erhöht, das mittlere GH um 46 Prozent und das IGF-1 um 45 Prozent über dem Ausgangswert (Ionescu et al., 2006).
Für Modified GRF (1-29) selbst beschreiben nicht-klinische beziehungsweise sekundäre Protokolle typischerweise feste Mengen im Mikrogrammbereich pro subkutaner Gabe, häufig um 100 mcg pro Verabreichung, oft 1- bis 3-mal täglich getaktet, um die kurze Halbwertszeit auszunutzen. Diese Protokolle werden häufig mit einem GHRP beziehungsweise einem Ghrelin-Rezeptor-Agonisten kombiniert. Es muss klar betont werden, dass diese Angaben nicht aus kontrollierten Studien stammen. Sie werden hier ausschließlich zur Charakterisierung der vorhandenen Literatur genannt und stellen keine Handlungsempfehlung dar. Ein 2-mg-Lyophilisat-Vial entspricht 2000 mcg, woraus sich rechnerisch eine Vielzahl mikrogrammskalierter Aliquots ergibt. Die genaue Konzentration hängt vom Rekonstitutionsvolumen ab. Für reine Modellierungs- und Berechnungszwecke lässt sich dies im Peptid-Rechner abbilden.
Wie wird CJC-1295 (No DAC) rekonstituiert und gelagert?
CJC-1295 (No DAC) wird als Lyophilisat geliefert. Das lyophilisierte Pulver sollte gefroren gelagert werden, typischerweise bei -20 Grad Celsius, für die Langzeitlagerung auch kälter bei -80 Grad Celsius. Die berichtete Stabilität des Lyophilisats liegt bei etwa 12 bis 24 Monaten oder länger bei -20 Grad Celsius. Ein kurzer Transport bei Umgebungstemperatur oder Kühlschranktemperatur wird für das trockene Pulver in der Regel toleriert, da die Festform deutlich robuster ist als die gelöste.
Nach der Rekonstitution, üblicherweise mit bakteriostatischem Wasser mit etwa 0,9 Prozent Benzylalkohol, sollte die Lösung bei 2 bis 8 Grad Celsius gekühlt und innerhalb von etwa 28 Tagen verwendet werden. Dieses Zeitfenster ergibt sich aus dem Benzylalkohol als Konservierungsmittel; einige Quellen nennen 4 bis 6 Wochen bei 2 bis 8 Grad Celsius. Wiederholte Einfrier-Auftau-Zyklen der rekonstituierten Lösung sind zu vermeiden, ebenso heftiges Schütteln, das durch Schaumbildung und mechanischen Stress die Peptidintegrität gefährden kann. Schützen Sie das Material vor Licht und Hitze. Bei der Rekonstitution wird das Lösungsmittel idealerweise langsam an der Vial-Wand entlang zugegeben, statt direkt auf das Pulver. Diese Angaben stammen aus sekundären Quellen zur Peptidhandhabung; eine peptidspezifische, peer-reviewte Stabilitätsstudie wurde nicht gefunden, weshalb diese Hinweise als allgemeine Handhabungsleitlinien für GHRH-Peptide zu verstehen sind und nicht als validierte Spezifikation für diese Charge.
Welche unerwünschten Wirkungen sind aus der Substanzklasse bekannt?
In den humanen CJC-1295/DAC-Studien wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Reaktionen berichtet, und die Verträglichkeit wurde als gut beschrieben, insbesondere im Bereich von 30 bis 60 mcg/kg, wie Teichman et al., 2006 dokumentieren. Diese Datenlage betrifft jedoch die albuminbindende DAC-Variante und nicht spezifisch die kurz wirksame No-DAC-Form.
Klassentypische und häufig beschriebene Effekte von GHRH-Analoga und der GH-Achsen-Stimulation umfassen vorübergehende Reaktionen an der Injektionsstelle wie Rötung, Schwellung und Schmerz, ferner Gesichtsröte beziehungsweise Wärmegefühl, Kopfschmerzen, Schwindel und eine vorübergehende Wassereinlagerung. Theoretische Bedenken, die mit einer anhaltenden Erhöhung von GH und IGF-1 verknüpft sind, etwa Gelenkschmerzen (Arthralgie), periphere Ödeme, Parästhesien oder Karpaltunnel-ähnliche Symptome sowie eine verminderte Insulinsensitivität, leiten sich aus der Pharmakologie der GH-Achse ab. Sie wurden für die kurz wirksame No-DAC-Form nicht spezifisch nachgewiesen. Da die No-DAC-Variante zwischen den Gaben eliminiert wird und keine tonische IGF-1-Dauererhöhung erzeugt, ist die theoretische Grundlage für anhaltungsabhängige Effekte hier weniger ausgeprägt als bei der DAC-Form. Dennoch gilt: Die Langzeitsicherheit der No-DAC-Form ist in kontrollierten Humanstudien nicht etabliert. Diese Zusammenstellung dient der wissenschaftlichen Einordnung und nicht der Bewertung einer Anwendung am Menschen.
