Peptide zum Abnehmen: GLP-1, GIP und Amylin im Forschungsvergleich
Dr. Sieglinde Klaus
Wissenschaftliche Redaktion · Bergdorf Bioscience

Inhaltsverzeichnis
- 01Was bedeutet "Peptide zum Abnehmen" in der Forschung?
- 02Wie wirken GLP-1-Peptide zum Abnehmen im Forschungsvergleich?
- 03Welche Rolle spielt GIP neben GLP-1 in der Forschung?
- 04Was macht der Glukagon-Rezeptor-Agonismus bei Retatrutid besonders?
- 05Wie schneidet ein Amylin-Analogon beim Gewichtsverlust ab?
- 06Welche Studiendaten liegen zu den einzelnen Peptiden vor?
- 07Welche pharmakokinetischen Eigenschaften unterscheiden die Peptide?
- 08Welche Molekulargewichte und Strukturen haben diese Peptide?
- 09Welche Dosierungen werden in Studien verwendet?
- 10Welche sind die besten Peptide zur Fettverbrennung im Forschungsvergleich?
- 11Wie werden diese Forschungspeptide gelagert und rekonstituiert?
- 12Welche Nebenwirkungen sind aus der Forschung bekannt?
- 13Haeufig gestellte Fragen
- Sind Peptide zum Abnehmen dasselbe wie zugelassene Medikamente?
- Worin unterscheidet sich Retatrutid von Tirzepatid?
- Was bedeutet ein Amylin-Analogon im Vergleich zu GLP-1?
- Wie lange ist die Halbwertszeit von Retatrutid?
- Wie werden rekonstituierte Peptide gelagert?
Peptide zum Abnehmen sind in der Forschung eine Klasse von Rezeptor-Agonisten, die im Tiermodell und in klinischen Studien eine dosisabhaengige Reduktion des Koerpergewichts zeigen. Die drei am intensivsten untersuchten Wirkprinzipien sind GLP-1-, GIP- und Amylin-Rezeptor-Agonismus, exemplarisch vertreten durch Retatrutid, Tirzepatid, Semaglutid und Cagrilintid. Dieser Leitfaden ordnet die Studienlage neutral ein, ausschliesslich im Forschungsvergleich und ohne jede Aussage zur menschlichen Anwendung.
Was bedeutet "Peptide zum Abnehmen" in der Forschung?
Der Begriff "Peptide zum Abnehmen" beschreibt im wissenschaftlichen Kontext synthetische Peptid-Analoga koerpereigener Inkretin- und Sattigungshormone, die als Forschungssubstanzen zur Untersuchung von Energiehaushalt und Adipositas-Modellen dienen. Die relevanten Rezeptorklassen sind GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1), GIP (Glucose-abhaengiges insulinotropes Polypeptid), der Glukagon-Rezeptor (GCG-R) sowie der Amylin-Rezeptor. In praeklinischen und klinischen Studien werden diese Rezeptoren einzeln oder in Kombination adressiert.
Retatrutid (Forschungscode LY3437943) ist ein Triple-Agonist, der GIP, GLP-1 und Glukagon gleichzeitig bindet und sich damit vom dualen GIP/GLP-1-Agonisten Tirzepatid sowie vom GLP-1-Mono-Agonisten Semaglutid abgrenzt. In der Phase-2-Studie von Jastreboff et al., 2023 berichteten die Autoren bei n=338 Studienteilnehmern eine dosisabhaengige Gewichtsreduktion von bis zu -24,2 Prozent nach 48 Wochen gegenueber -2,1 Prozent unter Placebo.
Alle in diesem Leitfaden genannten Substanzen sind Forschungspeptide. Die Daten stammen aus kontrollierten klinischen Studien an den jeweiligen Wirkstoffkandidaten und beschreiben ausschliesslich die pharmakologische Charakterisierung dieser Molekuele, nicht deren Anwendung ausserhalb des Studienkontexts. Ein vertiefender Ueberblick findet sich im Retatrutid-Leitfaden und im Tirzepatid-Leitfaden.
Wie wirken GLP-1-Peptide zum Abnehmen im Forschungsvergleich?
GLP-1-Peptide zum Abnehmen wirken in der Forschung ueber den GLP-1-Rezeptor, der an der Regulation von Sattigung, Magenentleerung und glukoseabhaengiger Insulinsekretion beteiligt ist. Der GLP-1-Mono-Agonismus gilt als das am laengsten untersuchte Prinzip dieser Substanzklasse und dient als Referenzpunkt fuer alle neueren Multi-Rezeptor-Molekuele.
