Peptide zum Abnehmen: GLP-1, GIP und Amylin im Forschungsvergleich
Dr. Sieglinde Klaus
Wissenschaftliche Redaktion · Bergdorf Bioscience

Inhaltsverzeichnis
- 01Was bedeutet "Peptide zum Abnehmen" in der Forschung?
- 02Wie wirken GLP-1-Peptide zum Abnehmen im Forschungsvergleich?
- 03Welche Rolle spielt GIP neben GLP-1 in der Forschung?
- 04Was macht der Glukagon-Rezeptor-Agonismus bei Retatrutid besonders?
- 05Wie schneidet ein Amylin-Analogon beim Gewichtsverlust ab?
- 06Welche Studiendaten liegen zu den einzelnen Peptiden vor?
- 07Welche pharmakokinetischen Eigenschaften unterscheiden die Peptide?
- 08Welche Molekulargewichte und Strukturen haben diese Peptide?
- 09Welche Dosierungen werden in Studien verwendet?
- 10Welche sind die besten Peptide zur Fettverbrennung im Forschungsvergleich?
- 11Wie werden diese Forschungspeptide gelagert und rekonstituiert?
- 12Welche Nebenwirkungen sind aus der Forschung bekannt?
- 13Häufig gestellte Fragen
- Sind Peptide zum Abnehmen dasselbe wie zugelassene Medikamente?
- Worin unterscheidet sich Retatrutid von Tirzepatid?
- Was bedeutet ein Amylin-Analogon im Vergleich zu GLP-1?
- Wie lange ist die Halbwertszeit von Retatrutid?
- Wie werden rekonstituierte Peptide gelagert?
Peptide zum Abnehmen sind in der Forschung eine Klasse von Rezeptor-Agonisten, die im Tiermodell und in klinischen Studien eine dosisabhängige Reduktion des Körpergewichts zeigen. Die drei am intensivsten untersuchten Wirkprinzipien sind GLP-1-, GIP- und Amylin-Rezeptor-Agonismus, exemplarisch vertreten durch Retatrutid, Tirzepatid, Semaglutid und Cagrilintid. Dieser Leitfaden ordnet die Studienlage neutral ein, ausschließlich im Forschungsvergleich und ohne jede Aussage zur menschlichen Anwendung.
Was bedeutet "Peptide zum Abnehmen" in der Forschung?
Der Begriff "Peptide zum Abnehmen" beschreibt im wissenschaftlichen Kontext synthetische Peptid-Analoga körpereigener Inkretin- und Sattigungshormone, die als Forschungssubstanzen zur Untersuchung von Energiehaushalt und Adipositas-Modellen dienen. Die relevanten Rezeptorklassen sind GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1), GIP (Glucose-abhängiges insulinotropes Polypeptid), der Glukagon-Rezeptor (GCG-R) sowie der Amylin-Rezeptor. In präklinischen und klinischen Studien werden diese Rezeptoren einzeln oder in Kombination adressiert.
Retatrutid (Forschungscode LY3437943) ist ein Triple-Agonist, der GIP, GLP-1 und Glukagon gleichzeitig bindet und sich damit vom dualen GIP/GLP-1-Agonisten Tirzepatid sowie vom GLP-1-Mono-Agonisten Semaglutid abgrenzt. In der Phase-2-Studie von Jastreboff et al., 2023 berichteten die Autoren bei n=338 Studienteilnehmern eine dosisabhängige Gewichtsreduktion von bis zu -24,2 Prozent nach 48 Wochen gegenüber -2,1 Prozent unter Placebo.
Alle in diesem Leitfaden genannten Substanzen sind Forschungspeptide. Die Daten stammen aus kontrollierten klinischen Studien an den jeweiligen Wirkstoffkandidaten und beschreiben ausschließlich die pharmakologische Charakterisierung dieser Moleküle, nicht deren Anwendung außerhalb des Studienkontexts. Ein vertiefender Überblick findet sich im Retatrutid-Leitfaden und im Tirzepatid-Leitfaden.
Wie wirken GLP-1-Peptide zum Abnehmen im Forschungsvergleich?
GLP-1-Peptide zum Abnehmen wirken in der Forschung über den GLP-1-Rezeptor, der an der Regulation von Sattigung, Magenentleerung und glukoseabhängiger Insulinsekretion beteiligt ist. Der GLP-1-Mono-Agonismus gilt als das am längsten untersuchte Prinzip dieser Substanzklasse und dient als Referenzpunkt für alle neueren Multi-Rezeptor-Moleküle.