Wie unterscheidet sich CJC-1295 (No DAC) von Sermorelin?
Sermorelin entspricht dem nativen GRF(1-29) und teilt mit CJC-1295 (No DAC) denselben 29-Aminosäuren-Aktivkern. Der entscheidende Unterschied liegt in den vier Substitutionen, die Sermorelin fehlen. Dadurch wird Sermorelin rascher durch DPP-IV abgebaut und besitzt eine kürzere Halbwertszeit, mit einer Plasma-Halbwertszeit im Bereich von etwa 10 bis 20 Minuten und einer intravenösen Verschwinde-Halbwertszeit von etwa 6 bis 7 Minuten, sowie eine geringere metabolische Stabilität. Modified GRF (1-29) lässt sich daher im Kern als DPP-IV-stabilisiertes, länger wirksames Sermorelin beschreiben.
Der quantitative Beleg für den Stabilitätsgewinn stammt von Soule et al., 1994: Bereits die isolierte D-Ala2-Substitution halbierte die metabolische Clearance näherungsweise und verlängerte die intravenöse Verschwinde-Halbwertszeit von 4,3 auf 6,7 Minuten beim Menschen. Mechanistisch sind beide Verbindungen identisch, da sie denselben GHRH-Rezeptor aktivieren, wie Mayo et al., 1995 für den gemeinsamen Signalweg beschreibt. Der Unterschied ist also primär pharmakokinetisch und nicht pharmakodynamisch. Für die Forschung bedeutet dies, dass beide Substanzen denselben Effektortyp am Rezeptor auslösen, Modified GRF (1-29) jedoch eine längere Plasmapräsenz und höhere Potenz pro applizierter Mikrogramm-Menge bietet. Hintergrundinformationen zur Sermorelin- beziehungsweise GRF(1-29)-Pharmakologie liefert die Übersicht von Prakash und Goa, 1999, die hier als Vergleichsreferenz für das native, unmodifizierte GHRH(1-29) herangezogen wird.
Wie unterscheidet sich CJC-1295 (No DAC) von Ipamorelin?
Der Unterschied zu Ipamorelin ist mechanistisch grundlegend und nicht nur pharmakokinetisch. Ipamorelin ist ein Pentapeptid und wirkt als Agonist am Ghrelin-Rezeptor (Growth Hormone Secretagogue Receptor 1a, GHS-R1a), nicht am GHRH-Rezeptor. Die Signalübertragung verläuft über Gq, Phospholipase C, IP3 und einen Calcium-Einstrom und löst dadurch ebenfalls eine GH-Freisetzung aus. Entscheidend ist, dass Ipamorelin das erste GH-Sekretagogum war, das selektiv für GH wirkt, ohne ACTH, Cortisol oder Prolaktin zu erhöhen, mit einer Selektivität bis zum 200-fachen der effektiven Dosis, wie Raun et al., 1998 zeigten.
Während CJC-1295 (No DAC) als GHRH-Analogon den Somatotrophen direkt über den GHRH-R "anweist", gespeichertes GH freizusetzen, wirkt Ipamorelin über den komplementären Ghrelin-Pfad. Beide Achsen, also GHRH und Ghrelin, sind physiologisch unterschiedlich und greifen an verschiedenen Rezeptoren an. Genau deshalb werden GHRH-Analoga und Ghrelin-Rezeptor-Agonisten in der Forschung häufig gemeinsam untersucht, um additive oder synergistische Effekte auf die GH-Freisetzung zu charakterisieren. Die Logik dahinter: Ein GHRH-Analogon erhöht die Bereitschaft der Somatotrophen, während ein Ghrelin-Agonist parallel die somatostatinerge Hemmung dämpft und die Pulsamplitude verstärkt. Diese Komplementarität ist der Grund, warum kombinierte Forschungsprotokolle die kurz wirksame No-DAC-Form bevorzugen, da ihr pulsatiles Profil sich gut mit dem Wirkfenster eines GHRP überlagern lässt. Beide bleiben jedoch ausschließlich Forschungssubstanzen ohne etablierte humane Anwendung.
Warum gilt CJC-1295 (No DAC) als "physiologischer" als die DAC-Variante?
Der Begriff "physiologischer" bezieht sich in der Forschungsliteratur auf das zeitliche Muster der GH-Freisetzung. Die natürliche GH-Sekretion erfolgt episodisch in Pulsen, getrennt durch Phasen niedriger Aktivität. Die kurz wirksame No-DAC-Form mit ihrer Halbwertszeit von etwa 30 Minuten erzeugt einen GH-Anstieg innerhalb von etwa 15 bis 30 Minuten und eine Rückkehr Richtung Ausgangswert innerhalb von etwa 2 bis 3 Stunden. Dadurch wird der Rezeptor zwischen den Gaben nicht kontinuierlich stimuliert, was dem natürlichen Puls-Trog-Muster näherkommt.