Semaglutid 2,4 mg ist der prototypische GLP-1-Mono-Agonist. In der Phase-3-Studie STEP 1 von Wilding et al., 2021 berichteten die Autoren bei n=1961 Studienteilnehmern eine mittlere Gewichtsveraenderung von -14,9 Prozent gegenueber -2,4 Prozent unter Placebo nach 68 Wochen; 86 Prozent der Verum-Gruppe erreichten in diesem Modell eine Reduktion von mindestens 5 Prozent.
Der zugrunde liegende Mechanismus beruht auf einer verzoegerten Magenentleerung und einer zentralnervoesen Modulation des Sattigungssignals. Da die Insulinsekretion glukoseabhaengig ausgeloest wird, bleibt das Hypoglykaemie-Risiko in der praeklinischen Charakterisierung gering. Aus diesem Referenzprofil leitet die Forschung die Frage ab, ob eine zusaetzliche Aktivierung von GIP-, Glukagon- oder Amylin-Rezeptoren additive Effekte auf den Energiehaushalt erzeugt. Genau diese Frage steht im Zentrum der Multi-Agonisten-Entwicklung, die in den folgenden Abschnitten behandelt wird. Ein direkter Datenvergleich zweier Multi-Agonisten findet sich unter Retatrutide vs. Tirzepatide.
Welche Rolle spielt GIP neben GLP-1 in der Forschung?
Der GIP-Rezeptor ist das zweite Inkretin-Zielprotein und wird in der Forschung eng mit dem GLP-1-Signalweg verknuepft. GIP moduliert die Insulinsekretion und wirkt darueber hinaus auf Fettgewebe sowie auf zentralnervoese Regelkreise, die an der Nahrungsaufnahme beteiligt sind. Die Kombination von GIP- und GLP-1-Agonismus bildet das pharmakologische Fundament der dualen Agonisten.
Tirzepatid ist der prototypische duale GIP/GLP-1-Agonist. In der Phase-3-Studie SURMOUNT-1 von Jastreboff et al., 2022 berichteten die Autoren bei n=2539 Studienteilnehmern eine mittlere Gewichtsreduktion von 16,0 Prozent (5 mg) bis rund 22,5 Prozent (15 mg) gegenueber etwa 3,1 Prozent unter Placebo nach 72 Wochen. Bemerkenswert ist die Zusammensetzung des Gewichtsverlusts: Die Fettmasse-Reduktion fiel etwa dreimal so hoch aus wie die Reduktion der fettfreien Masse (33,9 Prozent gegenueber 10,9 Prozent).
Im dualen Modell verstaerkt der GIP-Anteil den appetitregulierenden Effekt und beeinflusst zusaetzlich die Insulinsensitivitaet. Der Anteil der Studienteilnehmer, die eine Reduktion von mindestens 25 Prozent erreichten, stieg mit der Dosis auf bis zu 39,7 Prozent gegenueber 0,3 Prozent unter Placebo. Diese Daten machen den dualen Agonismus zum Bindeglied zwischen dem klassischen GLP-1-Mono-Agonismus und dem Triple-Agonismus, der einen dritten Rezeptor hinzunimmt.
Was macht der Glukagon-Rezeptor-Agonismus bei Retatrutid besonders?
Retatrutid unterscheidet sich von allen dualen und Mono-Agonisten durch die zusaetzliche Aktivierung des Glukagon-Rezeptors (GCG-R). Waehrend GIP und GLP-1 primaer Insulinsekretion und Sattigung modulieren, adressiert der Glukagon-Anteil den Energieumsatz: In der praeklinischen Charakterisierung von Coskun et al., 2022 wurde eine Steigerung des basalen Energieverbrauchs sowie eine erhoehte hepatische Lipidoxidation beschrieben, also eine gesteigerte Verstoffwechselung von Leberfett.
Diese dreifache Rezeptorwirkung spiegelt sich in den klinischen Daten wider. In der Phase-2-Studie von Jastreboff et al., 2023 berichteten die Autoren gestaffelte Gewichtsreduktionen von -8,7 Prozent (1 mg), -17,1 Prozent (4 mg), -22,8 Prozent (8 mg) und -24,2 Prozent (12 mg) gegenueber -2,1 Prozent unter Placebo. Besonders auffaellig war die Leberfett-Reduktion von rund 86 Prozent in der 12-mg-Gruppe, wobei 93 Prozent dieser Teilnehmer nach 48 Wochen normale Leberfettwerte erreichten (Sanyal et al., 2024), ein Befund von hohem Interesse fuer die NAFLD- und NASH-Forschung.
