Ipamorelin: Wirkung und Dosierung des selektiven GHRP in der Forschung
Dr. Sieglinde Klaus
Wissenschaftliche Redaktion · Bergdorf Bioscience

Inhaltsverzeichnis
- 01Was ist Ipamorelin und zu welcher Peptidklasse gehört es?
- 02Wie sieht das Profil von Ipamorelin Wirkung und Dosierung präklinisch aus?
- 03Wie funktioniert der Wirkmechanismus am GHS-R1a-Rezeptor?
- 04Was macht Ipamorelin zu einem selektiven GHRP?
- 05Welche Kinetik zeigt der GH-Puls nach Ipamorelin?
- 06Was zeigen präklinische Daten zu Wirkung und Dosierung von Ipamorelin am Knochen?
- 07Welche Humandaten zu Ipamorelin existieren?
- 08Wie wird Ipamorelin mit CJC-1295 kombiniert?
- 09Wie unterscheidet sich Ipamorelin von GHRP-2 und GHRP-6?
- 10Welchen regulatorischen Status hat Ipamorelin?
- 11Wie ordnet sich Ipamorelin in die Peptidforschung ein?
- 12Häufig gestellte Fragen
- Ist Ipamorelin ein GHRH-Analogon oder ein GHRP?
- Warum gilt Ipamorelin als selektiv?
- Gibt es Humanstudien zu Ipamorelin?
- Kann man Ipamorelin bei BergdorfBio kaufen?
- Wie schnell wirkt Ipamorelin im Modell?
Ipamorelin ist ein synthetisches Pentapeptid aus der Klasse der Wachstumshormon-Sekretagoga (GHRP). Das Profil von Ipamorelin Wirkung und Dosierung wird in der präklinischen Forschung durch eine selektive, pulsatile Freisetzung von Wachstumshormon beschrieben, ohne dass Cortisol oder Prolaktin nennenswert ansteigen. Dieser Leitfaden fasst die Studienlage strikt als Forschungsdokumentation zusammen, ohne Aussagen zur Anwendung am Menschen.
Was ist Ipamorelin und zu welcher Peptidklasse gehört es?
Ipamorelin ist ein synthetisches Pentapeptid mit der Sequenz Aib-His-D-2-Nal-D-Phe-Lys-NH2. Es zählt zur Gruppe der Wachstumshormon-Sekretagoga (englisch growth hormone secretagogues, GHS) und innerhalb dieser zur Untergruppe der Growth-Hormone-Releasing-Peptide (GHRP). Strukturell leitet es sich vom GHRP-1-Grundgerüst ab, wurde jedoch gezielt so modifiziert, dass es ein besonders schmales pharmakologisches Profil zeigt.
Die grundlegende Charakterisierung stammt aus der Arbeit von Raun et al., 1998, die Ipamorelin als "erstes selektives Wachstumshormon-Sekretagogum" beschrieb. In der Nomenklatur der Forschungspeptide steht Ipamorelin damit zwischen den älteren, weniger selektiven Verbindungen wie GHRP-2 und GHRP-6 auf der einen Seite und den GHRH-Analoga wie CJC-1295 oder Tesamorelin auf der anderen Seite. Während GHRH-Analoga am GHRH-Rezeptor ansetzen, wirkt Ipamorelin am Ghrelin-Rezeptor.
Das Molekulargewicht liegt bei rund 711 Dalton, was Ipamorelin zu einem vergleichsweise kleinen Peptid macht. Die freie Base ist ein weißes Lyophilisat, das in der Laborpraxis in bakteriostatischem Wasser rekonstituiert und kühl sowie lichtgeschützt gelagert wird. Als Forschungssubstanz besitzt Ipamorelin keine arzneimittelrechtliche Zulassung; die vorliegenden Daten stammen ganz überwiegend aus Zellkultur- und Tiermodellen.
Bemerkenswert an der Sequenz ist die Verwendung nicht-proteinogener Bausteine. Der N-terminale Rest Aib (Aminoisobuttersäure) und die D-konfigurierten Aminosäuren D-2-Nal und D-Phe erhöhen die Stabilität gegenüber enzymatischem Abbau und tragen zur hohen Rezeptoraffinität bei. Die C-terminale Amidierung (NH2) ist ein weiteres typisches Strukturmerkmal synthetischer GHRP. Diese gezielten Modifikationen sind der Grund, warum Ipamorelin trotz seiner geringen Größe ein stabiles und selektives Wirkprofil in den zitierten Modellen zeigt.
