Tirzepatid: Wirkung und Dosierung in der Forschung
Dr. Sieglinde Klaus
Wissenschaftliche Redaktion · Bergdorf Bioscience

Inhaltsverzeichnis
- 01Was ist Tirzepatid und wie ist es aufgebaut?
- 02Wie zeigen sich Wirkung und Dosierung von Tirzepatid auf Rezeptorebene?
- 03Welche pharmakokinetischen Eigenschaften hat Tirzepatid?
- 04Wirkung und Dosierung von Tirzepatid: Welche Dosen werden in Studien verwendet?
- 05Was zeigte die SURPASS-2-Studie im direkten Vergleich?
- 06Was ergab die SURMOUNT studie zu Tirzepatid?
- 07Was zeigte die SURMOUNT-OSA-Studie 2024?
- 08Welche Nebenwirkungen sind aus der Forschung bekannt?
- 09Wie wird Tirzepatid als Forschungspeptid gelagert?
- 10Wie unterscheidet sich Tirzepatid von verwandten Peptiden?
- 11Haeufig gestellte Fragen (FAQ)
- Warum wird Tirzepatid in Studien nur einmal woechentlich verabreicht?
- Was bedeutet der Begriff dualer GIP/GLP-1-Agonist genau?
- Sind die Ergebnisse der SURMOUNT- und SURPASS-Studien auf Forschungspeptide uebertragbar?
- Wie sollte Tirzepatid als Forschungspeptid gelagert werden?
- Welche Nebenwirkungen wurden in den klinischen Studien am haeufigsten berichtet?
Tirzepatid ist ein synthetisches 39-Aminosaeuren-Peptid und ein dualer GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonist (Forschungscode LY3298176), dessen Wirkung und Dosierung in der klinischen Literatur umfassend charakterisiert sind. Das Molekuel aktiviert gleichzeitig den GIP- und den GLP-1-Rezeptor, besitzt eine Halbwertszeit von etwa fuenf Tagen und wird in Studien einmal woechentlich subkutan verabreicht. Diese Monografie fasst den wissenschaftlichen Kenntnisstand ausschliesslich zu Forschungszwecken zusammen.
Was ist Tirzepatid und wie ist es aufgebaut?
Tirzepatid ist ein synthetisches, linear aufgebautes Peptid aus 39 Aminosaeuren, das strukturell vom nativen glukoseabhaengigen insulinotropen Polypeptid (GIP) abgeleitet ist. In der Forschungsliteratur wird die Substanz als dualer GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonist gefuehrt und trug in der praeklinischen Entwicklung die Bezeichnung LY3298176. Die molare Masse betraegt 4813,53 Da, die empirische Summenformel lautet C225H348N48O68. Charakteristisch ist eine C20-Fettdisaeure-Modifikation am Peptidrueckgrat, die eine reversible Bindung an Serumalbumin ermoeglicht und dadurch die lange Zirkulationsdauer erklaert.
Die Bezeichnung als dualer GIP/GLP-1-Agonist beschreibt das definierende pharmakologische Merkmal: Ein einzelnes Molekuel adressiert zwei distinkte Inkretin-Rezeptoren. Cryo-EM-Strukturanalysen haben die molekulare Basis dafuer aufgeklaert, wie dieses eine Peptid sowohl an den GIP-Rezeptor als auch an den GLP-1-Rezeptor bindet (Zhao et al., 2022). Die Fettsaeure-modifizierte Struktur spielt dabei eine tragende Rolle fuer die Erkennung beider Bindungstaschen.
Als Forschungspeptid liegt Tirzepatid typischerweise als lyophilisiertes Pulver in einem 60-mg-Vial vor, mit vollstaendiger Chargendokumentation und HPLC-verifizierter Reinheit. Fuer Laborzwecke wird das Pulver vor der Verwendung rekonstituiert. Diese Darstellung dient der wissenschaftlichen Einordnung und stellt keine Anwendungsempfehlung dar.
