VIP-Peptid: Rezeptoren, Wirkung und Forschungsstand
Dr. Sieglinde Klaus
Wetenschappelijke redactie · Bergdorf Bioscience


Dr. Sieglinde Klaus
Wetenschappelijke redactie · Bergdorf Bioscience

Das VIP Peptid, ausgeschrieben vasoaktives intestinales Peptid, ist ein körpereigenes Signalpeptid aus 28 Aminosäuren (Carlquist et al., 1982). Es bindet an die Rezeptoren VPAC1 und VPAC2 und aktiviert in experimentellen Systemen eine Gs-gekoppelte cAMP-Signalgebung (Nicole et al., 2000; Piper et al., 2022). Die VIP Forschung untersucht diese Achse in unterschiedlichen Gewebe- und Zellsystemen. Ihre Ergebnisse sind stark von Rezeptor, Zelltyp und Versuchsmodell abhängig und begründen keine therapeutische Anwendung.
Die Bezeichnung VIP geht auf „vasoactive intestinal peptide“ zurück. Das isolierte Peptid umfasst 28 Aminosäurereste und endet mit einem amidierten Asparagin. Für das aus porcinem Gehirn charakterisierte Molekül wurde die Sequenz HSDAVFTDNYTRLRKQMAVKKYLNSILN-NH2 bestimmt; die Arbeit berichtete zugleich die Übereinstimmung mit zuvor aus dem oberen Darm isoliertem VIP und mit der Aminosäurezusammensetzung von humanem Kolon-VIP (Carlquist et al., 1982). Diese Sequenz ist eine molekulare Identitätsangabe, keine Aussage über eine Wirkung eines bestimmten Forschungsprodukts.
VIP entsteht biologisch als Teil eines größeren Vorläuferproteins. Die Analyse des menschlichen VIP-Gens zeigte sieben Exons; die Sequenzen für VIP und das verwandte Peptid PHM-27 liegen in unterschiedlichen Exons desselben Vorläufergens (Linder et al., 1987). Die Forschung trennt daher Genexpression und Vorläuferprozessierung, Struktur des reifen Peptids sowie Rezeptorinteraktion.
Auch die räumliche Gestalt ist keine starre Form. Ein systematischer Austausch einzelner Aminosäuren kombinierte Modellierung mit Bindungs- und Adenylylcyclase-Assays an Zellen, die humanes VPAC1 oder VPAC2 exprimierten. Änderungen an mehreren Positionen beeinflussten Bindung und Signalaktivierung unterschiedlich (Nicole et al., 2000). Solche Daten gelten für definierte In-vitro-Systeme und erlauben keine Vorhersage einer Organwirkung allein aus der Sequenz.
Diese Ebenen ergänzen sich: Die Isolationsarbeit belegt die Primärstruktur, die Genarbeit den Vorläufer und das Substitutionsscreening funktionell relevante Seitenketten im jeweiligen Rezeptorassay (Carlquist et al., 1982; Linder et al., 1987; Nicole et al., 2000). Keine Methode bestimmt allein Identität, Reinheit, Faltung oder Aktivität einer konkreten Probe. Ein Forschungsbericht sollte daher deren chemische Charakterisierung getrennt von biologischen Referenzdaten dokumentieren. Das schützt vor einer Vermischung von Referenzmolekül und untersuchter Probe.
VPAC1 und VPAC2 gehören zur Klasse B1 der G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. Die Klonierung eines humanen VIP-Rezeptors aus HT29-Zellen zeigte nach Expression in COS-7- und 293-Zellen eine spezifische, sättigbare VIP-Bindung und einen cAMP-Anstieg (Sreedharan et al., 1993). Für das humane VIPR2-Gen wurde ein Rezeptor mit sieben Transmembransegmenten beschrieben, der ebenfalls an cAMP-Signalgebung gekoppelt ist (Lutz et al., 1999). Die heutigen Namen lauten VPAC1 und VPAC2.
Kryo-Elektronenmikroskopische Analysen lösten einen aktiven, Gs-gekoppelten VIP-VPAC1-Komplex auf. Ergänzende Dynamiksimulationen zeigten bewegliche Peptidkontakte und Unterschiede zu PACAP27 am VPAC1-Rezeptor (Piper et al., 2022). Ein Rezeptorname ist daher keine vollständige Wirkungsbeschreibung: Ligandenkontakte, Rezeptorkonformation und Zellhintergrund bestimmen gemeinsam das gemessene Signal.