Wie sieht das Profil von Ipamorelin Wirkung und Dosierung präklinisch aus?
Das in der Forschung dokumentierte Profil von Ipamorelin Wirkung und Dosierung beruht fast vollständig auf präklinischen Modellen. In der Erstbeschreibung von Raun et al., 1998 setzte Ipamorelin Wachstumshormon sowohl in vitro an isolierten Hypophysenzellen als auch in vivo dosisabhängig frei. Die Wirksamkeit und Potenz waren mit denen von GHRP-6 vergleichbar, das selektive Profil unterschied die Substanz jedoch klar von den älteren Vertretern.
In Tiermodellen wurden intravenöse Bolusdosen im Bereich von 0,01 bis 1 mg/kg eingesetzt. So verwendete das Nagermodell zum postoperativen Ileus von Venkova et al., 2009 genau dieses Dosisfenster und zeigte eine dosisabhängige Beschleunigung der Magenentleerung. Für chronische Gabe nutzte die Knochenstudie von Svensson et al., 2000 subkutane 0,5 mg/kg pro Tag über zwölf Wochen.
Wichtig für die korrekte Einordnung: Diese Zahlen sind auf Körpergewicht bezogene Tierdosen und lassen sich nicht auf den Menschen übertragen. Es existiert keine etablierte Humandosierung außerhalb der unten beschriebenen frühen klinischen Ileus-Studie. Wer die zugrunde liegende Pharmakokinetik nachvollziehen möchte, kann die Zeitverläufe modellhaft im Peptidrechner für Ipamorelin betrachten. Dieser Leitfaden gibt bewusst keine Dosierungsempfehlung für den Menschen, sondern dokumentiert ausschließlich die publizierten Forschungsdosen.
Wie funktioniert der Wirkmechanismus am GHS-R1a-Rezeptor?
Ipamorelin ist ein Agonist am Wachstumshormon-Sekretagogum-Rezeptor GHS-R1a, der zugleich der endogene Rezeptor für das Hormon Ghrelin ist. Nach der Übersicht von Petersenn, 2002 handelt es sich um einen 366 Aminosäuren langen, sieben Transmembrandomänen umfassenden G-Protein-gekoppelten Rezeptor (7-TM-GPCR). Der Rezeptor existiert in zwei Splicevarianten: das aktive GHS-R1a, das acyliertes Ghrelin bindet, und das verkürzte GHS-R1b, das pharmakologisch inaktiv ist, aber über Heterodimerisierung die Aktivität von 1a modulieren kann.
Die Signalkaskade läuft über ein Gq/11-Protein. Wie Kojima und Kangawa, 2005 für das gesamte Ghrelin-System darlegen, aktiviert der besetzte Rezeptor die Phospholipase C (PLC), die Inositoltrisphosphat (IP3) freisetzt. IP3 mobilisiert intrazelluläres Kalzium, und der resultierende Kalziumanstieg treibt die Exozytose von Wachstumshormon-Vesikeln aus den somatotropen Zellen der Hypophyse an.
Entscheidend ist, dass Ipamorelin diesen ghrelinvermittelten Weg selektiv nachahmt. Bowers, 2001 ordnet die GHRP-Klasse insgesamt als Sekretagoga am selben Rezeptor ein, an dem auch das körpereigene Ghrelin ansetzt. Ipamorelin greift damit nicht am GHRH-Rezeptor an, sondern an einem parallelen Signalweg, was die häufig untersuchte Kombination mit GHRH-Analoga mechanistisch erklärt.
Was macht Ipamorelin zu einem selektiven GHRP?
Die Selektivität ist das zentrale Merkmal, das Ipamorelin von älteren Sekretagoga abhebt. In der Arbeit von Raun et al., 1998 setzte Ipamorelin Wachstumshormon dosisabhängig frei, ohne die adrenocorticotrope Achse messbar zu aktivieren. Konkret stiegen ACTH und Cortisol nicht über die Werte an, die bereits durch GHRH allein hervorgerufen wurden, und auch Prolaktin blieb unbeeinflusst.