Semaglutid 2,4 mg ist der prototypische GLP-1-Mono-Agonist. In der Phase-3-Studie STEP 1 von Wilding et al., 2021 berichteten die Autoren bei n=1961 Studienteilnehmern eine mittlere Gewichtsveränderung von -14,9 Prozent gegenüber -2,4 Prozent unter Placebo nach 68 Wochen; 86 Prozent der Verum-Gruppe erreichten in diesem Modell eine Reduktion von mindestens 5 Prozent.
Der zugrunde liegende Mechanismus beruht auf einer verzögerten Magenentleerung und einer zentralnervösen Modulation des Sattigungssignals. Da die Insulinsekretion glukoseabhängig ausgelöst wird, bleibt das Hypoglykämie-Risiko in der präklinischen Charakterisierung gering. Aus diesem Referenzprofil leitet die Forschung die Frage ab, ob eine zusätzliche Aktivierung von GIP-, Glukagon- oder Amylin-Rezeptoren additive Effekte auf den Energiehaushalt erzeugt. Genau diese Frage steht im Zentrum der Multi-Agonisten-Entwicklung, die in den folgenden Abschnitten behandelt wird. Ein direkter Datenvergleich zweier Multi-Agonisten findet sich unter Retatrutide vs. Tirzepatide.
Welche Rolle spielt GIP neben GLP-1 in der Forschung?
Der GIP-Rezeptor ist das zweite Inkretin-Zielprotein und wird in der Forschung eng mit dem GLP-1-Signalweg verknüpft. GIP moduliert die Insulinsekretion und wirkt darüber hinaus auf Fettgewebe sowie auf zentralnervöse Regelkreise, die an der Nahrungsaufnahme beteiligt sind. Die Kombination von GIP- und GLP-1-Agonismus bildet das pharmakologische Fundament der dualen Agonisten.
Tirzepatid ist der prototypische duale GIP/GLP-1-Agonist. In der Phase-3-Studie SURMOUNT-1 von Jastreboff et al., 2022 berichteten die Autoren bei n=2539 Studienteilnehmern eine mittlere Gewichtsreduktion von 16,0 Prozent (5 mg) bis rund 22,5 Prozent (15 mg) gegenüber etwa 3,1 Prozent unter Placebo nach 72 Wochen. Bemerkenswert ist die Zusammensetzung des Gewichtsverlusts: Die Fettmasse-Reduktion fiel etwa dreimal so hoch aus wie die Reduktion der fettfreien Masse (33,9 Prozent gegenüber 10,9 Prozent).
Im dualen Modell verstärkt der GIP-Anteil den appetitregulierenden Effekt und beeinflusst zusätzlich die Insulinsensitivität. Der Anteil der Studienteilnehmer, die eine Reduktion von mindestens 25 Prozent erreichten, stieg mit der Dosis auf bis zu 39,7 Prozent gegenüber 0,3 Prozent unter Placebo. Diese Daten machen den dualen Agonismus zum Bindeglied zwischen dem klassischen GLP-1-Mono-Agonismus und dem Triple-Agonismus, der einen dritten Rezeptor hinzunimmt.
Was macht der Glukagon-Rezeptor-Agonismus bei Retatrutid besonders?
Retatrutid unterscheidet sich von allen dualen und Mono-Agonisten durch die zusätzliche Aktivierung des Glukagon-Rezeptors (GCG-R). Während GIP und GLP-1 primär Insulinsekretion und Sattigung modulieren, adressiert der Glukagon-Anteil den Energieumsatz: In der präklinischen Charakterisierung von Coskun et al., 2022 wurde eine Steigerung des basalen Energieverbrauchs sowie eine erhöhte hepatische Lipidoxidation beschrieben, also eine gesteigerte Verstoffwechselung von Leberfett.
Diese dreifache Rezeptorwirkung spiegelt sich in den klinischen Daten wider. In der Phase-2-Studie von Jastreboff et al., 2023 berichteten die Autoren gestaffelte Gewichtsreduktionen von -8,7 Prozent (1 mg), -17,1 Prozent (4 mg), -22,8 Prozent (8 mg) und -24,2 Prozent (12 mg) gegenüber -2,1 Prozent unter Placebo. Besonders auffällig war die Leberfett-Reduktion von rund 86 Prozent in der 12-mg-Gruppe, wobei 93 Prozent dieser Teilnehmer nach 48 Wochen normale Leberfettwerte erreichten (Sanyal et al., 2024), ein Befund von hohem Interesse für die NAFLD- und NASH-Forschung.