Die Ableitung vom GIP-Rueckgrat ist strukturbiologisch bedeutsam: Waehrend natives GIP und natives GLP-1 jeweils selektiv nur ihren eigenen Rezeptor aktivieren, wurde die Aminosaeuresequenz von Tirzepatid so optimiert, dass ein einziges Rueckgrat beide Bindungstaschen erkennt. Die C20-Fettdisaeure fungiert dabei nicht nur als Albumin-Anker fuer die Pharmakokinetik, sondern traegt ausweislich der Strukturdaten auch zur Rezeptorbindung selbst bei. Damit vereint das Molekuel Sequenzelemente beider Inkretine in einer synthetisch stabilisierten Form.
Wie zeigen sich Wirkung und Dosierung von Tirzepatid auf Rezeptorebene?
Das Verstaendnis von Wirkung und Dosierung bei Tirzepatid beginnt auf der Ebene der beiden Inkretin-Rezeptoren. Die Aktivierung des GIP-Rezeptors ist in der Forschung mit einer verstaerkten Betazell-Funktion, gesteigerter glukoseabhaengiger Insulinsekretion und verbesserter Insulinsensitivitaet assoziiert. Die parallele Aktivierung des GLP-1-Rezeptors hemmt praeklinisch die Glukagon-Sekretion, verzoegert die Magenentleerung und wird in Studien mit einer reduzierten Nahrungsaufnahme in Verbindung gebracht.
Eine zentrale mechanistische Erkenntnis ist, dass Tirzepatid kein symmetrischer dualer Agonist ist. Die pharmakologische Charakterisierung beschreibt die Substanz als unausgewogenen (imbalanced) und biased Agonisten (Willard et al., 2020). Konkret bindet Tirzepatid den GIP-Rezeptor staerker als den GLP-1-Rezeptor. Am GLP-1-Rezeptor zeigt es zudem eine Signalpraeferenz (Bias) zugunsten des cAMP-Signalwegs gegenueber der Beta-Arrestin-Rekrutierung, verbunden mit einer schwaecheren Rezeptor-Internalisierung als beim nativen GLP-1.
Diese Signatur unterscheidet Tirzepatid mechanistisch von selektiven GLP-1-Rezeptor-Agonisten und bildet die molekulare Grundlage der in klinischen Studien beobachteten Effekte. Fuer die Forschung ist relevant, dass die Kombination beider Rezeptorwege sowie das spezifische Bias-Profil zusammen das pharmakodynamische Verhalten praegen. Diese Angaben zu Wirkung und Dosierung von Tirzepatid beziehen sich ausschliesslich auf publizierte Studiendaten und sind nicht als Handlungsanweisung zu verstehen.
Die schwaechere Beta-Arrestin-Rekrutierung am GLP-1-Rezeptor wird in der Literatur als moeglicher Faktor fuer die reduzierte Rezeptor-Internalisierung diskutiert: Weniger Internalisierung bedeutet, dass mehr Rezeptor an der Zelloberflaeche verbleibt und laenger signalfaehig bleibt. Ob dieses Bias-Muster kausal zu den in Studien berichteten Effekten beitraegt, ist Gegenstand laufender pharmakologischer Forschung. Die duale Rezeptoraktivierung wird zudem als Erklaerungsansatz dafuer herangezogen, warum in Vergleichsstudien Unterschiede zu rein GLP-1-selektiven Molekuelen beobachtet wurden. Wichtig bleibt die Einordnung: Saemtliche mechanistischen Aussagen stammen aus praeklinischen und klinischen Untersuchungen der zugelassenen Substanz und dienen ausschliesslich dem wissenschaftlichen Verstaendnis.
Welche pharmakokinetischen Eigenschaften hat Tirzepatid?
Die Pharmakokinetik von Tirzepatid ist der Grund fuer das in Studien verwendete woechentliche Dosierungsintervall. Populationspharmakokinetische Analysen berichten eine Eliminationshalbwertszeit von etwa fuenf Tagen (rund 5 bis 6 Tage bei uebergewichtigen Probanden), was die Rationale fuer die einmal woechentliche subkutane Gabe liefert (Furihata et al., 2024). Nach subkutaner Injektion wird die maximale Plasmakonzentration (Tmax) zwischen 8 und 72 Stunden erreicht.