Der Wirkstoff wird als lyophilisiertes Pulver mit einer Reinheit von mindestens 99 Prozent (HPLC) gehandelt und ist massenspektrometrisch bestaetigt sowie endotoxingetestet.
Diese Studienergebnisse beziehen sich ausschliesslich auf den Arzneistoffkandidaten in klinischen Studien; sie sind kein Nutzenversprechen und kein Grund zum Kauf.
Weitere strukturierte Datenvergleiche bieten die Seiten Retatrutide vs. Tesamorelin und Retatrutide vs. MOTS-c.
Wie schneidet ein Amylin-Analogon beim Gewichtsverlust ab?
Ein Amylin-Analogon adressiert beim Gewichtsverlust einen von GLP-1 und GIP unabhaengigen Signalweg: den Amylin-Rezeptor, der Sattigung und Magenentleerung ueber eigene zentralnervoese Bahnen vermittelt. Der Forschungsvertreter dieser Klasse ist Cagrilintid, ein langwirksames Amylin-Analogon. Die entscheidende wissenschaftliche Frage lautet, ob sich der Amylin- und der GLP-1-Signalweg additiv verhalten.
Diese Frage beantwortete erstmals die Phase-1b-Studie von Enebo et al., 2021. Bei n=95 Studienteilnehmern berichteten die Autoren ueber 20 Wochen eine Gewichtsreduktion von -15,7 Prozent (Cagrilintid 1,2 mg) beziehungsweise -17,1 Prozent (Cagrilintid 2,4 mg) in Kombination mit Semaglutid 2,4 mg, verglichen mit -9,8 Prozent unter Semaglutid allein. Dies war der erste humane Nachweis, dass Amylin und GLP-1 additiv wirken.
Die Fixkombination CagriSema wurde anschliessend in groesseren Studien untersucht. Die Phase-3-Studie REDEFINE 1 (Garvey et al., 2025) berichtete bei n=3417 Studienteilnehmern eine Reduktion von -20,4 Prozent gegenueber -3,0 Prozent unter Placebo nach 68 Wochen. Erganzend liefert die Phase-2-Untersuchung von Frias et al., 2023 Daten zur Kombination im Diabetes-Modell. Damit ist das Amylin-Prinzip der juengste Baustein der Multi-Signalweg-Forschung und der Suchbegriff amylin analogon gewichtsverlust ein eigenstaendiges Feld.
Welche Studiendaten liegen zu den einzelnen Peptiden vor?
Der direkte Forschungsvergleich der vier Substanzklassen macht die Systematik sichtbar. Alle folgenden Werte stammen aus placebokontrollierten klinischen Studien mit 48 bis 72 Wochen Beobachtungsdauer und beschreiben die mittlere Gewichtsveraenderung der jeweiligen Wirkstoffkandidaten.
| Substanz | Rezeptorprofil | Studie | Gewichtsveraenderung | Placebo | | --- | --- | --- | --- | --- | | Retatrutid | GIP/GLP-1/Glukagon | Phase 2 (48 Wo) | -8,7 bis -24,2 % | -2,1 % | | Tirzepatid | GIP/GLP-1 | SURMOUNT-1 (72 Wo) | -16,0 bis -22,5 % | -3,1 % | | Semaglutid | GLP-1 | STEP 1 (68 Wo) | -14,9 % | -2,4 % | | Cagrilintid + Semaglutid | Amylin + GLP-1 | Phase 1b (20 Wo) | -15,7 bis -17,1 % | -9,8 %* | | CagriSema | Amylin + GLP-1 | REDEFINE 1 (68 Wo) | -20,4 % | -3,0 % |
*Vergleichsarm Semaglutid allein.
Die Systematik zeigt einen konsistenten Forschungstrend: Mit jedem zusaetzlich adressierten Rezeptor steigt in diesen Modellen das Ausmass der berichteten Gewichtsreduktion. Der Triple-Agonist Retatrutid markiert in der Phase-2-Auswertung von Jastreboff et al., 2023 den hoechsten Einzelwert. Gleichzeitig unterscheiden sich die Studien in Dauer, Teilnehmerzahl und Studienphase, weshalb ein direkter Zahlenvergleich stets diese methodischen Rahmenbedingungen beruecksichtigen muss. Ein weiterer Datenvergleich findet sich unter Retatrutide vs. CJC-1295.
