SS-31 (Elamipretid): Wie ein Peptid gezielt an den Mitochondrien ansetzt
Dr. Sieglinde Klaus
Wissenschaftliche Redaktion · Bergdorf Bioscience

Inhaltsverzeichnis
- 01Was ist SS-31 (Elamipretid) und wie wirkt es auf die Mitochondrien?
- 02Wie bindet SS-31 an Cardiolipin in der inneren Mitochondrienmembran?
- 03Warum gelten mitochondriale Peptide wie SS-31 als eigene Wirkstoffklasse?
- 04Was zeigte die MMPOWER-3-Studie zu SS-31 Elamipretide bei mitochondrialer Myopathie?
- 05Welche Rolle spielt die genotypspezifische Post-hoc-Analyse?
- 06Was bedeutet die FDA-Zulassung von Elamipretid fuer die Einordnung von SS-31?
- 07Was ergab die TAZPOWER-Studie zum Barth-Syndrom ueber 168 Wochen?
- 08Wie unterscheidet sich SS-31 von einem klassischen Antioxidans?
- 09Welche praeklinischen Alterns- und Herzbefunde gibt es zu SS-31 und Mitochondrien?
- 10Wie wird SS-31 (Elamipretid) in der Forschung dosiert und appliziert?
- 11Wie ordnet sich SS-31 in einen mitochondrialen Peptid-Stack ein?
- 12Haeufige Fragen zu SS-31 (Elamipretid)
- Ist SS-31 dasselbe wie Elamipretid?
- Ist Elamipretid von der FDA zugelassen?
- Warum wirkt SS-31 gezielt an den Mitochondrien?
- Welche Nebenwirkungen wurden in Studien am haeufigsten berichtet?
- Kann ich SS-31 bei BergdorfBio kaufen?
SS-31 Elamipretide Mitochondrien beschreibt ein Forschungsfeld rund um ein mitochondrial gerichtetes Tetrapeptid, das sich selektiv in der inneren Mitochondrienmembran anreichert und dort an das Phospholipid Cardiolipin bindet. In praeklinischen und klinischen Studien wurde untersucht, wie diese Bindung die Cristae-Architektur und die Effizienz der Atmungskette beeinflusst. Dieser Leitfaden fasst die Datenlage rein wissenschaftlich zusammen; er stellt keine Anwendungsempfehlung dar.
Was ist SS-31 (Elamipretid) und wie wirkt es auf die Mitochondrien?
SS-31 Elamipretide Mitochondrien lassen sich am besten ueber die Struktur des Molekuels erklaeren. SS-31 (Synonyme: Elamipretid, MTP-131, Bendavia; Entwickler Stealth BioTherapeutics) ist ein aromatisch-kationisches Tetrapeptid mit der Sequenz D-Arg-2',6'-dimethylTyr-Lys-Phe-NH2 und einem Molekulargewicht von etwa 640 Da. Durch die alternierende Anordnung basischer und aromatischer Reste kann das Peptid Zellmembranen ohne spezifischen Transporter passieren und reichert sich, dem elektrischen Potenzial folgend, in der inneren Mitochondrienmembran an.
Der zentrale Befund der Grundlagenforschung ist, dass SS-31 dort nicht wahllos wirkt, sondern gezielt mit dem mitochondrienspezifischen Phospholipid Cardiolipin interagiert. Eine Proteomik-Studie kartierte die Interaktionslandschaft und zeigte eine cardiolipin-nahe Bindung an Komponenten der Atmungskette (Chavez et al., 2020). In der Folge wurde in Modellen eine stabilisierte Cristae-Struktur, eine bessere Organisation der respiratorischen Superkomplexe und ein effizienterer Elektronentransport beschrieben. Ein umfassender Uebersichtsartikel ordnet SS-31 daher zugleich als bioenergetischen Verstaerker und als gezieltes Antioxidans ein, das den Elektronenverlust und damit die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies reduziert (Int J Mol Sci, 2025). Wichtig fuer die Einordnung: Diese Mechanismen stammen aus praeklinischen und experimentellen Systemen und beschreiben keine Wirkung beim gesunden Menschen.
Wie bindet SS-31 an Cardiolipin in der inneren Mitochondrienmembran?
