Epithalon Wirkung: Telomerase- und Langlebigkeitsforschung im Ueberblick
Dr. Sieglinde Klaus
Wissenschaftliche Redaktion · Bergdorf Bioscience

Inhaltsverzeichnis
- 01Was ist Epithalon und woher stammt das Khavinson-Tetrapeptid?
- 02Wie entfaltet Epithalon seine Wirkung auf die Telomerase?
- 03Was zeigt die Epithalon-Telomerase-Studie 2025 zur Wirkung auf hTERT?
- 04Welche Rolle spielt das Hayflick-Limit in der Epithalon-Forschung?
- 05Was berichten Tierstudien zur Wirkung von Epithalon auf Lebensspanne und Tumorinzidenz?
- 06Welche epigenetischen und pleiotropen Mechanismen zeigt das AEDG-Peptid?
- 07Was ist ueber die immunmodulatorische Wirkung von Epithalon bekannt?
- 08Wie belastbar sind die Epitalon-Erfahrung und Humandaten aus Russland?
- 09Welches Sicherheitsrisiko birgt das Telomerase-Krebs-Paradoxon?
- 10Warum setzt die russische Forschung auf kurze zyklische Dosierung?
- 11Wie ordnet sich Epithalon in die breitere Anti-Aging-Peptidforschung ein?
- 12Haeufige Fragen zur Epithalon-Forschung
- Ist die Epithalon Wirkung auf Telomere beim Menschen belegt?
- Was bedeutet der Code AEDG bei Epitalon?
- Erhoeht Epithalon das Krebsrisiko?
- Kann ich Epithalon bei BergdorfBio kaufen?
- Worin unterscheidet sich Epithalon von NAD+ oder MOTS-c?
Die Epithalon Wirkung steht seit den 1980er Jahren im Zentrum der Langlebigkeitsforschung, weil das synthetische Tetrapeptid Ala-Glu-Asp-Gly (AEDG) in Zellkulturen die Telomerase reaktiviert und Telomere verlaengert. Dieser Leitfaden fasst die praeklinische Datenlage zusammen, von der Khavinson-Gruppe bis zur Replikationsstudie 2025, und ordnet sie kritisch ein. Epithalon ist eine Forschungssubstanz ohne Zulassung; alle beschriebenen Effekte stammen aus Labor- und Tiermodellen.
Was ist Epithalon und woher stammt das Khavinson-Tetrapeptid?
Epithalon, auch als Epitalon bezeichnet und mit dem Code AEDG gefuehrt, ist ein synthetisches Tetrapeptid aus der Aminosaeuresequenz Alanin-Glutaminsaeure-Asparaginsaeure-Glycin (Ala-Glu-Asp-Gly). Es gilt als das minimale biologisch aktive Fragment von Epithalamin, einem Extrakt aus der Zirbeldruese (Epiphyse) von Rindern. In der Forschungsliteratur zaehlt Epithalon zu den sogenannten Khavinson-Bioregulatoren, einer Gruppe kurzer Peptide, die ab den 1970er und 1980er Jahren am St. Petersburger Institut fuer Bioregulation und Gerontologie unter Wladimir Khavinson entwickelt wurden.
Die Grundidee dieser Forschungsrichtung war, dass kurze Peptide gewebespezifisch die Genexpression regulieren und altersbedingte Funktionsverluste im Ursprungsorgan modulieren koennen. Epithalamin als Zirbeldruesenextrakt sollte die Melatonin- und Neuroendokrin-Achse betreffen; Epithalon wurde als definierte, synthetisch reproduzierbare Vier-Aminosaeuren-Struktur daraus abgeleitet. Der Vorteil eines Tetrapeptids liegt in der chemischen Eindeutigkeit: Anders als ein komplexer Organextrakt laesst sich AEDG exakt herstellen und dosieren, was reproduzierbare Laborexperimente ermoeglicht. Wichtig fuer die Einordnung: Trotz jahrzehntelanger russischer Forschung ist Epithalon in keinem westlichen Regulierungssystem als Arzneimittel zugelassen und wird ausschliesslich als Forschungschemikalie gehandelt. Ein grosser Teil der Originalliteratur stammt aus einer einzigen Forschungsschule, was bei der Bewertung der Evidenz mitgedacht werden muss.
Wie entfaltet Epithalon seine Wirkung auf die Telomerase?