Der Wirkstoff wird als lyophilisiertes Pulver mit einer Reinheit von mindestens 99 Prozent (HPLC) gehandelt und ist massenspektrometrisch bestätigt sowie endotoxingetestet.
Diese Studienergebnisse beziehen sich ausschließlich auf den Arzneistoffkandidaten in klinischen Studien; sie sind kein Nutzenversprechen und kein Grund zum Kauf.
Weitere strukturierte Datenvergleiche bieten die Seiten Retatrutide vs. Tesamorelin und Retatrutide vs. MOTS-c.
Wie schneidet ein Amylin-Analogon beim Gewichtsverlust ab?
Ein Amylin-Analogon adressiert beim Gewichtsverlust einen von GLP-1 und GIP unabhängigen Signalweg: den Amylin-Rezeptor, der Sattigung und Magenentleerung über eigene zentralnervöse Bahnen vermittelt. Der Forschungsvertreter dieser Klasse ist Cagrilintid, ein langwirksames Amylin-Analogon. Die entscheidende wissenschaftliche Frage lautet, ob sich der Amylin- und der GLP-1-Signalweg additiv verhalten.
Diese Frage beantwortete erstmals die Phase-1b-Studie von Enebo et al., 2021. Bei n=95 Studienteilnehmern berichteten die Autoren über 20 Wochen eine Gewichtsreduktion von -15,7 Prozent (Cagrilintid 1,2 mg) beziehungsweise -17,1 Prozent (Cagrilintid 2,4 mg) in Kombination mit Semaglutid 2,4 mg, verglichen mit -9,8 Prozent unter Semaglutid allein. Dies war der erste humane Nachweis, dass Amylin und GLP-1 additiv wirken.
Die Fixkombination CagriSema wurde anschließend in größeren Studien untersucht. Die Phase-3-Studie REDEFINE 1 (Garvey et al., 2025) berichtete bei n=3417 Studienteilnehmern eine Reduktion von -20,4 Prozent gegenüber -3,0 Prozent unter Placebo nach 68 Wochen. Erganzend liefert die Phase-2-Untersuchung von Frias et al., 2023 Daten zur Kombination im Diabetes-Modell. Damit ist das Amylin-Prinzip der jüngste Baustein der Multi-Signalweg-Forschung und der Suchbegriff amylin analogon gewichtsverlust ein eigenständiges Feld.
Welche Studiendaten liegen zu den einzelnen Peptiden vor?
Der direkte Forschungsvergleich der vier Substanzklassen macht die Systematik sichtbar. Alle folgenden Werte stammen aus placebokontrollierten klinischen Studien mit 48 bis 72 Wochen Beobachtungsdauer und beschreiben die mittlere Gewichtsveränderung der jeweiligen Wirkstoffkandidaten.
| Substanz | Rezeptorprofil | Studie | Gewichtsveränderung | Placebo | | --- | --- | --- | --- | --- | | Retatrutid | GIP/GLP-1/Glukagon | Phase 2 (48 Wo) | -8,7 bis -24,2 % | -2,1 % | | Tirzepatid | GIP/GLP-1 | SURMOUNT-1 (72 Wo) | -16,0 bis -22,5 % | -3,1 % | | Semaglutid | GLP-1 | STEP 1 (68 Wo) | -14,9 % | -2,4 % | | Cagrilintid + Semaglutid | Amylin + GLP-1 | Phase 1b (20 Wo) | -15,7 bis -17,1 % | -9,8 %* | | CagriSema | Amylin + GLP-1 | REDEFINE 1 (68 Wo) | -20,4 % | -3,0 % |
*Vergleichsarm Semaglutid allein.
Die Systematik zeigt einen konsistenten Forschungstrend: Mit jedem zusätzlich adressierten Rezeptor steigt in diesen Modellen das Ausmaß der berichteten Gewichtsreduktion. Der Triple-Agonist Retatrutid markiert in der Phase-2-Auswertung von Jastreboff et al., 2023 den höchsten Einzelwert. Gleichzeitig unterscheiden sich die Studien in Dauer, Teilnehmerzahl und Studienphase, weshalb ein direkter Zahlenvergleich stets diese methodischen Rahmenbedingungen berücksichtigen muss. Ein weiterer Datenvergleich findet sich unter Retatrutide vs. CJC-1295.