Tirzepatid ist zu etwa 99 Prozent an Plasmaalbumin gebunden, was die verlaengerte Zirkulation erklaert. Das Verteilungsvolumen im Steady State liegt bei rund 10,3 Litern, die mittlere Clearance bei etwa 0,061 Litern pro Stunde. Diese Werte beschreiben ein Molekuel mit geringem Verteilungsvolumen und langsamer systemischer Clearance, konsistent mit der Albuminbindung ueber die C20-Fettdisaeure-Modifikation.
Der Metabolismus erfolgt ueber drei Hauptwege: die proteolytische Spaltung des Peptidrueckgrats, die Beta-Oxidation der C20-Fettdisaeure-Einheit sowie die Amidhydrolyse. Es handelt sich also um klassische peptidische Abbauwege ohne relevante Beteiligung einzelner Cytochrom-P450-Enzyme. Dieses Metabolismusprofil ist charakteristisch fuer fettsaeure-modifizierte Peptide und erklaert, warum die Substanz nicht ueber die typischen Wege kleiner Molekuele abgebaut wird. Die breite Tmax-Spanne von 8 bis 72 Stunden nach subkutaner Injektion spiegelt zudem eine langsame, protrahierte Resorption aus dem subkutanen Depot wider, die zur gleichmaessigen Plasmakonzentration ueber das Wochenintervall beitraegt. Zusammengenommen zeichnen diese Parameter ein pharmakokinetisches Profil, das die woechentliche Kadenz in der Forschung stuetzt. Wer die Akkumulation ueber wiederholte Gaben modellieren moechte, findet im Peptidrechner fuer Tirzepatid ein Werkzeug zur Visualisierung der Halbwertszeit-basierten Kinetik.
Wirkung und Dosierung von Tirzepatid: Welche Dosen werden in Studien verwendet?
In der klinischen Studienliteratur wurde Tirzepatid im Rahmen eines aufsteigenden Titrationsdesigns einmal woechentlich subkutan verabreicht: Die Studienprotokolle sahen eine graduelle Dosissteigerung ueber einen Bereich von 2,5 mg bis 15 mg vor, mit dokumentierten Zwischenstufen bei 5 mg, 7,5 mg, 10 mg und 12,5 mg. Die Einstiegsdosis von 2,5 mg diente in diesem Studiendesign ausschliesslich der initialen Titration und nicht als Erhaltungsdosis. Als therapeutische beziehungsweise Studiendosen wurden in den Zieldosen-Armen der Studien 5 mg, 10 mg und 15 mg untersucht.
Dieses gestufte Vorgehen spiegelt die in der Sicherheitsliteratur beschriebene Dosisabhaengigkeit gastrointestinaler Effekte wider: Ein langsamer Aufbau wird in Studien mit einer besseren Vertraeglichkeit assoziiert. Die drei Zieldosen 5, 10 und 15 mg bilden das Rueckgrat der grossen Phase-3-Programme SURPASS und SURMOUNT.
In den Phase-3-Studienprotokollen betrug der dokumentierte Abstand zwischen den Titrationsstufen typischerweise vier Wochen. Dieses Intervall ist an die Pharmakokinetik gekoppelt: Bei einer Halbwertszeit von etwa fuenf Tagen wird ein pharmakokinetischer Steady State nach ungefaehr vier bis fuenf Halbwertszeiten, also rund drei bis vier Wochen, erreicht. Die Titrationsschritte orientieren sich somit an dem Zeitraum, den das System benoetigt, um sich auf einer neuen Konzentrationsebene einzupendeln.