VPAC1 und VPAC2 sind außerdem keine austauschbaren Etiketten. Das Alanin-Scanning von VIP verglich für jeden veränderten Rest sowohl die Bindung als auch die Aktivierung der Adenylylcyclase an beiden humanen Rezeptorsubtypen und fand positionsabhängige Unterschiede (Nicole et al., 2000). Für die Interpretation eines Experiments müssen Sie deshalb angeben, welcher Rezeptor untersucht wurde, wie seine Expression nachgewiesen wurde und welcher Endpunkt gemessen wurde. Eine cAMP-Antwort in einer transfizierten Zelllinie beweist weder denselben Effekt in Primärgewebe noch eine klinische Wirkung.
Auch „Bindung“ und „Aktivierung“ sind getrennte Größen. Im Struktur-Aktivitäts-Screen wurden Ligandenverdrängung und Adenylylcyclase-Stimulation separat erfasst (Nicole et al., 2000). Eine Substitution kann Affinität, Signalpotenz oder beides verändern. Belastbare Vergleiche müssen deshalb Ligand, Assay, Rezeptorexpression und Endpunkt nennen; eine Molekül-Rezeptor-Interaktion bildet noch keine vollständige biologische Antwort ab. So bleibt erkennbar, welche Aussage molekulare Bindung betrifft und welche einen nachgeschalteten Zellassay beschreibt. Gewebeeffekte benötigen wiederum eigene funktionelle Nachweise.

Der am besten belegte frühe Signalweg verläuft über Gs, Adenylylcyclase und den intrazellulären Botenstoff cyclisches Adenosinmonophosphat, kurz cAMP. Schon die funktionelle Expression des humanen VPAC1-Rezeptors zeigte, dass VIP-Bindung und cAMP-Anstieg zusammen auftraten (Sreedharan et al., 1993). Die 2022 gelöste Struktur erfasste den aktiven VIP-VPAC1-Komplex direkt mit Gs und verbindet Funktionsmessungen mit einer strukturellen Momentaufnahme (Piper et al., 2022).
cAMP ist jedoch kein organspezifischer Endpunkt. In humanen bronchialen Calu-3-Zellen führte die Aktivierung basolateraler VPAC1-Rezeptoren durch VIP zu einer CFTR-abhängigen Chloridsekretion; pharmakologische Hemmexperimente ordneten dabei PKA und PKC in den untersuchten Signalweg ein (Dérand et al., 2004). In intestinalen Immunzellen eines Mausmodells verstärkte VIP dagegen nur zusammen mit passenden Zytokinsignalen bestimmte Effektorfunktionen und mobilisierte dabei cAMP sowie glykolytische Energie (Pascal et al., 2022).
Diese Beispiele zeigen, warum „VIP erhöht cAMP“ zwar mechanistisch richtig, aber biologisch unvollständig ist. Das nachgeschaltete Ergebnis hängt von Rezeptordichte, Kompartimentierung, weiteren Signalwegen und dem bereits aktiven Zellprogramm ab. Für ein belastbares Versuchsdesign sollten daher Ligandenbindung, cAMP und der gewebespezifische Endpunkt getrennt gemessen werden. Eine einzelne cAMP-Kurve darf nicht als Stellvertreter für Gefäß-, Lungen-, Darm- oder Immunfunktion dienen (Dérand et al., 2004; Pascal et al., 2022).
Kontrollen und Signalweghemmer helfen, unspezifische Antworten von einer VPAC-abhängigen Reaktion abzugrenzen. Zeitverlauf und Konzentrationsbereich gehören in die Auswertung.
Auch der Vergleichsligand verändert die Interpretation. VIP-VPAC1-, VPAC1-PACAP27- und PAC1-PACAP27-Komplexe unterschieden sich in Kontaktstabilität und Dynamik (Piper et al., 2022). Ein VIP-Signal an VPAC1 darf daher nicht ungeprüft PACAP oder PAC1 zugeschrieben werden. Aussagekräftige Experimente dokumentieren Ligand, Rezeptorsubtyp, Expressionsniveau, Inkubationsfenster und Normalisierung des cAMP-Endpunkts.