Welche pharmakokinetischen Eigenschaften unterscheiden die Peptide?
Die Pharmakokinetik entscheidet in der Forschung ueber das Dosierungsintervall der Studienprotokolle. Alle vier Leitsubstanzen weisen eine terminale Halbwertszeit im Bereich mehrerer Tage auf und wurden in Studien subkutan im wochentlichen Intervall verabreicht.
Fuer Retatrutid berichteten Urva et al., 2022 in der First-in-human-Untersuchung eine terminale Halbwertszeit von etwa 5 bis 7 Tagen, entsprechend rund 144 bis 165 Stunden, mit einer maximalen Plasmakonzentration nach etwa 1 bis 3 Tagen und dosisproportionaler Kinetik. Die Herstellerangabe der biologischen Halbwertszeit liegt bei rund 6 Tagen. Semaglutid weist mit rund 7 Tagen (etwa 165 Stunden) eine vergleichbare Halbwertszeit auf, was in beiden Faellen das wochentliche Intervall stuetzt.
Tirzepatid liegt mit rund 5 Tagen (etwa 117 Stunden) etwas darunter, waehrend Cagrilintid als langwirksames Amylin-Analogon mit rund 7 bis 9 Tagen die laengste Halbwertszeit der Gruppe aufweist. Diese Kinetik erklaert, warum die Kombination aus Cagrilintid und Semaglutid pharmakologisch gut aufeinander abgestimmt ist. Fuer die praezise Umrechnung von Halbwertszeit, Steady-State und Akkumulationsfaktor stellt der Peptidrechner ein pharmakokinetisches Werkzeug bereit, das die hier genannten Kennwerte modelliert.
Welche Molekulargewichte und Strukturen haben diese Peptide?
Die Molekuelstruktur erklaert die pharmakologischen Unterschiede zwischen den Peptiden. Retatrutid ist ein 30 Aminosaeuren langes Peptid mit C18-Diacid-Modifikation und amidiertem C-Terminus. Die im Produktdatenblatt angegebene Sequenz beginnt mit His und endet auf Gly-Arg-NH2; die Fettsaeure-Modifikation verlaengert die Plasmahalbwertszeit durch Albumin-Bindung, ein in der Peptidchemie etabliertes Prinzip.
Die ungefaehren Molekulargewichte der vier Leitsubstanzen liegen eng beieinander, unterscheiden sich aber charakteristisch:
| Substanz | Summenformel (ca.) | Molekulargewicht (ca.) | | --- | --- | --- | | Semaglutid | C187H291N45O59 | 4113,6 g/mol | | Cagrilintid | Amylin-Analogon | 3751,9 g/mol | | Retatrutid | 30-mer, C18-Diacid | ca. 4731 g/mol | | Tirzepatid | C225H348N48O68 | 4813,5 g/mol |
Diese Werte sind Naeherungsangaben und sollten vor einer analytischen Verwendung gegen eine Chemiedatenbank abgeglichen werden. Auffaellig ist, dass Cagrilintid als Amylin-Analogon das kleinste Molekuel der Gruppe ist, waehrend der duale Agonist Tirzepatid das groesste darstellt. Retatrutid ordnet sich trotz seiner drei Rezeptor-Zielstrukturen im mittleren Bereich ein, was zeigt, dass die Rezeptorselektivitaet nicht allein von der Molekuelgroesse abhaengt, sondern von der genauen Aminosaeuresequenz und den chemischen Modifikationen. Coskun et al. beschrieben die Rezeptor-Potenzprofile ueber alle drei Zielrezeptoren hinweg im Detail.
Welche Dosierungen werden in Studien verwendet?
Die in der Literatur berichteten Dosierungen dienen ausschliesslich der Beschreibung der Studienprotokolle und stellen keine Anwendungsempfehlung dar. Alle genannten Substanzen sind Forschungspeptide; eine Uebertragung der Studiendosen auf einen Anwendungskontext ausserhalb kontrollierter Forschung findet in diesem Leitfaden nicht statt.