Diese Angaben beschreiben ausschliesslich das in klinischen Studien dokumentierte Dosierungsdesign und stellen keine Dosierungsempfehlung fuer den Menschen dar. Fuer die praktische Aufbereitung und Rekonstitution im Forschungskontext bietet der Tirzepatid Dosier- und Einnahme-Leitfaden eine detaillierte methodische Uebersicht. Jegliche Uebertragung dieser Studiendosen auf einen anderen Kontext ist nicht Gegenstand dieser Monografie, die sich strikt auf die Beschreibung publizierter Forschungsdaten beschraenkt.
Was zeigte die SURPASS-2-Studie im direkten Vergleich?
Die SURPASS-2-Studie ist ein zentraler Baustein der Tirzepatid-Evidenz, weil sie einen direkten Kopf-an-Kopf-Vergleich gegen einen selektiven GLP-1-Rezeptor-Agonisten lieferte. In dieser 40-woechigen Studie mit 1879 Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes unter Metformin wurde Tirzepatid in den Dosen 5, 10 und 15 mg einmal woechentlich mit Semaglutid 1 mg verglichen (Frias et al., 2021).
Die berichteten Ergebnisse zeigten fuer Tirzepatid eine ueberlegene Reduktion des HbA1c-Werts sowie des Koerpergewichts gegenueber Semaglutid 1 mg. Als direkter Vergleich zwischen einem dualen GIP/GLP-1-Agonisten und einem etablierten selektiven GLP-1-Rezeptor-Agonisten liefert SURPASS-2 einen wichtigen Datenpunkt zur pharmakologischen Differenzierung der beiden Wirkprinzipien.
Diese Befunde werden hier rein deskriptiv als klinische Literatur ueber die Substanz wiedergegeben und stellen keine Aussage ueber einen Nutzen fuer den Leser dar. Fuer eine mechanistisch orientierte Gegenueberstellung mit einem verwandten Molekuel kann die Vergleichsseite Tesamorelin vs. Tirzepatid herangezogen werden, die die unterschiedlichen Wirkachsen beider Peptide einordnet. Die SURPASS-Reihe insgesamt (SURPASS-1 bis -5) bildet zudem die Grundlage der gepoolten Sicherheitsanalysen, die weiter unten behandelt werden.
Was ergab die SURMOUNT studie zu Tirzepatid?
Die SURMOUNT studie, genauer SURMOUNT-1, gilt als Meilenstein-Ablesung im Bereich der Gewichtsforschung und ist ein Kernbestandteil der tirzepatid mounjaro forschung. In dieser 72-woechigen Studie mit 2539 Teilnehmenden mit Adipositas oder Uebergewicht ohne Diabetes wurde Tirzepatid gegen Placebo untersucht (Jastreboff et al., 2022).
Die berichteten Daten zeigten unter der 15-mg-Dosis eine mittlere Gewichtsreduktion von bis zu 22,5 Prozent gegenueber Placebo. Bemerkenswert war die Zusammensetzung des Gewichtsverlusts: Die Reduktion der Fettmasse (etwa 33,9 Prozent) fiel rund dreimal groesser aus als die Reduktion der fettfreien Masse (etwa 10,9 Prozent). Unter 15 mg verloren in der Studie 88 Prozent der Teilnehmenden mindestens 5 Prozent, 69 Prozent mindestens 10 Prozent und 43 Prozent mindestens 15 Prozent des Koerpergewichts.
Das Verhaeltnis von Fett- zu Magermasse-Reduktion ist aus Forschungssicht ein besonders beachteter Endpunkt, weil es die Koerperkomposition und nicht nur das absolute Gewicht adressiert. Die berichtete rund dreifach staerkere Fettmasse-Reduktion wird in der Literatur als Hinweis darauf diskutiert, dass der Gewichtsverlust ueberwiegend das Fettkompartiment betraf. Solche differenzierten Endpunkte sind fuer die wissenschaftliche Charakterisierung eines Molekuels aussagekraeftiger als reine Gewichtszahlen.