Der am haeufigsten zitierte Wirkmechanismus betrifft die Telomerase, ein Enzym, das die repetitiven DNA-Endkappen der Chromosomen, die Telomere, nachbildet. In der grundlegenden Arbeit von Khavinson, Bondarev & Butyugov, 2003 induzierte Epithalon in kultivierten menschlichen somatischen Zellen, konkret fetalen Fibroblasten, die Expression der katalytischen Telomerase-Untereinheit hTERT und reaktivierte die enzymatische Telomerase-Aktivitaet. Bemerkenswert war, dass diese Zellen zuvor telomerase-negativ waren, das Enzym also normalerweise abgeschaltet hatten.
Die berichtete Kaskade laeuft nach diesem Modell so ab: AEDG stimuliert die Transkription des hTERT-Gens, die dadurch gebildete aktive Telomerase verlaengert die Telomere, und die Zellen durchlaufen zusaetzliche Teilungszyklen. Die Epithalon Wirkung wird in diesem Kontext also nicht als direkter Baustein der Telomere verstanden, sondern als Signal, das ein normalerweise reprimiertes Gen wieder anschaltet. Fuer die somatische Zellbiologie ist das ungewoehnlich, weil die meisten Koerperzellen ihre Telomerase im ausdifferenzierten Zustand stilllegen und genau deshalb einer replikativen Alterung unterliegen. Es ist entscheidend zu betonen, dass diese Befunde in vitro erhoben wurden, also an isolierten Zellkulturen. Ob und wie sich eine solche Telomerase-Reaktivierung im komplexen Gewebeverband eines lebenden menschlichen Organismus verhaelt, ist damit nicht beantwortet. Die Daten belegen einen molekularen Mechanismus im Modell, keinen klinischen Nutzen.
Was zeigt die Epithalon-Telomerase-Studie 2025 zur Wirkung auf hTERT?
Lange Zeit stuetzte sich die Telomerase-Hypothese fast ausschliesslich auf die russischen Arbeiten der 2000er Jahre. Eine 2025 in der Fachzeitschrift Biogerontology publizierte Replikationsstudie (Al-Dulaimi et al., 2025) hat den zentralen Befund nun unabhaengig aufgegriffen. In dieser Untersuchung erhoehte Epitalon die Telomerlaenge in menschlichen Zelllinien, und die Autoren fuehrten dies auf eine Hochregulation der Telomerase oder alternativ auf den ALT-Weg (alternative lengthening of telomeres) zurueck.
Die Studie beschreibt eine dosisabhaengige, telomerase-vermittelte Erhoehung der hTERT-Expression und der Telomerlaenge in mehreren humanen Zelllinien gegenueber unbehandelten Kontrollen. Diese Richtung stuetzt das Modell einer transkriptionellen Aktivierung von hTERT und liefert erstmals eine modernere, unabhaengig erhobene Bestaetigung der Epithalon Wirkung auf die Telomerbiologie. Zu beachten ist: Im November 2025 erschien zu dieser Publikation eine formale Korrektur, weil in den Abbildungen 1 bis 3 fehlerhafte Abbildungen veroeffentlicht worden waren; korrigierte Abbildungen liegen inzwischen vor. Dieser Leitfaden nennt deshalb bewusst keine einzelnen Zahlenwerte aus der Studie. Gleichzeitig ist Vorsicht geboten: Auch die Studie 2025 arbeitet mit Zelllinien, nicht mit Menschen. Der zusaetzlich diskutierte ALT-Weg ist relevant, weil er zeigt, dass die Telomerverlaengerung nicht zwingend allein ueber die Telomerase laufen muss. Fuer die Forschung ist die Replikation dennoch wertvoll, weil sie den Kernmechanismus aus dem Umfeld einer einzigen Forschungsschule herausloest und in einem aktuellen, peer-reviewten Rahmen bestaetigt.
Welche Rolle spielt das Hayflick-Limit in der Epithalon-Forschung?
Das Hayflick-Limit beschreibt die begrenzte Anzahl von Teilungen, die eine normale somatische Zelle in Kultur durchlaufen kann, bevor sie in die Seneszenz eintritt. Ursaechlich dafuer ist die progressive Verkuerzung der Telomere bei jeder Zellteilung, da die DNA-Polymerase die Chromosomenenden nicht vollstaendig repliziert. Erreicht ein Telomer eine kritische Kuerze, loest die Zelle einen Teilungsstopp aus. Dieses Limit gilt als eine der molekularen Grundlagen der replikativen Zellalterung.