Cardiolipin ist ein ungewoehnliches, vierkettiges Phospholipid, das nahezu ausschliesslich in der inneren Mitochondrienmembran vorkommt und dort eng mit den Cristae und den Enzymkomplexen der Atmungskette assoziiert ist. Genau an dieser Struktur setzt SS-31 an. Eine mechanistische Arbeit zeigte, dass das Peptid Lipiddoppelschichten bindet und die Oberflaechenelektrostatik cardiolipin-haltiger Membranen moduliert, was als Schluesselkomponente seines Wirkmechanismus beschrieben wurde (Mitchell et al., 2020).
Die praktische Bedeutung dieser Bindung liegt in der Rolle von Cardiolipin als strukturelles Geruest. Ist das Phospholipid oxidativ geschaedigt oder fehlorganisiert, koennen die Cristae abflachen und die Superkomplexe der Atmungskette auseinanderdriften; Elektronen entweichen leichter und erzeugen reaktive Sauerstoffspezies. In den zitierten Modellen stabilisierte die SS-31-Cardiolipin-Interaktion diese Geometrie und verringerte den Elektronenverlust. Anders als ein klassisches Antioxidans, das freie Radikale erst nach ihrer Entstehung abfaengt, setzt SS-31 damit weiter vorne an, naemlich an der Membran, an der die Radikale entstehen. Diese Unterscheidung ist forschungsseitig zentral, weil sie erklaert, warum SS-31 in Konzentrationen wirksam sein kann, die deutlich unter denen typischer Radikalfaenger liegen. Auch hier gilt: Es handelt sich um mechanistische Befunde aus Zell- und Tiermodellen, nicht um belegte Effekte am Menschen.
Warum gelten mitochondriale Peptide wie SS-31 als eigene Wirkstoffklasse?
Mitochondriale Peptide sind eine kleine, aber konzeptionell eigenstaendige Gruppe von Forschungssubstanzen, die im Unterschied zu vielen systemisch verteilten Peptiden gezielt am Mitochondrium ansetzen. SS-31 ist der am weitesten klinisch untersuchte Vertreter der aromatisch-kationischen Peptide, die ohne Transporter in die Zelle und weiter in die innere Membran gelangen. Der Reiz dieser Klasse liegt in der Adressierung: Statt eine ganze Zelle zu fluten, konzentriert sich der Wirkstoff dort, wo Energiestoffwechsel und oxidativer Stress zusammentreffen.
Ein zweiter, mechanistisch anders gelagerter Vertreter mitochondrialer Peptide ist MOTS-c, ein mitochondrial kodiertes Peptid, das eher als Signalmolekuel im Zellstoffwechsel diskutiert wird. Wer die beiden Ansaetze vergleichen moechte, findet die Details im MOTS-c Leitfaden. Gemeinsam ist beiden das Forschungsinteresse an mitochondrialer Funktion und deren Rolle im Alterungsprozess.
Ein Uebersichtsartikel aus dem Jahr 2025 fasst Struktur, Wirkmechanismus und untersuchte Anwendungsfelder von Elamipretid zusammen und listet Modelle aus primaerer mitochondrialer Myopathie, Barth-Syndrom, Herzinsuffizienz, Ischaemie-Reperfusion, akuter Nierenschaedigung, trockener AMD, Leber-Optikusatrophie, Neurodegeneration und Alterung auf (Int J Mol Sci, 2025). Diese Breite illustriert, wie universell mitochondriale Dysfunktion in der Forschung als gemeinsamer Nenner vieler Zustaende diskutiert wird, sagt aber nichts ueber einen belegten Nutzen in einer dieser Indikationen aus.
Charakteristisch fuer die Klasse ist zudem, dass die Substanzen nicht ueber einen klassischen Rezeptor an der Zelloberflaeche wirken, sondern ihre Zielstruktur im Inneren des Organells finden. Diese Adressierung erklaert, warum die Konzentration von SS-31 im Mitochondrium ein Vielfaches der zellulaeren Durchschnittskonzentration erreichen kann; das Peptid folgt schlicht dem starken elektrochemischen Gradienten ueber der inneren Membran. Fuer die pharmakologische Bewertung ist genau diese Anreicherung Chance und Herausforderung zugleich, weil sie eine gezielte Wirkung ermoeglicht, die Dosis-Wirkungs-Beziehung aber komplexer macht als bei frei verteilten Molekuelen.
Was zeigte die MMPOWER-3-Studie zu SS-31 Elamipretide bei mitochondrialer Myopathie?