Diese Ergebnisse werden ausschliesslich deskriptiv als wissenschaftliche Literatur ueber den Wirkstoff dargestellt. Sie sind kein Versprechen und kein Grund zum Kauf, sondern Teil der oeffentlich zugaenglichen Studienlage rund um die unter den Handelsnamen Mounjaro und Zepbound zugelassene Substanz. Fuer die vergleichende Einordnung mit einem strukturell und pharmakologisch verwandten Tripel-Agonisten in der Pipeline dient die Vergleichsseite Retatrutid vs. Tirzepatid.
Was zeigte die SURMOUNT-OSA-Studie 2024?
Die SURMOUNT-OSA-Studie erweiterte 2024 das Forschungsprofil von Tirzepatid um eine nicht-metabolische Fragestellung. In zwei Phase-3-Studien ueber 52 Wochen wurde Tirzepatid bei Personen mit mittelschwerer bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe (OSA) und begleitender Adipositas untersucht (Malhotra et al., 2024).
Die berichteten Ergebnisse dokumentierten eine Reduktion des Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) von bis zu etwa 62,8 Prozent gegenueber Placebo. Unter der Hoechstdosis erfuellten 43,0 Prozent beziehungsweise 51,5 Prozent der Teilnehmenden in den beiden Studienarmen die Kriterien einer Krankheitsremission. Zusaetzlich wurden Verbesserungen sekundaerer Marker berichtet, darunter eine Senkung des hochsensitiven C-reaktiven Proteins (hsCRP), eine Reduktion der hypoxischen Belastung sowie des systolischen Blutdrucks.
Als eine der juengsten Studienablesungen zeigt SURMOUNT-OSA, dass die Forschung zu diesem dualen Inkretin-Agonisten ueber rein metabolische Endpunkte hinausreicht. Auch diese Daten werden hier neutral und deskriptiv wiedergegeben; sie beschreiben Befunde aus kontrollierten klinischen Studien und sind ausdruecklich nicht als Nutzenversprechen oder Anwendungsempfehlung zu verstehen. Die Substanz bleibt im Kontext dieser Monografie ein Forschungsgegenstand.
Welche Nebenwirkungen sind aus der Forschung bekannt?
Das Sicherheitsprofil von Tirzepatid wird in der Literatur dominiert von gastrointestinalen (GI) Ereignissen, die dosisabhaengig auftreten. Eine gepoolte Analyse der Studien SURPASS-1 bis -5 mit insgesamt 6263 Teilnehmenden identifizierte als haeufigste GI-Ereignisse Uebelkeit (12 bis 24 Prozent), Durchfall (12 bis 22 Prozent) und Erbrechen (2 bis 13 Prozent) (Patel et al., 2024). Diese Ereignisse werden als ueberwiegend leicht bis moderat, transient und dosisabhaengig beschrieben.
Ein Sicherheitsreview bestaetigte die Dosisabhaengigkeit der GI-Ereignisse mit einer Gesamtinzidenz von 39 Prozent bei 5 mg, 46 Prozent bei 10 mg und 49 Prozent bei 15 mg (Mishra et al., 2023). Bemerkenswert ist der zeitliche Verlauf: Die Inzidenz neu auftretender Ereignisse nahm im Studienverlauf ab, was auf einen Gewoehnungseffekt und die Bedeutung der schrittweisen Titration hindeutet.
Die gepoolte SURPASS-Analyse hob zudem hervor, dass die in Studien beobachtete Gewichtsreduktion weitgehend unabhaengig vom Auftreten gastrointestinaler Ereignisse war. Dieser Befund ist mechanistisch relevant, weil er nahelegt, dass die berichteten Effekte nicht primaer durch GI-bedingte reduzierte Nahrungsaufnahme vermittelt wurden, sondern durch die pharmakologische Rezeptoraktivierung selbst. Die Dosisabhaengigkeit der Vertraeglichkeit erklaert zugleich, warum die klinischen Programme durchgaengig ein schrittweises Titrationsschema verwendeten statt eines direkten Einstiegs auf hoher Dosis.