In den Experimenten von Khavinson et al., 2003 wurde berichtet, dass mit Epithalon behandelte Fibroblasten zusaetzliche Populationsverdopplungen ueber das erwartete Hayflick-Limit hinaus durchliefen. Genau dieser Punkt macht die Substanz fuer die Grundlagenforschung so interessant: Wenn eine telomerase-negative Zelle durch AEDG wieder Telomerase bildet, ihre Telomere verlaengert und weiter teilt, dann wird eine als fundamental angenommene Grenze im Labor verschoben. Das ist ein bedeutsamer zellbiologischer Befund, aber er darf nicht mit einer Verjuengung eines Organismus gleichgesetzt werden. Zusaetzliche Teilungen in der Petrischale sind nicht dasselbe wie ein laengeres oder gesuenderes Leben. Die kritische Frage der Forschung lautet, ob ein Ueberschreiten des Hayflick-Limits in vitro Vorteile bringt oder ob es Zellen in einen Zustand versetzt, der mit anderen Risiken verbunden ist. Diese Frage ist ungeklaert. Die replikative Seneszenz gilt naemlich nicht nur als Schwaeche, sondern auch als Schutzmechanismus: Sie verhindert, dass Zellen mit beschaedigtem Erbgut sich unbegrenzt teilen. Ein Werkzeug, das diese Bremse loest, muss deshalb in der Forschung stets doppelt betrachtet werden, einmal als moeglicher Verjuengungsansatz und einmal als potenzielle Umgehung eines zellulaeren Sicherheitssystems.
Was berichten Tierstudien zur Wirkung von Epithalon auf Lebensspanne und Tumorinzidenz?
Ueber die Zellkultur hinaus wurde Epithalon in Nagermodellen untersucht. In der viel zitierten Studie von Anisimov, Khavinson et al., 2003 an weiblichen SHR-Maeusen veraenderte Epitalon Biomarker des Alterns und beeinflusste sowohl die Lebensspanne als auch die Inzidenz spontaner Tumoren. Das russische Forschungsprogramm berichtet in der Breite von einer verlaengerten Lebensspanne und, entscheidend, von einer verringerten Rate spontaner Tumoren in behandelten Nagern. Zusaetzliche Daten an C3H/He-Maeusen aus der Arbeitsgruppe um Kossoy und Anisimov beschreiben eine reduzierte Tumorlast und weniger Metastasen.
Diese Kombination ist bemerkenswert: Eine Substanz, die die Telomerase aktiviert, senkte in diesen Modellen die Tumorinzidenz, statt sie zu erhoehen. Das steht in scheinbarem Widerspruch zur verbreiteten Sorge, dass Telomerase-Aktivierung Krebs foerdern koennte. Bei der Bewertung ist mehrfache Zurueckhaltung angebracht. Erstens stammen auch diese Tierdaten ueberwiegend aus einer Forschungstradition und warten teils auf breite unabhaengige Replikation. Zweitens sind Nagermodelle des Alterns nur begrenzt auf den Menschen uebertragbar, gerade bei der Telomerbiologie, die sich zwischen Maus und Mensch deutlich unterscheidet: Labormaeuse besitzen von Natur aus sehr lange Telomere und in vielen Geweben eine aktivere Telomerase, sodass Rueckschluesse auf den Menschen heikel sind. Drittens beschreiben die Studien Populationseffekte unter kontrollierten Laborbedingungen, keine therapeutischen Ergebnisse. Die Tierdaten sind ein wichtiges Signal fuer die Sicherheitsdiskussion, ersetzen aber keine kontrollierten Humanstudien. Sie sind am ehesten als Hinweis darauf zu lesen, dass sich das theoretische Krebsrisiko in den bisher publizierten Modellen nicht materialisiert hat.
Welche epigenetischen und pleiotropen Mechanismen zeigt das AEDG-Peptid?
Die Epithalon Wirkung erschoepft sich in der Forschung nicht in der Telomerase. AEDG wird als pleiotrop aktives Peptid beschrieben, das an mehreren regulatorischen Stellen ansetzt. Eine viel diskutierte Hypothese betrifft einen epigenetischen Mechanismus. In der Uebersicht von Khavinson et al., PMC7037223 wird beschrieben, dass AEDG die Genexpression und Proteinsynthese waehrend der Neurogenese stimuliert, und ein direkter Bindungsmechanismus an Histone (H1, H2b, H3, H4) vorgeschlagen. Nach diesem Modell koennte das kleine Peptid die Verpackung der DNA und damit die Zugaenglichkeit bestimmter Gene beeinflussen.