SS-31 Elamipretide Mitochondrien standen im Zentrum von MMPOWER-3, der bislang groessten kontrollierten Studie zu diesem Molekuel. In der Phase-3-Studie wurden 218 Erwachsene mit primaerer mitochondrialer Myopathie im Verhaeltnis 1:1 randomisiert und ueber 24 Wochen entweder mit 40 mg Elamipretid pro Tag subkutan oder mit Placebo behandelt (Karaa et al., 2023).
Das Ergebnis war fuer die Entwickler ernuechternd: Die Studie verfehlte beide co-primaeren Endpunkte. Weder bei der im Sechs-Minuten-Gehtest zurueckgelegten Distanz noch bei der Gesamtmuedigkeit gemessen mit der PMMSA-Skala zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Verum und Placebo. Damit war die zentrale Wirksamkeitshypothese in der breiten Studienpopulation nicht bestaetigt.
Diese Klarheit ist forschungsseitig wertvoll, weil sie einen haeufigen Fehlschluss verhindert: Ein plausibler Wirkmechanismus auf Molekuelebene garantiert keinen messbaren klinischen Effekt in einer heterogenen Patientengruppe. Die vorangegangene Crossover-Studie MMPOWER-2 hatte noch funktionelle Signale und eine Zielstruktur-Bindung nahegelegt (Karaa et al., 2020), doch der Sprung von diesen Signalen zu einem harten Endpunkt in einer groesseren Population gelang nicht. MMPOWER-3 ist damit ein Lehrbeispiel dafuer, warum die Forschung an SS-31 trotz eleganter Mechanistik nuechtern bewertet werden muss.
Welche Rolle spielt die genotypspezifische Post-hoc-Analyse?
Nach dem verfehlten Primaerendpunkt von MMPOWER-3 richtete sich die Aufmerksamkeit auf Untergruppen. Eine Post-hoc-Analyse untersuchte, ob bestimmte genetische Konstellationen anders auf Elamipretid ansprachen als die Gesamtpopulation (Post-hoc MMPOWER-3, 2024). Dabei zeigte sich ein Signal in der Subgruppe mit Stoerungen des mtDNA-Replisoms beziehungsweise mit chronisch progressiver externer Ophthalmoplegie (CPEO).
Konkret berichtete die Analyse in dieser Subgruppe eine Verbesserung im Sechs-Minuten-Gehtest um plus 37,3 Meter unter Elamipretid gegenueber minus 8,0 Metern unter Placebo. Das ist eine deutliche Differenz, die die Hypothese stuetzt, dass der Nutzen eines mitochondrial gerichteten Peptids vom zugrunde liegenden molekularen Defekt abhaengen koennte.
Zugleich ist methodische Zurueckhaltung geboten. Post-hoc-Analysen sind hypothesengenerierend, nicht bestaetigend: Sie durchsuchen die Daten nachtraeglich nach Mustern und sind anfaellig fuer Zufallsbefunde, weil die Gruppen klein und nicht vorab definiert sind. Ein solches Signal ist ein Grund, eine gezielte, prospektive Studie in genau dieser Genotypgruppe zu planen, aber kein Wirksamkeitsnachweis. Fuer die Einordnung von SS-31 bedeutet das: Die pauschale Aussage wirkt oder wirkt nicht greift zu kurz; die Forschung bewegt sich in Richtung genotypspezifischer Fragestellungen.
Was bedeutet die FDA-Zulassung von Elamipretid fuer die Einordnung von SS-31?
Im September 2025 erhielt Elamipretid seine erste Zulassung durch die US-Arzneimittelbehoerde FDA, und zwar eng begrenzt fuer das Barth-Syndrom, eine seltene, genetisch bedingte Erkrankung mit gestoertem Cardiolipin-Stoffwechsel. Diese Zulassung ist fuer die Einordnung des Molekuels bedeutsam, weil sie zeigt, dass Elamipretid einen regulatorischen Wirksamkeits- und Sicherheitsnachweis fuer eine spezifische, klar umrissene Indikation erbracht hat.
Entscheidend ist jedoch die Reichweite dieser Aussage. Die Zulassung betrifft ausschliesslich das Barth-Syndrom und ein definiertes pharmazeutisches Fertigprodukt unter aerztlicher Aufsicht. Sie ist kein Freibrief fuer andere Anwendungen und laesst sich nicht auf allgemeine mitochondriale Fragestellungen, Alterung oder Leistungsfaehigkeit uebertragen. Insbesondere bedeutet sie nicht, dass eine als Forschungssubstanz gehandelte SS-31-Praeparation das zugelassene Arzneimittel ersetzt oder eine mitochondriale Erkrankung behandelt. Fuer die primaere mitochondriale Myopathie, das breitere Untersuchungsfeld, liegt gerade kein positiver Primaerendpunkt vor (siehe MMPOWER-3).