In den Retatrutid-Studien wurde ein Dosisbereich von 1 bis 12 mg pro Woche subkutan untersucht. Um die Vertraglichkeit zu verbessern, verwendeten die Studienprotokolle eine schrittweise Dosis-Eskalation von 2 beziehungsweise 4 mg alle vier Wochen, wie Jastreboff et al., 2023 beschrieben. Diese langsame Aufdosierung ist ein wiederkehrendes Merkmal der Inkretin-Forschung und dient der Reduktion gastrointestinaler Effekte.
Zum Vergleich untersuchten die Referenzstudien Tirzepatid in Dosen von 5, 10 und 15 mg woechentlich, Semaglutid bei 2,4 mg woechentlich und Cagrilintid in Dosen bis 2,4 mg woechentlich.
Welche sind die besten Peptide zur Fettverbrennung im Forschungsvergleich?
Die Frage nach den besten Peptiden zur Fettverbrennung laesst sich im Forschungsvergleich nur ueber das Rezeptorprofil und die Zusammensetzung des Gewichtsverlusts beantworten, nicht ueber pauschale Rangfolgen. Entscheidend ist in der Forschung, welcher Anteil der Gewichtsreduktion tatsaechlich auf Fettmasse und nicht auf fettfreie Masse entfaellt.
Hier liefert SURMOUNT-1 den praezisesten Datensatz: Jastreboff et al., 2022 berichteten fuer Tirzepatid eine etwa dreifach hoehere Reduktion der Fettmasse gegenueber der fettfreien Masse (33,9 Prozent zu 10,9 Prozent). Retatrutid ergaenzt dieses Profil um den Glukagon-Anteil, der laut Coskun et al., 2022 die hepatische Lipidoxidation und den basalen Energieverbrauch erhoeht, also einen direkten Bezug zur Fettverbrennung im Lebergewebe herstellt. Die berichtete Leberfett-Reduktion von rund 86 Prozent unter 12 mg Retatrutid unterstreicht diesen Aspekt.
Fuer die reine Sattigungswirkung ist der Amylin-Signalweg relevant, waehrend GLP-1 die Magenentleerung verlangsamt. Im Forschungssinne gibt es daher nicht das eine beste Peptid, sondern komplementaere Rezeptor-Strategien. Der Triple-Agonist Retatrutid vereint die meisten dieser Mechanismen in einem Molekuel und ist deshalb in der aktuellen Adipositas-Forschung von besonderem Interesse.
Diese Studienergebnisse beziehen sich ausschliesslich auf den Arzneistoffkandidaten in klinischen Studien; sie sind kein Nutzenversprechen und kein Grund zum Kauf.
Wie werden diese Forschungspeptide gelagert und rekonstituiert?
Die korrekte Lagerung ist fuer die Stabilitaet der Peptide entscheidend. Retatrutid wird als lyophilisiertes, temperaturstabiles Pulver geliefert. Im gefriergetrockneten Zustand ist das Peptid vergleichsweise unempfindlich, sollte aber dennoch kuehl, trocken und lichtgeschuetzt aufbewahrt werden, um eine Degradation der Aminosaeuresequenz zu vermeiden.
Nach der Rekonstitution mit bakteriostatischem Wasser aendert sich das Anforderungsprofil deutlich. Die geloeste Substanz ist im Kuehlschrank bei etwa 2 bis 8 Grad Celsius zu lagern, da geloeste Peptide in waessriger Loesung deutlich anfaelliger fuer hydrolytische und mikrobielle Zersetzung sind. Bakteriostatisches Wasser enthaelt Benzylalkohol, der das Wachstum von Mikroorganismen ueber mehrere Wochen hemmt und deshalb in der Peptidforschung als Standard-Rekonstitutionsmedium gilt.
Wiederholtes Einfrieren und Auftauen sollte vermieden werden, da Temperaturzyklen die dreidimensionale Struktur des Peptids beeintraechtigen koennen. Fuer die Qualitaetssicherung wird das hier beschriebene Material massenspektrometrisch bestaetigt, per HPLC auf eine Reinheit von mindestens 99 Prozent geprueft und auf Endotoxine getestet. Diese Analytik ist Voraussetzung fuer reproduzierbare Ergebnisse in der Forschung. Die lange biologische Halbwertszeit von rund 6 Tagen ist eine Eigenschaft des Molekuels im Organismus und darf nicht mit der Lagerstabilitaet der rekonstituierten Loesung verwechselt werden, die deutlich kuerzer ist.
Welche Nebenwirkungen sind aus der Forschung bekannt?