Das ist mechanistisch attraktiv, weil es erklaeren wuerde, wie ein Tetrapeptid aus nur vier Aminosaeuren so unterschiedliche Effekte auf Zirbeldruese, Retina und Hirnfunktion ausueben kann. Die Vorstellung dahinter ist, dass ein derart kleines Molekuel in die kleine Furche der DNA passt und die Bindung von Histonen so beeinflusst, dass bestimmte Genregionen leichter abgelesen werden. Die direkte Peptid-Histon-Bindung bleibt allerdings ein Modell, das weiterer struktureller Bestaetigung bedarf und bislang vor allem aus der Khavinson-Schule berichtet wird. Ergaenzend zeigen Arbeiten an fibroblasten-abgeleiteten induzierten Neuronen (Int J Mol Sci, 2024, PMC11546785), dass kurze Peptide der AEDG-Klasse induzierte Neuronen vor altersassoziierten Veraenderungen schuetzen koennen. Solche neuroprotektiven Effekte im Zellmodell werden auch im Zusammenhang mit Alzheimer-Modellen diskutiert. Fuer die Forschung ergibt sich daraus ein Bild von AEDG als Multi-Target-Peptid, dessen Telomerase-Effekt nur einer von mehreren Wirkstraengen ist. Auch hier gilt: Es handelt sich um praeklinische Mechanismusforschung, nicht um belegte Effekte am Menschen.
Was ist ueber die immunmodulatorische Wirkung von Epithalon bekannt?
Ein weiterer Wirkstrang betrifft das Immunsystem. In einer In-vitro-Untersuchung von Sevostyanova et al., 2002 aktivierten kurze Peptide, darunter Epithalon und das verwandte Vilon, die Synthese von Interleukin-2-mRNA in Milzzellen (Splenozyten) von Maeusen, und zwar ohne die sonst noetigen spezifischen Induktoren. Interleukin-2 ist ein zentrales Zytokin fuer die Aktivierung und Proliferation von T-Lymphozyten, sodass dieser Befund auf eine direkte immunmodulatorische Komponente hinweist.
Ergaenzend beschreiben Linkova et al., 2012 eine Beteiligung des AEDG-Peptids an der Interferon-gamma-Signalgebung und damit an der Immunantwort. Beide Arbeiten stuetzen die Vorstellung, dass Epithalon nicht ausschliesslich ueber Telomere wirkt, sondern in die Regulation von Immunbotenstoffen eingreift. Das ist im Kontext des Alterns relevant, weil die sogenannte Immunoseneszenz, also die altersbedingte Verschlechterung der Immunfunktion, als eigenstaendiger Alterungsmechanismus gilt. Eine Substanz, die in Zellmodellen die IL-2- und Interferon-gamma-Achse anspricht, ist deshalb fuer die Immunoseneszenz-Forschung von Interesse. Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass diese Ergebnisse an isolierten Zellen beziehungsweise in tierischem Gewebe gewonnen wurden. Eine klinisch relevante immunmodulatorische Wirkung von Epithalon beim Menschen ist damit nicht belegt, und die Datenlage erlaubt keine Aussage ueber Nutzen oder Sicherheit einer Immunmodulation in vivo.
Wie belastbar sind die Epitalon-Erfahrung und Humandaten aus Russland?
Zur Frage der Epitalon-Erfahrung am Menschen existiert ein russisches klinisches Programm, das mit Epithalamin und verwandten Zirbeldruesenpeptiden ueber Jahre durchgefuehrt wurde. Berichtet wird, dass bei rund 266 aelteren Teilnehmern ueber sechs bis acht Jahre eine etwa 1,6- bis 1,8-fache Reduktion der Gesamtmortalitaet beobachtet wurde, und ueber einen Zeitraum von 15 Jahren sogar eine etwa 2,5-fache Reduktion, wenn die Zirbeldruesenpeptide mit einem Thymuspeptid kombiniert wurden. Auf den ersten Blick klingen diese Zahlen dramatisch.