Der Namensbestandteil „vasoaktiv“ beruht auf experimentell beobachteten Veränderungen des Gefäßtonus, beschreibt aber keinen einheitlichen Mechanismus in allen Gefäßbetten. In einer humanen Hautstudie wurde VIP lokal per intradermaler Mikrodialyse untersucht. Die gemessene Vasodilatation enthielt eine Stickstoffmonoxid-abhängige Komponente; eine Blockade des Histamin-H1-Rezeptors schwächte die Reaktion ebenfalls ab, während die H2-Blockade in diesem Modell keinen entsprechenden Effekt zeigte (Wilkins et al., 2004).
Diese Daten sind lokal und methodenspezifisch. Sie betreffen den Blutfluss in der Haut unter den Bedingungen einer Mikrodialyse und lassen sich nicht ohne Weiteres auf Koronar-, Hirn- oder Lungengefäße übertragen. Schon ex-vivo Untersuchungen isolierter Gefäße zeigen andere Abhängigkeiten: Präkontrahierte Segmente humaner und boviner intrapulmonaler Arterien relaxierten auf VIP, wobei die Reaktion in diesem Präparat weder ein intaktes Endothel noch adrenerge, cholinerge oder Cyclooxygenase-vermittelte Signale benötigte (Greenberg et al., 1987).
Der Unterschied markiert eine Grenze der Vergleichbarkeit. Hautmikrozirkulation im Menschen und isolierte pulmonale Arteriensegmente prüfen verschiedene Zellverbände, Ausgangstonus-Modelle und Endpunkte. Präzise lautet die Aussage: VIP war unter den jeweiligen Versuchsbedingungen mit einer Gefäßrelaxation verbunden; welche Mediatoren beteiligt waren, hing vom untersuchten Gefäßmodell ab. Daraus folgt weder eine allgemeine Blutdruckwirkung noch eine therapeutische Eignung (Wilkins et al., 2004; Greenberg et al., 1987).
Beide Studien verwendeten zudem andere Messgrößen. In der Haut wurde der Erythrozytenfluss laser-dopplerbasiert erfasst und zur vaskulären Leitfähigkeit ins Verhältnis gesetzt; im Gefäßpräparat wurde die Relaxation vorkontrahierter Arteriensegmente gemessen (Wilkins et al., 2004; Greenberg et al., 1987). Obwohl beide Endpunkte Vasodilatation heißen, sind Skala und System nicht identisch. Ein Vergleich muss Präparat, Ausgangsbedingung, Messverfahren und geprüfte Blockaden berichten.

Im Lungenbereich untersucht die Forschung drei getrennte Ebenen: pulmonale Gefäße, Atemwegsreaktivität und Epithelfunktion. In isolierten humanen und bovinen intrapulmonalen Arterien relaxierte VIP vorkontrahierte Segmente weitgehend endothelunabhängig (Greenberg et al., 1987). Dieses ex-vivo Ergebnis betrifft den Gefäßtonus, nicht Atmung oder Gasaustausch im lebenden Organismus.
Ein genetisches Mausmodell prüfte eine andere Frage. Mäuse ohne funktionelles VIP-Gen zeigten spontan eine erhöhte Reagibilität der Atemwege auf Methacholin, peribronchioläre und perivaskuläre Zellinfiltrate sowie erhöhte Entzündungsmarker in der bronchoalveolären Lavage (Szema et al., 2006). Der Befund stützt eine physiologische Rolle endogener VIP-Signalgebung im Mausmodell. Ein Knockout verändert das System jedoch während der Entwicklung und ist nicht gleichbedeutend mit der kurzfristigen Wirkung extern zugeführten VIPs beim Menschen.
Auf epithelialer Ebene exprimierten humane Calu-3-Bronchialzellen VPAC1. VIP stimulierte dort in Ussing-Kammer- und Efflux-Experimenten einen CFTR-abhängigen Chloridtransport, wenn der Ligand an der basolateralen Seite angeboten wurde (Dérand et al., 2004). Die Seitenabhängigkeit und das verwendete Zellmodell zeigen, wie fein der Kontext definiert werden muss. Zusammengenommen bilden diese Studien keine gemeinsame Wirksamkeitskette, sondern drei eigenständige Forschungsbefunde zu Gefäß, Maus-Atemweg und humaner Zelllinie. Aussagen über eine Behandlung lassen sich daraus nicht ableiten.