Diese Sicherheitsdaten dienen der wissenschaftlichen Vollstaendigkeit dieser Monografie. Sie beschreiben Beobachtungen aus kontrollierten klinischen Studien und stellen keine medizinische Beratung dar. Fuer jede Fragestellung mit Bezug zur menschlichen Anwendung ist qualifizierter medizinischer Rat einzuholen.
Wie wird Tirzepatid als Forschungspeptid gelagert?
Fuer die Handhabung im Labor ist die korrekte Lagerung entscheidend fuer die Stabilitaet des Molekuels. Das Forschungspeptid liegt als lyophilisiertes Pulver in einem 60-mg-Vial vor und sollte gekuehlt bei 2 bis 8 Grad Celsius gelagert werden, um die optimale Stabilitaet zu gewaehrleisten. Das lyophilisierte Pulver ist im Vergleich zur rekonstituierten Loesung deutlich stabiler und toleriert bei fachgerechter Lagerung laengere Zeitraeume.
Jedes Vial ist mit vollstaendiger Chargendokumentation versehen, und die Reinheit wird mittels HPLC-Analyse verifiziert. Diese Qualitaetsmerkmale sind fuer reproduzierbare Laborarbeit von Bedeutung, da Verunreinigungen oder Abbauprodukte experimentelle Ergebnisse verfaelschen koennen. Vor der Rekonstitution empfiehlt sich, das Vial auf Raumtemperatur zu bringen und Kondensation zu vermeiden.
Nach der Rekonstitution mit einem geeigneten Loesungsmittel sollte die Loesung ebenfalls gekuehlt aufbewahrt und wiederholtes Einfrieren und Auftauen vermieden werden, da dies die Peptidintegritaet beeintraechtigen kann. Als generelle Orientierung fuer fettsaeure-modifizierte Peptide gilt, dass Lichtexposition, mechanische Scherbelastung beim Pipettieren und Temperaturschwankungen die Aggregationsneigung erhoehen koennen; eine sorgfaeltige, schonende Handhabung ist daher fuer reproduzierbare Ergebnisse ratsam. Die spezifischen methodischen Details zur Rekonstitution im Forschungskontext sind im separaten Dosier- und Einnahme-Leitfaden dargestellt.
Jetzt Tirzepatid bestellen ist ausschliesslich fuer qualifizierte Forschungs- und Laborzwecke vorgesehen; das Produkt ist nicht fuer den menschlichen Verzehr bestimmt. Das 60-mg-Vial ist ab 54,99 EUR erhaeltlich und wird mit vollstaendiger Chargendokumentation geliefert.
Wie unterscheidet sich Tirzepatid von verwandten Peptiden?
Tirzepatid nimmt innerhalb der Inkretin-Forschung eine besondere Stellung ein, weil es als dualer GIP/GLP-1-Agonist zwei Rezeptorwege in einem einzigen Molekuel vereint. Selektive GLP-1-Rezeptor-Agonisten adressieren dagegen nur einen der beiden Inkretin-Rezeptoren. Der direkte Vergleich in SURPASS-2 gegen Semaglutid 1 mg illustriert diese pharmakologische Differenzierung anhand konkreter Endpunkte.
Ein weiteres Vergleichsfeld eroeffnet sich zu Molekuelen der naechsten Generation. Retatrutid etwa ist ein Tripel-Agonist, der zusaetzlich zum GIP- und GLP-1-Rezeptor auch den Glukagon-Rezeptor adressiert. Die pharmakologischen und strukturellen Unterschiede werden auf der Vergleichsseite Retatrutid vs. Tirzepatid sowie in der Retatrutid-Monografie im Detail eingeordnet.
Von Wachstumshormon-Sekretagoga wie Tesamorelin unterscheidet sich Tirzepatid grundlegend durch die Wirkachse: Tesamorelin wirkt ueber die GHRH-Achse, waehrend Tirzepatid ueber Inkretin-Rezeptoren signalisiert. Diese Gegenueberstellung ist Gegenstand der Vergleichsseite Tesamorelin vs. Tirzepatid. Das unausgewogene, biased Agonismus-Profil (staerkere GIP-Rezeptor-Bindung, cAMP-Bias am GLP-1-Rezeptor) bleibt das definierende Merkmal, das Tirzepatid mechanistisch von allen genannten Molekuelen abgrenzt.