Die DAC-Variante hingegen hält durch die Albuminbindung über Tage eine erhöhte Grundstimulation aufrecht. Interessanterweise zeigten Ionescu et al., 2006, dass selbst unter dieser kontinuierlichen Stimulation die GH-Sekretion pulsatil blieb, da die übergeordnete hypothalamische Steuerung über Somatostatin die Pulsstruktur weiterhin formt. Dennoch hebt die DAC-Form die Trog- und Mittelwerte sowie das IGF-1 anhaltend an und erzeugt ein chronisches IGF-1-Plateau, das in den Studien bis zu etwa 28 Tage über dem Ausgangswert lag (Teichman et al., 2006). Die No-DAC-Form vermeidet dieses Plateau, weil sie vollständig eliminiert wird. Wenn ein Forschungsmodell also die episodische Natur der GH-Achse abbilden soll, ist die kurz wirksame Variante methodisch attraktiver. Diese Einordnung bleibt eine pharmakologische Charakterisierung und impliziert keinerlei therapeutischen Nutzen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist CJC-1295 (No DAC) dasselbe wie Modified GRF (1-29)?
Ja. CJC-1295 ohne DAC und Modified GRF (1-29) bezeichnen dieselbe Verbindung. Beide beschreiben den tetrasubstituierten GRF(1-29)-Kern ohne den albuminbindenden Drug-Affinity-Complex. Die vier Substitutionen (D-Ala an Position 2, Gln an Position 8, Ala an Position 15, Leu an Position 27) sind in Jetté et al., 2005 für den Kern dokumentiert. Der Begriff "No DAC" betont lediglich das Fehlen des Maleimid-Linkers, der bei der DAC-Variante für die lange Halbwertszeit sorgt.
Warum ist die Halbwertszeit so viel kürzer als bei CJC-1295 mit DAC?
Weil der Albumin-Anker fehlt. Die DAC-Variante bindet kovalent an die Cys-34-Thiolgruppe des Serumalbumins und bildet ein großes, nierengängigkeitsgeschütztes Konjugat mit einer Halbwertszeit von etwa 5,8 bis 8,1 Tagen (Teichman et al., 2006). Ohne diesen Anker wird die No-DAC-Form rasch eliminiert, mit einer berichteten Halbwertszeit von etwa 30 Minuten. Die vier Substitutionen verlangsamen den Abbau zwar gegenüber Sermorelin, ersetzen aber nicht die Albuminbindung.
Existieren kontrollierte Humanstudien speziell zur No-DAC-Form?
Nach derzeitigem Kenntnisstand sind rigorose, peer-reviewte humane PK-Studien speziell zur No-DAC-Form spärlich. Die zentralen Humandaten (Teichman et al., 2006; Ionescu et al., 2006) wurden mit dem albuminbindenden DAC-Konstrukt erhoben. Die 30-Minuten-Halbwertszeit der No-DAC-Form stützt sich überwiegend auf das Designprinzip und sekundäre Quellen, nicht auf eine dedizierte klinische PK-Studie.
Wie lange ist die rekonstituierte Lösung haltbar?
Sekundäre Handhabungsquellen nennen nach Rekonstitution mit bakteriostatischem Wasser (etwa 0,9 Prozent Benzylalkohol) eine Verwendung innerhalb von etwa 28 Tagen bei Lagerung bei 2 bis 8 Grad Celsius; einige Quellen geben 4 bis 6 Wochen an. Einfrier-Auftau-Zyklen und heftiges Schütteln sind zu vermeiden. Diese Angaben sind allgemeine GHRH-Peptid-Leitlinien und keine validierte chargenspezifische Spezifikation.
Warum werden GHRH-Analoga und Ipamorelin oft zusammen untersucht?
Weil sie an unterschiedlichen Rezeptoren angreifen. CJC-1295 (No DAC) ist ein GHRH-Rezeptor-Agonist, Ipamorelin ein selektiver Ghrelin-Rezeptor-Agonist (GHS-R1a) über den Gq/PLC/IP3-Calcium-Pfad (Raun et al., 1998). Da die beiden Pfade komplementär sind, werden sie in der Forschung gemeinsam untersucht, um additive oder synergistische Effekte auf die GH-Freisetzung zu charakterisieren.
Nur für Forschungszwecke. Nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt. Wissenschaftliche Redaktion: Dr. Sieglinde Klaus
Quellenangaben
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15817669/
- Teichman SL, et al. Prolonged stimulation of growth hormone (GH) and insulin-like growth factor I secretion by CJC-1295, a long-acting analog of GH-releasing hormone, in healthy adults. The Journal of clinical endocrinology and metabolism. 2006.PMID
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17018654/
- Soule S, King JA, Millar RP. Incorporation of D-Ala2 in growth hormone-releasing hormone-(1-29)-NH2 increases the half-life and decreases metabolic clearance in normal men. The Journal of clinical endocrinology and metabolism. 1994.PMID
- Raun K, et al. Ipamorelin, the first selective growth hormone secretagogue. European journal of endocrinology. 1998.PMID
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/7740167/