Methodisch bleibt diese Trennung entscheidend. Ein Gefäßsegment besitzt weder vollständige neuronale Regulation noch Ventilation und Immunmilieu; eine Epithelzelllinie bildet keine Gefäßantwort ab. Das Knockout-Modell integriert mehrere Gewebe, verändert die VIP-Signalgebung aber während der gesamten Entwicklung (Greenberg et al., 1987; Dérand et al., 2004; Szema et al., 2006). Nur die Modellzuordnung verhindert, dass „Relaxation“ und „Entzündung“ fälschlich als ein Mechanismus erscheinen. Sie prüfen jeweils andere biologische Ebenen.
Die gastrointestinale Forschung umfasst mehr als glatte Muskelrelaxation. In über 2.200 chirurgischen Präparaten aus humanem Dünn- und Dickdarm wurde die nerval ausgelöste epitheliale Sekretion in vitro untersucht. Im Dünndarm überwogen cholinerge Beiträge, während im Dickdarm VIPerge und nitrerge Komponenten die Antwort wesentlich mitprägten; der Transport beruhte auf cAMP-abhängiger Chlorid- und Bicarbonatsekretion (Krueger et al., 2016).
Auch Tiergewebe zeigt, dass Rezeptorort und Verschaltung zählen. Im Meerschweinchen-Jejunum wurde VPAC1 auf cholinergen enterischen Neuronen und in mukosalen Signalwegen nachgewiesen. Funktionelle Präparate verbanden VPAC1 mit indirekt cholinerg vermittelter Muskelkontraktion und epithelialer Chloridsekretion (Fung et al., 2014). Das wirkt nur bei einer pauschalen Einordnung als „Relaxationspeptid“ paradox: Ein erregendes Interneuron kann einen anderen Ausgang erzeugen als die direkte Aktivierung glatter Muskelzellen.
Neuere Mausarbeiten erweitern das Bild um die Darmbarriere. Nach Nahrungsaufnahme aktive VIP-positive enterische Neuronen lagen in Nähe von VPAC2-exprimierenden ILC3. In diesem Modell reduzierte die VPAC2-Aktivierung die IL-22-Produktion einer bestimmten ILC3-Untergruppe und veränderte nachgeschaltete epitheliale Programme (Seillet et al., 2020). Diese Daten betreffen einen fütterungs- und tageszeitabhängigen neuroimmunen Regelkreis der Maus. Sie sind weder eine Ernährungsanweisung noch ein Nachweis eines entsprechenden Nettoeffekts beim Menschen.
Auch die räumliche Auflösung unterscheidet sich: Humanes Resektionsgewebe trennte Dünn- und Dickdarm, das Meerschweinchenmodell das Jejunum und die ILC3-Arbeit definierte Immunzellcluster im Mausileum (Krueger et al., 2016; Fung et al., 2014; Seillet et al., 2020). „Gastrointestinal“ genügt daher nicht als Ortsangabe. Region, Gewebeschicht und Zellpopulation müssen vor Vergleichen zu Sekretion, Motilität oder Barrierefunktion genannt werden. Diese Präzision verhindert, dass lokale Befunde zu einem Gesamteffekt verallgemeinert werden.
VIP wird in der Immunforschung nicht sinnvoll als ausschließlich hemmendes oder aktivierendes Signal beschrieben. Eine Mausstudie fand, dass VIP nach Nahrungsaufnahme über VPAC2 die IL-22-Produktion einer CCR6-positiven ILC3-Untergruppe verringerte (Seillet et al., 2020). Eine weitere Studie beobachtete dagegen, dass VIP allein ILC2 und ILC3 nur schwach aktivierte, ihre Antwort auf zusätzliche Zytokinsignale aber über cAMP und Glykolyse verstärkte (Pascal et al., 2022).
Ein drittes Mausmodell ergänzte eine räumliche Komponente. VIP förderte dort über VPAC1 die Rekrutierung von ILC3 in den Darm; Mäuse ohne VIP oder VPAC1 hatten weniger intestinale ILC3 und waren im Infektionsmodell anfälliger für Citrobacter rodentium (Yu et al., 2021). Zellrekrutierung über VPAC1 und Zytokinregulation über VPAC2 beantworten verschiedene Fragen. Sie ergeben keine pauschale „Stärkung“ oder „Unterdrückung“ des Immunsystems.