Fuer die wissenschaftliche Einordnung ist es hilfreich, diese Molekuele nicht als besser oder schlechter, sondern als pharmakologisch unterschiedlich zu betrachten: Selektive GLP-1-Agonisten, duale GIP/GLP-1-Agonisten und Tripel-Agonisten adressieren jeweils andere Kombinationen von Rezeptorwegen und liefern damit distinkte Datensaetze fuer die Forschung. Tirzepatid steht in dieser Systematik als der am besten charakterisierte duale Vertreter, gestuetzt auf die umfangreichen SURPASS- und SURMOUNT-Programme sowie die neueren nicht-metabolischen Ablesungen.
Haeufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum wird Tirzepatid in Studien nur einmal woechentlich verabreicht?
Die einmal woechentliche subkutane Gabe in klinischen Studien beruht auf der Pharmakokinetik: Die Eliminationshalbwertszeit betraegt etwa fuenf Tage, bedingt durch die rund 99-prozentige Albuminbindung ueber die C20-Fettdisaeure-Modifikation. Diese lange Zirkulationsdauer liefert die wissenschaftliche Rationale fuer das woechentliche Dosierungsintervall in der Forschung.
Was bedeutet der Begriff dualer GIP/GLP-1-Agonist genau?
Ein dualer GIP/GLP-1-Agonist ist ein Molekuel, das gleichzeitig sowohl den GIP-Rezeptor als auch den GLP-1-Rezeptor aktiviert. Tirzepatid tut dies als einzelnes 39-Aminosaeuren-Peptid, wobei es den GIP-Rezeptor staerker bindet und am GLP-1-Rezeptor einen cAMP-Bias zeigt. Diese Doppelwirkung unterscheidet es von selektiven GLP-1-Rezeptor-Agonisten.
Sind die Ergebnisse der SURMOUNT- und SURPASS-Studien auf Forschungspeptide uebertragbar?
Nein. Die SURPASS- und SURMOUNT-Studien wurden mit dem zugelassenen Arzneimittel unter kontrollierten klinischen Bedingungen durchgefuehrt. Die hier zusammengefassten Daten dienen ausschliesslich der deskriptiven wissenschaftlichen Einordnung. Forschungspeptide sind nicht fuer den menschlichen Verzehr bestimmt, und Studiendaten stellen keine Anwendungsempfehlung dar.
Wie sollte Tirzepatid als Forschungspeptid gelagert werden?
Das lyophilisierte 60-mg-Vial sollte gekuehlt bei 2 bis 8 Grad Celsius gelagert werden. Nach der Rekonstitution ist die Loesung ebenfalls gekuehlt aufzubewahren, und wiederholtes Einfrieren und Auftauen sollte vermieden werden, um die Peptidintegritaet zu erhalten.
Welche Nebenwirkungen wurden in den klinischen Studien am haeufigsten berichtet?
In der gepoolten SURPASS-Analyse (N=6263) waren gastrointestinale Ereignisse am haeufigsten: Uebelkeit (12 bis 24 Prozent), Durchfall (12 bis 22 Prozent) und Erbrechen (2 bis 13 Prozent). Diese Ereignisse traten dosisabhaengig auf, waren ueberwiegend leicht bis moderat und transient und nahmen im Studienverlauf ab.
Nur fuer Forschungszwecke. Nicht fuer den menschlichen Verzehr bestimmt. Wissenschaftliche Redaktion: Dr. Sieglinde Klaus
Quellenangaben
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9060465/
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7526454/
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10962491/
- https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2107519
- https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2206038
- https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2404881
- Patel H, et al. Gastrointestinal adverse events and weight reduction in people with type 2 diabetes treated with tirzepatide in the SURPASS clinical trials. Diabetes, obesity & metabolism. 2024.PMID