In den klinischen Studien der Inkretin-Klasse traten am haeufigsten gastrointestinale Effekte auf. Diese umfassten Uebelkeit, Erbrechen, Durchfall und Obstipation und waren in der Regel dosisabhaengig sowie in den ersten Wochen der Dosis-Eskalation am ausgepraegtesten. Aus diesem Grund verwendeten die Studienprotokolle die bereits beschriebene schrittweise Aufdosierung, um die Vertraglichkeit zu verbessern.
Fuer Retatrutid berichteten Jastreboff et al., 2023 ein Nebenwirkungsprofil, das mit dem der uebrigen Inkretin-Agonisten vergleichbar war, wobei die gastrointestinalen Effekte mit steigender Dosis zunahmen. Der zusaetzliche Glukagon-Anteil des Triple-Agonisten war in den Studien Gegenstand einer gesonderten Beobachtung von Herzfrequenz und Glukosestoffwechsel, da Glukagon-Rezeptor-Aktivierung diese Parameter beeinflussen kann.
Fuer die dualen und Mono-Agonisten zeigten SURMOUNT-1 (Jastreboff et al., 2022) und STEP 1 (Wilding et al., 2021) ein konsistentes Bild mit ueberwiegend milden bis moderaten gastrointestinalen Ereignissen. Bei der Amylin-Kombination beschrieben Enebo et al., 2021 ein aehnliches Vertraeglichkeitsmuster. Alle diese Beobachtungen stammen aus kontrollierten Studien an den Wirkstoffkandidaten und beschreiben ausschliesslich Befunde im Studienkontext, nicht Erfahrungen aus einer Anwendung ausserhalb der Forschung.
Haeufig gestellte Fragen
Sind Peptide zum Abnehmen dasselbe wie zugelassene Medikamente?
Nein. Die hier beschriebenen Substanzen sind Forschungspeptide und werden ausschliesslich als lyophilisierte Laborware zu Forschungszwecken angeboten. Die zitierten Studiendaten beziehen sich auf die pharmakologische Charakterisierung der Wirkstoffkandidaten und nicht auf eine Anwendung ausserhalb kontrollierter Forschung.
Worin unterscheidet sich Retatrutid von Tirzepatid?
Retatrutid ist ein Triple-Agonist, der GIP, GLP-1 und den Glukagon-Rezeptor bindet, waehrend Tirzepatid als dualer Agonist nur GIP und GLP-1 adressiert. Der zusaetzliche Glukagon-Anteil ist in der Forschung mit erhoehtem Energieverbrauch und hepatischer Lipidoxidation assoziiert. Einen strukturierten Datenvergleich bietet die Seite Retatrutide vs. Tirzepatide.
Was bedeutet ein Amylin-Analogon im Vergleich zu GLP-1?
Ein Amylin-Analogon wie Cagrilintid wirkt ueber einen eigenen Rezeptor, der Sattigung und Magenentleerung unabhaengig vom GLP-1-Signalweg vermittelt. Die Phase-1b-Studie von Enebo et al. zeigte, dass sich Amylin- und GLP-1-Wirkung in den berichteten Daten additiv verhalten.
Wie lange ist die Halbwertszeit von Retatrutid?
In der First-in-human-Untersuchung von Urva et al. wurde eine terminale Halbwertszeit von etwa 5 bis 7 Tagen berichtet, entsprechend rund 144 bis 165 Stunden. Die genaue Modellierung von Steady-State und Akkumulation laesst sich mit dem Peptidrechner nachvollziehen.
Wie werden rekonstituierte Peptide gelagert?
Nach dem Aufloesen mit bakteriostatischem Wasser sind die Peptide im Kuehlschrank bei etwa 2 bis 8 Grad Celsius zu lagern und vor wiederholtem Einfrieren zu schuetzen. Das lyophilisierte Pulver selbst ist temperaturstabil, sollte aber ebenfalls kuehl und lichtgeschuetzt aufbewahrt werden.
Nur fuer Forschungszwecke. Nicht fuer den menschlichen Verzehr bestimmt. Wissenschaftliche Redaktion: Dr. Sieglinde Klaus
Quellenangaben
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37385275/
- Wilding JPH, et al. Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity. The New England journal of medicine. 2021.PMID
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35658024/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35921817/
- Sanyal A., et al. Triple hormone receptor agonist retatrutide for metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease: a randomized phase 2a trial. Nature Medicine. 2024.DOI
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33894837/
- https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2502081