Zusätzliche Komplexität zeigt die Lunge: In einem allergischen Mausmodell setzte eine sensorisch-neuronale Schleife VIP frei, das CD4-positive Zellen und ILC2 stimulierte und die Entzündungsreaktion verstärkte (Talbot et al., 2015). Dem steht der Befund erhöhter Atemwegsreaktivität mit Entzündungsmarkern in VIP-Knockout-Mäusen gegenüber (Szema et al., 2006). Organ, Auslöser, Zellsubset, Rezeptor und Zeitfenster müssen daher Teil jeder Aussage bleiben. „Immunmodulatorisch“ bezeichnet ein Forschungsfeld, keine vorhersehbare Gesundheitswirkung.
Die ILC-Befunde lassen sich nicht als richtig oder falsch sortieren. Gemessen wurden die Hemmung von IL-22 in einer VPAC2-positiven Untergruppe, die Verstärkung einer durch Zytokine ausgelösten Antwort und die VPAC1-abhängige Zellrekrutierung in den Darm (Seillet et al., 2020; Pascal et al., 2022; Yu et al., 2021). Zytokinmenge, Stoffwechselzustand und Zellzahl sind verschiedene Endpunkte. Ihre Trennung ergibt ein kohärentes Bild der neuroimmunen VIP Forschung.
Eine Humanbeobachtung stammt aus einer kleinen Studie mit vier gesunden Freiwilligen. Nach dem Ende abgestufter intravenöser VIP-Infusionen fiel die im Plasma gemessene VIP-Immunreaktivität nach einer Kinetik erster Ordnung ab; die Autoren berichteten eine mittlere Disappearance-Halbzeit von ungefähr einer Minute, eine scheinbare metabolische Clearance von etwa 9 Millilitern pro Kilogramm und Minute sowie ein scheinbares Verteilungsvolumen von ungefähr 14 Millilitern pro Kilogramm (Domschke et al., 1978).
Jeder Bestandteil dieser Aussage ist kontexttragend: untersucht wurden vier Personen, eine intravenöse Infusion, ein historischer Radioimmunoassay und der Abfall der gemessenen Plasma-Immunreaktivität nach Infusionsende. „Ungefähr eine Minute“ ist deshalb keine universelle systemische Halbwertszeit. Der Wert beschreibt weder andere Expositionswege noch Gewebesignale, Rezeptorbindung oder die Lebensdauer biologischer Effekte. Ebenso wenig liefert er ein Dosierungsintervall (Domschke et al., 1978).
Die Beobachtung sagt auch nichts über ein lyophilisiertes Material aus. Plasma-Disappearance ist keine Vial-Haltbarkeit, keine Lagerstabilität und keine Aussage über eine rekonstituierte Lösung. Formulierung, Matrix, Temperatur und analytische Methode gehören zu einer Stabilitätsprüfung, wurden in der Humanstudie aber nicht als Produktparameter untersucht (Domschke et al., 1978). Aus diesem Grund sollte die Ein-Minuten-Angabe weder in einen allgemeinen Halbwertszeitrechner ohne Routenhinweis noch in eine Produktbeschreibung übernommen werden. Sie bleibt eine eng begrenzte intravenöse Beobachtung aus einem kleinen Datensatz.
Auch der Begriff „Disappearance“ ist wesentlich. Die Publikation bezeichnet damit den Abfall der per Radioimmunoassay erfassten Plasma-Immunreaktivität, nicht unmittelbar den Verlust jeder intakten Peptidstruktur oder jedes Rezeptorsignals (Domschke et al., 1978). Die Messgröße bleibt somit assay- und routengebunden. Eine Übertragung auf andere Applikationswege, Gewebeverfügbarkeit oder Wirkdauer wäre durch dieses Design nicht belegt.
Eine belastbare Einordnung beginnt mit der Evidenzebene. Sequenzanalysen definieren das Molekül, rekombinante Systeme prüfen Bindung und cAMP, Kryo-EM beschreibt Rezeptorkomplexe, isolierte Gewebe erfassen lokale Funktionen und Tiermodelle vernetzte Reaktionen (Carlquist et al., 1982; Sreedharan et al., 1993; Piper et al., 2022). Keine Ebene ersetzt automatisch die nächste. Neuere Methoden ergänzen räumliche und zelltypspezifische Details, beantworten aber nicht zwingend dieselbe Frage wie ältere Primärdaten.