Die richtige Lesart lautet daher: Die FDA-Zulassung bestaetigt die grundsaetzliche pharmakologische Legitimitaet des Molekuels Elamipretid in einem eng definierten Kontext, ordnet aber die weit verbreitete Verwendung als reine Forschungssubstanz keineswegs als therapeutisch belegt ein. Wer SS-31 im Labor untersucht, arbeitet ausserhalb jeder zugelassenen Indikation und ohne jeglichen Nutzenbeleg fuer den Menschen.
Was ergab die TAZPOWER-Studie zum Barth-Syndrom ueber 168 Wochen?
Die Grundlage der spaeteren Zulassung bildete unter anderem TAZPOWER, eine Studie beim Barth-Syndrom mit einer offenen Verlaengerungsphase ueber 168 Wochen. Diese lange Beobachtungsdauer ist vor allem fuer das Sicherheits- und Vertraeglichkeitsprofil aufschlussreich (Thompson et al., 2024).
Das Nebenwirkungsprofil wurde dabei klar von der Applikationsart gepraegt. Da Elamipretid in den Studien subkutan injiziert wurde, dominierten Reaktionen an der Injektionsstelle. Am haeufigsten traten Roetungen (Erythem) und Juckreiz (Pruritus) auf, jeweils bei rund 80 Prozent der Teilnehmer der Verlaengerungsphase, gefolgt von Schmerzen an der Einstichstelle bei etwa 70 Prozent. Diese Reaktionen waren ueberwiegend leicht bis maessig ausgepraegt. Schwere Reaktionen, die eine Dosisanpassung erforderten, waren mit unter 5 Prozent selten, und es zeigte sich kein kardiovaskulaeres Sicherheitssignal ueber das Placeboniveau hinaus.
Fuer die Forschungspraxis ist die Botschaft eindeutig: Das relevante Sicherheitsthema von SS-31 ist nicht ein systemisches Organrisiko, sondern die lokale Vertraeglichkeit an der Injektionsstelle. In Studienprotokollen wird deshalb ein Rotieren der Applikationsstellen (Bauch, Oberschenkel, Oberarm) empfohlen, um wiederholte lokale Reizungen zu verringern. Diese Beobachtung ordnet SS-31 in eine Reihe subkutan applizierter Peptide ein, bei denen die Hautvertraeglichkeit den praktischen Umgang staerker praegt als eine systemische Toxizitaet.
Wie unterscheidet sich SS-31 von einem klassischen Antioxidans?
Ein verbreitetes Missverstaendnis ist, SS-31 sei lediglich ein weiteres Antioxidans. Die Datenlage legt eine praezisere Einordnung nahe. Ein klassischer Radikalfaenger wie Vitamin C oder ein N-Acetylcystein wirkt weitgehend unspezifisch verteilt und faengt reaktive Sauerstoffspezies ab, nachdem sie bereits entstanden sind. SS-31 dagegen konzentriert sich an der inneren Mitochondrienmembran und stabilisiert dort die Cardiolipin-abhaengige Architektur, an der die Radikale ueberhaupt erst gebildet werden (Chavez et al., 2020).
Der Uebersichtsartikel von 2025 beschreibt diesen Doppelcharakter ausdruecklich: SS-31 wirke sowohl als bioenergetischer Verstaerker, der die Effizienz der ATP-Synthese verbessere, als auch als gezieltes Antioxidans, das den sogenannten Teufelskreis aus reaktiven Sauerstoffspezies und Membranschaeden unterbreche (Int J Mol Sci, 2025). Dieser Kreislauf entsteht, wenn oxidierte Membranlipide die Atmungskette weiter destabilisieren, was noch mehr Radikale erzeugt.
Die Unterscheidung ist nicht rein akademisch. Sie erklaert, warum SS-31 in Modellen bereits in niedrigen Konzentrationen Effekte zeigt, waehrend viele allgemeine Antioxidantien in klinischen Studien enttaeuscht haben. Zugleich bleibt der Vorbehalt bestehen, dass ein sauber definierter Mechanismus im Reagenzglas nicht automatisch einen klinischen Nutzen bedeutet, wie MMPOWER-3 eindruecklich gezeigt hat.