Welche pharmakokinetischen Eigenschaften unterscheiden die Peptide?
Die Pharmakokinetik entscheidet in der Forschung über das Dosierungsintervall der Studienprotokolle. Alle vier Leitsubstanzen weisen eine terminale Halbwertszeit im Bereich mehrerer Tage auf und wurden in Studien subkutan im wochentlichen Intervall verabreicht.
Für Retatrutid berichteten Urva et al., 2022 in der First-in-human-Untersuchung eine terminale Halbwertszeit von etwa 5 bis 7 Tagen, entsprechend rund 144 bis 165 Stunden, mit einer maximalen Plasmakonzentration nach etwa 1 bis 3 Tagen und dosisproportionaler Kinetik. Die Herstellerangabe der biologischen Halbwertszeit liegt bei rund 6 Tagen. Semaglutid weist mit rund 7 Tagen (etwa 165 Stunden) eine vergleichbare Halbwertszeit auf, was in beiden Fällen das wochentliche Intervall stützt.
Tirzepatid liegt mit rund 5 Tagen (etwa 117 Stunden) etwas darunter, während Cagrilintid als langwirksames Amylin-Analogon mit rund 7 bis 9 Tagen die längste Halbwertszeit der Gruppe aufweist. Diese Kinetik erklärt, warum die Kombination aus Cagrilintid und Semaglutid pharmakologisch gut aufeinander abgestimmt ist. Für die präzise Umrechnung von Halbwertszeit, Steady-State und Akkumulationsfaktor stellt der Peptidrechner ein pharmakokinetisches Werkzeug bereit, das die hier genannten Kennwerte modelliert.
Welche Molekulargewichte und Strukturen haben diese Peptide?
Die Molekülstruktur erklärt die pharmakologischen Unterschiede zwischen den Peptiden. Retatrutid ist ein 30 Aminosäuren langes Peptid mit C18-Diacid-Modifikation und amidiertem C-Terminus. Die im Produktdatenblatt angegebene Sequenz beginnt mit His und endet auf Gly-Arg-NH2; die Fettsäure-Modifikation verlängert die Plasmahalbwertszeit durch Albumin-Bindung, ein in der Peptidchemie etabliertes Prinzip.
Die ungefähren Molekulargewichte der vier Leitsubstanzen liegen eng beieinander, unterscheiden sich aber charakteristisch:
| Substanz | Summenformel (ca.) | Molekulargewicht (ca.) | | --- | --- | --- | | Semaglutid | C187H291N45O59 | 4113,6 g/mol | | Cagrilintid | Amylin-Analogon | 3751,9 g/mol | | Retatrutid | 30-mer, C18-Diacid | ca. 4731 g/mol | | Tirzepatid | C225H348N48O68 | 4813,5 g/mol |
Diese Werte sind Näherungsangaben und sollten vor einer analytischen Verwendung gegen eine Chemiedatenbank abgeglichen werden. Auffällig ist, dass Cagrilintid als Amylin-Analogon das kleinste Molekül der Gruppe ist, während der duale Agonist Tirzepatid das größte darstellt. Retatrutid ordnet sich trotz seiner drei Rezeptor-Zielstrukturen im mittleren Bereich ein, was zeigt, dass die Rezeptorselektivität nicht allein von der Molekülgröße abhängt, sondern von der genauen Aminosäuresequenz und den chemischen Modifikationen. Coskun et al. beschrieben die Rezeptor-Potenzprofile über alle drei Zielrezeptoren hinweg im Detail.
Welche Dosierungen werden in Studien verwendet?
Die in der Literatur berichteten Dosierungen dienen ausschließlich der Beschreibung der Studienprotokolle und stellen keine Anwendungsempfehlung dar. Alle genannten Substanzen sind Forschungspeptide; eine Übertragung der Studiendosen auf einen Anwendungskontext außerhalb kontrollierter Forschung findet in diesem Leitfaden nicht statt.
In den Retatrutid-Studien wurde ein Dosisbereich von 1 bis 12 mg pro Woche subkutan untersucht. Um die Vertraglichkeit zu verbessern, verwendeten die Studienprotokolle eine schrittweise Dosis-Eskalation von 2 beziehungsweise 4 mg alle vier Wochen, wie Jastreboff et al., 2023 beschrieben. Diese langsame Aufdosierung ist ein wiederkehrendes Merkmal der Inkretin-Forschung und dient der Reduktion gastrointestinaler Effekte.