Sammelbegriffe wie „gefäßerweiternd“, „lungenprotektiv“ oder „entzündungshemmend“ verlangen besondere Vorsicht. In humaner Haut war die Vasodilatation teilweise Stickstoffmonoxid- und H1-abhängig; isolierte pulmonale Arterien reagierten im geprüften Präparat endothelunabhängig (Wilkins et al., 2004; Greenberg et al., 1987). In ILC-Modellen konnte VIP abhängig von Rezeptor, Zellsubset und Koreiz Zytokinsignale vermindern oder verstärken (Seillet et al., 2020; Pascal et al., 2022).
Seriöse VIP Forschung nennt deshalb Spezies, Gewebe, Rezeptor, Versuchsanordnung und Endpunkt. Sie trennt endogenes VIP von extern untersuchtem Peptid. Bergdorf Bio Forschungs-Vials sind keine zugelassenen Arzneimittel und dürfen ihnen nicht gleichgesetzt werden. Eine allgemeine Orientierung bietet der Leitfaden zu Peptid-Nebenwirkungen. Dieser methodische Kontext macht aus den beschriebenen Experimenten keine Anwendungsempfehlung.
Prüfen Sie jede Aussage anhand von Material oder genetischem Eingriff, Rezeptorsubtyp, Spezies, Gewebe, unmittelbarem Endpunkt und ausgeschlossener Übertragung. Bei der Humanstudie sind intravenöse Route, vier Teilnehmende und Plasma-Immunreaktivität unverzichtbar (Domschke et al., 1978). Bei der Kryo-EM-Arbeit zählen gereinigter Rezeptorkomplex, Gs-Kopplung und strukturelle Dynamik (Piper et al., 2022). So bleiben Schlussfolgerungen auf der Ebene der Primärdaten. Nicht gemessene Ebenen sollten im jeweiligen Modell ausdrücklich als offen gekennzeichnet bleiben.
Ja. VIP ist die Abkürzung für vasoaktives intestinales Peptid beziehungsweise englisch „vasoactive intestinal peptide“. Das reife Peptid umfasst 28 Aminosäurereste und trägt am C-Terminus eine Amidgruppe (Carlquist et al., 1982). Die Abkürzung bezeichnet das Molekül, nicht einen eigenen Rezeptor oder Signalweg.
VIP wird vor allem über VPAC1 und VPAC2 untersucht. Rekombinante humane Rezeptorsysteme zeigen spezifische Bindung und eine Kopplung an cAMP, während Struktur- und Mutationsstudien Unterschiede in der Ligandenerkennung der Subtypen belegen (Sreedharan et al., 1993; Nicole et al., 2000). Der jeweilige Subtyp muss experimentell nachgewiesen werden.
Nein. In bronchialen Epithelzellen war VPAC1-cAMP-Signalgebung mit CFTR-abhängigem Chloridtransport verbunden, während sie in intestinalen ILC-Modellen nur zusammen mit weiteren Zytokinsignalen bestimmte Immunantworten verstärkte (Dérand et al., 2004; Pascal et al., 2022). Der zelluläre Kontext bestimmt den Endpunkt.
Nein. Ungefähr eine Minute war die mittlere Disappearance-Halbzeit der Plasma-Immunreaktivität nach dem Ende intravenöser Infusionen bei vier gesunden Freiwilligen (Domschke et al., 1978). Der Wert ist weder routenunabhängig noch ein Dosierungsintervall oder eine Aussage zur Vial-Stabilität.
Nein. Die hier dargestellten Arbeiten untersuchen molekulare, zelluläre, ex-vivo, tierexperimentelle oder eng begrenzte humane Forschungsfragen. Beispielsweise lassen sich Befunde aus VIP-Knockout-Mäusen nicht direkt auf eine externe Anwendung beim Menschen übertragen (Szema et al., 2006). Rezeptorbindung allein belegt keine klinische Wirksamkeit oder Sicherheit.
Nur für Forschungszwecke. Nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt.
Wissenschaftliche Redaktion: Dr. Sieglinde Klaus