Welche praeklinischen Alterns- und Herzbefunde gibt es zu SS-31 und Mitochondrien?
Ein grosser Teil des Interesses an SS-31 stammt aus der Alterungsforschung, denn eine nachlassende mitochondriale Funktion gilt als Kennzeichen des Alterns. Eine viel beachtete Arbeit im Mausmodell untersuchte, ob eine erst im hohen Alter begonnene SS-31-Gabe die Herzfunktion beeinflusst. Die Autoren berichteten, dass eine spaete Behandlung die mitochondriale Funktion wiederherstellte und eine altersbedingte kardiale Funktionsstoerung im Modell umkehrte (Whitson et al., 2020).
Solche Befunde sind fuer die Grundlagenforschung bemerkenswert, weil sie nahelegen, dass mitochondriale Schaeden nicht zwangslaeufig fixiert sind, sondern in Modellen zumindest teilweise reversibel erscheinen. Ergaenzend arbeitet die medizinische Chemie an neuen SS-31-Derivaten; eine Studie beschrieb Abkoemmlinge des Grundgeruests D-Arg-dimethylTyr-Lys-Phe-NH2, die Entzuendungsmarker senkten und die mitochondriale ATP-Synthese steigerten (SS-31-Derivate, 2024).
Diese praeklinischen Ergebnisse muessen streng von der klinischen Realitaet getrennt werden. Tiermodelle und Zellsysteme sind hochkontrolliert und uebertragen sich notorisch schlecht auf den Menschen, wie der Kontrast zwischen den positiven Herzbefunden im Mausmodell und dem verfehlten Endpunkt bei mitochondrialer Myopathie zeigt. Gerade in der Alterungsforschung ist diese Luecke gross, weil das Altern ein ueber Jahrzehnte laufender Prozess ist, den eine mehrwoechige Tierstudie nur ausschnitthaft abbildet. Der Wert solcher Befunde liegt daher weniger in einer Uebertragbarkeit auf den Menschen als in der Klaerung des Mechanismus und in der Frage, welche Endpunkte kuenftige Studien ueberhaupt sinnvoll messen koennten. Wer sich fuer die breitere Verbindung von Mitochondrien und biologischem Altern interessiert, findet den Kontext im Peptide Anti-Aging Leitfaden.
Wie wird SS-31 (Elamipretid) in der Forschung dosiert und appliziert?
In den klinischen Studien wurde Elamipretid durchgaengig in einer Dosierung von 40 mg pro Tag subkutan verabreicht, so auch ueber 24 Wochen in MMPOWER-3 (Karaa et al., 2023). Diese Angabe beschreibt ausschliesslich das Studienprotokoll bei einer definierten Patientengruppe unter aerztlicher Aufsicht und ist ausdruecklich keine Empfehlung fuer irgendeine Anwendung ausserhalb solcher Studien.
Pharmakologisch relevant ist, dass die taegliche Applikation auf eine vergleichsweise kurze systemische Verweildauer des Peptids hindeutet; ein einmal taegliches Schema deutet darauf hin, dass sich die Substanz nicht ueber Tage im Kreislauf akkumuliert. Wer die Kinetik solcher Peptide modellhaft nachvollziehen moechte, kann den Half-Life-Rechner fuer SS-31 nutzen, um Konzentrationsverlaeufe und Akkumulation ueber verschiedene Intervalle zu visualisieren.
Zum praktischen Umgang gehoert das bereits genannte Rotieren der Injektionsstellen zwischen Bauch, Oberschenkel und Oberarm, da Reaktionen an der Einstichstelle das haeufigste unerwuenschte Ereignis darstellen. Als Forschungssubstanz ist SS-31 auf BergdorfBio derzeit nicht als kaufbares Produkt gelistet; der Wirkstoff wird hier ausschliesslich im Rahmen der wissenschaftlichen Einordnung besprochen. Diese Transparenz ist bewusst gewaehlt, weil eine seriose Darstellung mitochondrialer Peptide zwischen dokumentierter Forschung und einem konkreten Produktangebot klar trennen sollte.
Wie ordnet sich SS-31 in einen mitochondrialen Peptid-Stack ein?