Bei naeherer Betrachtung ist die methodische Qualitaet jedoch schwach. Es handelt sich nach westlichen Standards ausdruecklich nicht um randomisierte kontrollierte Studien (RCTs). Die Untersuchungen waren nicht verblindet und nicht randomisiert, die Kohorten waren klein und alt, und die Ergebnisse stammen aus einem einzigen Forschungsumfeld. Der unabhaengige westliche Review der Alzheimer's Drug Discovery Foundation (ADDF Cognitive Vitality) weist genau auf diese Schwaechen hin und bewertet die Humanevidenz als unzureichend. Ohne Verblindung und Randomisierung lassen sich Selektionseffekte, Placeboeffekte und Verzerrungen nicht ausschliessen, weshalb solche Mortalitaetszahlen nicht als Wirksamkeitsnachweis taugen. Berichte einzelner Anwender im Internet, die als Epitalon-Erfahrung kursieren, sind wissenschaftlich noch weniger belastbar, da sie keinerlei Kontrolle unterliegen. Die ehrliche Bilanz lautet: Es gibt keine belastbare Humanevidenz.
Welches Sicherheitsrisiko birgt das Telomerase-Krebs-Paradoxon?
Der zentrale Sicherheitsvorbehalt gegenueber jeder telomerase-aktivierenden Substanz ist das Telomerase-Krebs-Paradoxon. Krebszellen nutzen die Reaktivierung der Telomerase als eines ihrer Kennzeichen, um replikative Unsterblichkeit zu erlangen; die meisten malignen Tumoren halten ihre Telomere gerade durch aktive Telomerase aufrecht. Eine Substanz, die dieses Enzym anschaltet, koennte deshalb theoretisch die Entstehung oder das Wachstum von Krebszellen beguenstigen. Dieses Risiko ist der wichtigste Grund, warum die Telomerase-Aktivierung als Anti-Aging-Ansatz umstritten bleibt.
Das Paradoxe an der bisherigen Datenlage: Die publizierten Tierdaten zu Epitalon haben ueberwiegend keine erhoehte Krebsinzidenz gezeigt, einige berichten sogar von einer verringerten Tumorrate (Anisimov et al., 2003). Daraus ergibt sich ein scheinbarer Widerspruch zwischen der theoretischen Krebssorge und den beobachteten Tiereffekten. Dieser Befund darf jedoch nicht falsch gelesen werden: Er bedeutet nicht, dass Epithalon beim Menschen krebssicher ist. Es fehlen jegliche Langzeit-Sicherheitsdaten am Menschen. Der unabhaengige ADDF-Review flaggt dieses theoretische Krebsrisiko ausdruecklich als offene Frage. In der Forschung ist daher besondere Vorsicht bei einer familiaeren Krebsvorgeschichte geboten, und die Substanz bleibt strikt auf den Forschungsgebrauch beschraenkt. Das Paradoxon ist ungeloest, nicht entwarnt.
Warum setzt die russische Forschung auf kurze zyklische Dosierung?
Aus dem Telomerase-Krebs-Paradoxon leitet sich die charakteristische Dosierungslogik der russischen Forschung ab. In den Originalprotokollen wurde Epithalon typischerweise nicht dauerhaft, sondern in kurzen Zyklen eingesetzt, etwa ueber zehn Tage alle vier bis sechs Monate. Die dahinterstehende Rationale ist ausdruecklich sicherheitsorientiert: Ein kurzer, intermittierender Impuls soll bestehenden oder entstehenden malignen Zellklonen zu wenig Zeit geben, sich unter dem Einfluss einer erhoehten Telomerase-Aktivitaet zu etablieren.
Nach diesem Denkmodell wirkt ein Puls-Schema wie ein Kompromiss: Es soll die postulierten regulatorischen Effekte auf gesunde Zellen anstossen, ohne einen dauerhaften proliferativen Druck aufzubauen, der theoretisch entartete Zellen beguenstigen koennte. Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich hierbei um eine forschungsgeleitete Hypothese zur Risikominimierung handelt und nicht um eine validierte oder gar zugelassene Anwendungsvorschrift. Dieser Leitfaden nennt bewusst keine humane Dosierungsempfehlung, weil Epithalon eine nicht zugelassene Forschungssubstanz ist und keine belastbaren Humandaten zu Wirksamkeit oder Sicherheit vorliegen. Die zyklische Logik ist vor allem als Ausdruck des Respekts vor dem ungeloesten Krebsrisiko zu lesen: Selbst die Forscher, die den Substanzeffekt beschreiben, gehen von einem potenziellen Gefaehrdungsprofil aus und begegnen ihm mit maximaler zeitlicher Zurueckhaltung. Wer plant, computertechnisch die Kinetik solcher Puls-Schemata zu modellieren, findet im Half-Life-Rechner ein Werkzeug fuer die Pharmakokinetik.
Wie ordnet sich Epithalon in die breitere Anti-Aging-Peptidforschung ein?