Zum Vergleich untersuchten die Referenzstudien Tirzepatid in Dosen von 5, 10 und 15 mg wöchentlich, Semaglutid bei 2,4 mg wöchentlich und Cagrilintid in Dosen bis 2,4 mg wöchentlich.
Welche sind die besten Peptide zur Fettverbrennung im Forschungsvergleich?
Die Frage nach den besten Peptiden zur Fettverbrennung lässt sich im Forschungsvergleich nur über das Rezeptorprofil und die Zusammensetzung des Gewichtsverlusts beantworten, nicht über pauschale Rangfolgen. Entscheidend ist in der Forschung, welcher Anteil der Gewichtsreduktion tatsächlich auf Fettmasse und nicht auf fettfreie Masse entfällt.
Hier liefert SURMOUNT-1 den präzisesten Datensatz: Jastreboff et al., 2022 berichteten für Tirzepatid eine etwa dreifach höhere Reduktion der Fettmasse gegenüber der fettfreien Masse (33,9 Prozent zu 10,9 Prozent). Retatrutid ergänzt dieses Profil um den Glukagon-Anteil, der laut Coskun et al., 2022 die hepatische Lipidoxidation und den basalen Energieverbrauch erhöht, also einen direkten Bezug zur Fettverbrennung im Lebergewebe herstellt. Die berichtete Leberfett-Reduktion von rund 86 Prozent unter 12 mg Retatrutid unterstreicht diesen Aspekt.
Für die reine Sattigungswirkung ist der Amylin-Signalweg relevant, während GLP-1 die Magenentleerung verlangsamt. Im Forschungssinne gibt es daher nicht das eine beste Peptid, sondern komplementäre Rezeptor-Strategien. Der Triple-Agonist Retatrutid vereint die meisten dieser Mechanismen in einem Molekül und ist deshalb in der aktuellen Adipositas-Forschung von besonderem Interesse.
Diese Studienergebnisse beziehen sich ausschließlich auf den Arzneistoffkandidaten in klinischen Studien; sie sind kein Nutzenversprechen und kein Grund zum Kauf.
Wie werden diese Forschungspeptide gelagert und rekonstituiert?
Die korrekte Lagerung ist für die Stabilität der Peptide entscheidend. Retatrutid wird als lyophilisiertes, temperaturstabiles Pulver geliefert. Im gefriergetrockneten Zustand ist das Peptid vergleichsweise unempfindlich, sollte aber dennoch kühl, trocken und lichtgeschützt aufbewahrt werden, um eine Degradation der Aminosäuresequenz zu vermeiden.
Nach der Rekonstitution mit bakteriostatischem Wasser ändert sich das Anforderungsprofil deutlich. Die gelöste Substanz ist im Kühlschrank bei etwa 2 bis 8 Grad Celsius zu lagern, da gelöste Peptide in wässriger Lösung deutlich anfälliger für hydrolytische und mikrobielle Zersetzung sind. Bakteriostatisches Wasser enthält Benzylalkohol, der das Wachstum von Mikroorganismen über mehrere Wochen hemmt und deshalb in der Peptidforschung als Standard-Rekonstitutionsmedium gilt.
Wiederholtes Einfrieren und Auftauen sollte vermieden werden, da Temperaturzyklen die dreidimensionale Struktur des Peptids beeinträchtigen können. Für die Qualitätssicherung wird das hier beschriebene Material massenspektrometrisch bestätigt, per HPLC auf eine Reinheit von mindestens 99 Prozent geprüft und auf Endotoxine getestet. Diese Analytik ist Voraussetzung für reproduzierbare Ergebnisse in der Forschung. Die lange biologische Halbwertszeit von rund 6 Tagen ist eine Eigenschaft des Moleküls im Organismus und darf nicht mit der Lagerstabilität der rekonstituierten Lösung verwechselt werden, die deutlich kürzer ist.
Welche Nebenwirkungen sind aus der Forschung bekannt?