In der Diskussion um Langlebigkeitsforschung taucht SS-31 haeufig im Zusammenhang mit kombinierten Ansaetzen auf, die verschiedene Wege der Zellregeneration adressieren. Konzeptionell verbindet solche Ansaetze der Gedanke, mitochondriale Funktion, Gewebereparatur und oxidativen Stress gemeinsam zu betrachten, statt einen einzelnen Mechanismus isoliert zu untersuchen.
Zwei populaere Kombinationskonzepte werden auf BergdorfBio ausfuehrlich beschrieben: der Glow Stack mit Fokus auf Haut und regenerative Prozesse sowie der Klow Stack als dessen Variante. SS-31 wird in der Literatur eher der mitochondrialen Achse zugeordnet, waehrend andere Peptide staerker auf Reparatur oder Signalgebung zielen. Der Vergleich mit MOTS-c im MOTS-c Leitfaden verdeutlicht, dass selbst innerhalb der mitochondrialen Peptide unterschiedliche Wirkprinzipien nebeneinanderstehen.
Diese Einordnung entlang unterschiedlicher biologischer Achsen ist nuetzlich, um Erwartungen zu ordnen, ersetzt aber keine Wirksamkeitspruefung. Fuer die wissenschaftliche Einordnung ist entscheidend, dass es fuer solche Kombinationen keine kontrollierten Humandaten gibt. Die Studienlage zu SS-31 stammt aus Monotherapie-Protokollen bei definierten Erkrankungen, nicht aus Stack-Szenarien in gesunden Personen. Kombinationsideen sind daher hypothesengetrieben und gehoeren in den Bereich der Forschungsplanung, nicht der belegten Praxis. Wer Peptide vergleichend betrachtet, sollte diese Grenze der Evidenz stets mitdenken und mechanistische Plausibilitaet nicht mit klinischem Nachweis verwechseln.
Haeufige Fragen zu SS-31 (Elamipretid)
Ist SS-31 dasselbe wie Elamipretid?
Ja, SS-31 und Elamipretid bezeichnen dasselbe Molekuel; weitere Synonyme sind MTP-131 und Bendavia. Es handelt sich um ein mitochondrial gerichtetes Tetrapeptid mit der Sequenz D-Arg-dimethylTyr-Lys-Phe-NH2, das an Cardiolipin in der inneren Mitochondrienmembran bindet.
Ist Elamipretid von der FDA zugelassen?
Elamipretid erhielt im September 2025 seine erste FDA-Zulassung, eng begrenzt auf das seltene Barth-Syndrom. Fuer die primaere mitochondriale Myopathie verfehlte die Phase-3-Studie MMPOWER-3 dagegen ihre co-primaeren Endpunkte. Die Zulassung gilt ausschliesslich fuer eine definierte Indikation und ein zugelassenes Arzneimittel, nicht fuer Forschungssubstanzen.
Warum wirkt SS-31 gezielt an den Mitochondrien?
Durch seine aromatisch-kationische Struktur passiert SS-31 Membranen ohne Transporter und folgt dem elektrischen Potenzial in die innere Mitochondrienmembran, wo es an Cardiolipin bindet. Dadurch stabilisiert es in Modellen die Cristae-Architektur und die Superkomplexe der Atmungskette.
Welche Nebenwirkungen wurden in Studien am haeufigsten berichtet?
Da Elamipretid subkutan injiziert wurde, dominierten Reaktionen an der Injektionsstelle. In der 168-Wochen-Verlaengerung von TAZPOWER traten Roetung und Juckreiz bei jeweils rund 80 Prozent sowie Schmerzen bei etwa 70 Prozent der Teilnehmer auf, ueberwiegend leicht bis maessig.
Kann ich SS-31 bei BergdorfBio kaufen?
Nein. SS-31 wird auf BergdorfBio derzeit nicht als kaufbares Produkt gefuehrt und ausschliesslich als Forschungssubstanz im wissenschaftlichen Kontext besprochen. Dieser Leitfaden dient der Einordnung der Datenlage und stellt keine Anwendungsempfehlung dar.
Nur fuer Forschungszwecke. Nicht fuer den menschlichen Verzehr bestimmt. Wissenschaftliche Redaktion: Dr. Sieglinde Klaus
Quellenangaben
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC11816484/
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7247319/
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10382259/
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7432581/
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC11583740/
- Thompson WR, et al. Long-term efficacy and safety of elamipretide in patients with Barth syndrome: 168-week open-label extension results of TAZPOWER. Genetics in medicine : official journal of the American College of Medical Genetics. 2024.PMID
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11409442/