Epithalon ist nur ein Baustein eines groesseren Forschungsfeldes, das verschiedene molekulare Alterungsmechanismen adressiert. Waehrend AEDG im Kern an der Telomerbiologie und der Genregulation ansetzt, verfolgen andere untersuchte Molekuele voellig andere Wege. Das macht einen vergleichenden Blick lohnend, ohne dass daraus eine Rangordnung oder gar eine Anwendungsempfehlung folgt. Fuer einen Ueberblick ueber die verschiedenen Substanzklassen und ihre postulierten Mechanismen bietet sich der uebergeordnete Peptide Anti-Aging Leitfaden an.
Von besonderem Interesse ist der Kontrast zu Ansaetzen, die am Zellstoffwechsel ansetzen. Die NAD+-Forschung etwa zielt auf den zellulaeren Energiehaushalt und die Sirtuin-Aktivitaet, ein Mechanismus, der mit der Telomerase-Hypothese von Epithalon wenig gemein hat; der NAD+ Leitfaden ordnet diese Linie ein. Noch spezifischer setzt das mitochondrial abgeleitete Peptid MOTS-c an der metabolischen Regulation und der Insulinsensitivitaet an, wie der MOTS-c Leitfaden beschreibt. Der Vergleich zeigt, dass die Alternsforschung keinen einzelnen Hebel kennt, sondern parallele Mechanismen wie Telomerattrition, epigenetische Drift, mitochondriale Dysfunktion und Immunoseneszenz. Epithalon adressiert im Modell vor allem die ersten beiden. Als Forschungssubstanz ist es damit ein interessantes Werkzeug zur Untersuchung der Telomerbiologie, nicht mehr und nicht weniger. Ein purchasbares Produkt ist Epithalon bei BergdorfBio derzeit nicht.
Haeufige Fragen zur Epithalon-Forschung
Ist die Epithalon Wirkung auf Telomere beim Menschen belegt?
Nein. Die Telomerverlaengerung und hTERT-Aktivierung wurden in Zellkulturen dokumentiert, zuletzt in einer Replikationsstudie 2025. Kontrollierte, verblindete Humanstudien fehlen vollstaendig, und die russischen Beobachtungsdaten erfuellen keine RCT-Standards.
Was bedeutet der Code AEDG bei Epitalon?
AEDG steht fuer die Aminosaeuresequenz des Tetrapeptids: Alanin (A), Glutaminsaeure (E), Asparaginsaeure (D) und Glycin (G). Es ist damit ein Synonym fuer die chemische Struktur Ala-Glu-Asp-Gly, dem definierten aktiven Fragment von Epithalamin.
Erhoeht Epithalon das Krebsrisiko?
Diese Frage ist ungeklaert. Weil Telomerase ein Kennzeichen von Krebszellen ist, besteht ein theoretisches Risiko. Tierdaten zeigten ueberwiegend keine erhoehte Tumorrate, teils sogar eine niedrigere, doch Langzeit-Sicherheitsdaten am Menschen fehlen vollstaendig.
Kann ich Epithalon bei BergdorfBio kaufen?
Nein. Epithalon ist bei BergdorfBio derzeit nicht als Produkt gelistet oder erhaeltlich. Dieser Leitfaden dient ausschliesslich der wissenschaftlichen Einordnung der Telomerase- und Langlebigkeitsforschung.
Worin unterscheidet sich Epithalon von NAD+ oder MOTS-c?
Epithalon zielt im Forschungsmodell auf Telomerase und Genregulation, NAD+ auf den zellulaeren Energiestoffwechsel und Sirtuine, MOTS-c auf mitochondriale und metabolische Signalwege. Alle drei adressieren unterschiedliche postulierte Alterungsmechanismen und sind nicht austauschbar.
Nur fuer Forschungszwecke. Nicht fuer den menschlichen Verzehr bestimmt. Wissenschaftliche Redaktion: Dr. Sieglinde Klaus
Quellenangaben
- https://link.springer.com/article/10.1023/A:1025493705728
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12411320/
- https://link.springer.com/article/10.1023/A:1025114230714
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7037223/
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC11546785/
- Kazakova TB, et al. In vitro effect of short peptides on expression of interleukin-2 gene in splenocytes. Bulletin of experimental biology and medicine. 2002.PMID
- Lin'kova NS, Kuznik BI, Khavinson VKh. Peptide Ala-Glu-Asp-Gly and interferon gamma: their role in immune response during aging]. Advances in gerontology = Uspekhi gerontologii. 2012.