In den klinischen Studien der Inkretin-Klasse traten am häufigsten gastrointestinale Effekte auf. Diese umfassten Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Obstipation und waren in der Regel dosisabhängig sowie in den ersten Wochen der Dosis-Eskalation am ausgeprägtesten. Aus diesem Grund verwendeten die Studienprotokolle die bereits beschriebene schrittweise Aufdosierung, um die Vertraglichkeit zu verbessern.
Für Retatrutid berichteten Jastreboff et al., 2023 ein Nebenwirkungsprofil, das mit dem der übrigen Inkretin-Agonisten vergleichbar war, wobei die gastrointestinalen Effekte mit steigender Dosis zunahmen. Der zusätzliche Glukagon-Anteil des Triple-Agonisten war in den Studien Gegenstand einer gesonderten Beobachtung von Herzfrequenz und Glukosestoffwechsel, da Glukagon-Rezeptor-Aktivierung diese Parameter beeinflussen kann.
Für die dualen und Mono-Agonisten zeigten SURMOUNT-1 (Jastreboff et al., 2022) und STEP 1 (Wilding et al., 2021) ein konsistentes Bild mit überwiegend milden bis moderaten gastrointestinalen Ereignissen. Bei der Amylin-Kombination beschrieben Enebo et al., 2021 ein ähnliches Verträglichkeitsmuster. Alle diese Beobachtungen stammen aus kontrollierten Studien an den Wirkstoffkandidaten und beschreiben ausschließlich Befunde im Studienkontext, nicht Erfahrungen aus einer Anwendung außerhalb der Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Sind Peptide zum Abnehmen dasselbe wie zugelassene Medikamente?
Nein. Die hier beschriebenen Substanzen sind Forschungspeptide und werden ausschließlich als lyophilisierte Laborware zu Forschungszwecken angeboten. Die zitierten Studiendaten beziehen sich auf die pharmakologische Charakterisierung der Wirkstoffkandidaten und nicht auf eine Anwendung außerhalb kontrollierter Forschung.
Worin unterscheidet sich Retatrutid von Tirzepatid?
Retatrutid ist ein Triple-Agonist, der GIP, GLP-1 und den Glukagon-Rezeptor bindet, während Tirzepatid als dualer Agonist nur GIP und GLP-1 adressiert. Der zusätzliche Glukagon-Anteil ist in der Forschung mit erhöhtem Energieverbrauch und hepatischer Lipidoxidation assoziiert. Einen strukturierten Datenvergleich bietet die Seite Retatrutide vs. Tirzepatide.
Was bedeutet ein Amylin-Analogon im Vergleich zu GLP-1?
Ein Amylin-Analogon wie Cagrilintid wirkt über einen eigenen Rezeptor, der Sattigung und Magenentleerung unabhängig vom GLP-1-Signalweg vermittelt. Die Phase-1b-Studie von Enebo et al. zeigte, dass sich Amylin- und GLP-1-Wirkung in den berichteten Daten additiv verhalten.
Wie lange ist die Halbwertszeit von Retatrutid?
In der First-in-human-Untersuchung von Urva et al. wurde eine terminale Halbwertszeit von etwa 5 bis 7 Tagen berichtet, entsprechend rund 144 bis 165 Stunden. Die genaue Modellierung von Steady-State und Akkumulation lässt sich mit dem Peptidrechner nachvollziehen.
Wie werden rekonstituierte Peptide gelagert?
Nach dem Auflösen mit bakteriostatischem Wasser sind die Peptide im Kühlschrank bei etwa 2 bis 8 Grad Celsius zu lagern und vor wiederholtem Einfrieren zu schützen. Das lyophilisierte Pulver selbst ist temperaturstabil, sollte aber ebenfalls kühl und lichtgeschützt aufbewahrt werden.
Nur für Forschungszwecke. Nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt. Wissenschaftliche Redaktion: Dr. Sieglinde Klaus
Quellenangaben
- Garvey WT, et al. Tirzepatide once weekly for the treatment of obesity in people with type 2 diabetes (SURMOUNT-2): a double-blind, randomised, multicentre, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet (London, England). 2023.PMID
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33567185/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35658024/
- Wang X, et al. CD24-Siglec axis is an innate immune checkpoint against metaflammation and metabolic disorder. Cell metabolism. 2022.PMID
- Sanyal A., et al. Triple hormone receptor agonist retatrutide for metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease: a randomized phase 2a trial. Nature Medicine. 2024.DOI
- Becerril S, Frühbeck G. Cagrilintide plus semaglutide for obesity management. Lancet (London, England). 2021.