Dieses Verhalten unterscheidet Ipamorelin deutlich von GHRP-2 und GHRP-6, die in denselben Vergleichen ACTH, Cortisol und Prolaktin messbar mit anhoben. In der Forschungsliteratur wird dieses schmale Profil als "sauberes" oder selektives Sekretagogum-Verhalten bezeichnet und gilt als das definierende Alleinstellungsmerkmal der Substanz.
Der mechanistische Hintergrund liegt in der spezifischen Rezeptorbindung. Während die älteren GHRP eine breitere Interaktion an hypothalamisch-hypophysären Signalwegen zeigen, aktiviert Ipamorelin bevorzugt den GH-freisetzenden Arm des GHS-R1a-Signals. Für die präklinische Forschung ist das relevant, weil sich so die Freisetzung von Wachstumshormon studieren lässt, ohne dass parallele Anstiege von Stresshormonen die Interpretation verzerren.
Es bleibt jedoch bei einer präklinischen Charakterisierung. Aus der beobachteten hormonellen Selektivität lassen sich keine therapeutischen oder auf die Körperzusammensetzung bezogenen Aussagen für den Menschen ableiten. Die Selektivität beschreibt das endokrine Antwortmuster im Modell, nicht einen belegten Nutzen.
Welche Kinetik zeigt der GH-Puls nach Ipamorelin?
Die in der Forschung beschriebene Kinetik von Ipamorelin ist pulsatil und kurz. Nach subkutaner Injektion im Tiermodell beginnt der Anstieg des Wachstumshormons innerhalb von etwa 15 bis 20 Minuten. Der Gipfel des GH-Pulses wird typischerweise nach rund 30 bis 60 Minuten erreicht, und die Werte kehren innerhalb von etwa zwei bis drei Stunden zur Ausgangslage zurück.
Dieses Muster ist bedeutsam, weil es die physiologische Pulsatilität der Wachstumshormon-Achse imitiert, statt einen dauerhaft erhöhten Spiegel zu erzeugen. In der Forschungsdiskussion wird betont, dass ein pulsatiles Signal die natürliche Regulation der Achse eher erhält als ein kontinuierliches Überfluten des Systems. Die kurze Wirkdauer erklärt zugleich, warum in präklinischen Protokollen mit wiederholter Gabe gearbeitet wurde.
Der Kontrast zu langwirksamen GHRH-Analoga ist hier lehrreich. Während etwa CJC-1295 mit DAC über eine Albuminbindung Halbwertszeiten von mehreren Tagen erreicht, ist Ipamorelin ein kurzwirksames Peptid mit einem eng begrenzten Zeitfenster. Diese Gegenüberstellung macht die beiden Substanzklassen zu häufigen Studienpartnern.
Wer die zugrunde liegenden Zeit-Konzentrations-Verläufe modellhaft nachvollziehen möchte, kann die Parameter im Peptidrechner für Ipamorelin durchspielen. Die dort dargestellten Kurven dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Veranschaulichung der Pharmakokinetik und stellen keine Anwendungsanleitung dar.
Was zeigen präklinische Daten zu Wirkung und Dosierung von Ipamorelin am Knochen?
Ein instruktives Beispiel für das Zusammenspiel von Ipamorelin Wirkung und Dosierung liefert die Knochenstudie von Svensson et al., 2000. In diesem Modell erhielten weibliche Ratten über zwölf Wochen subkutan 0,5 mg/kg Ipamorelin pro Tag. Untersucht wurde, ob das Sekretagogum den Knochenmineralgehalt beeinflusst.
Die Ergebnisse zeigten einen Anstieg des Körpergewichts sowie des tibialen und vertebralen Knochenmineralgehalts (bone mineral content, BMC). Auf den ersten Blick spricht das für einen knochenaufbauenden Effekt. Die entscheidende Nuance liegt jedoch in der Korrektur: Sobald der BMC auf die Körpergewichtszunahme normiert wurde, verschwand der scheinbare Vorteil, und die volumetrische kortikale Knochendichte (BMD) blieb unverändert.
Daraus folgt eine wichtige methodische Einordnung. Der beobachtete Effekt ist wachstumsvermittelt und nicht dichtevermittelt. Das größere Tier hat schlicht mehr Knochenmasse, ohne dass die Knochenqualität im Sinne der Dichte zunimmt. Diese Unterscheidung ist ein nützlicher Schutz gegen Überinterpretation: Ein Anstieg des Mineralgehalts allein belegt keinen Zugewinn an Knochendichte.
Für die Forschung ist dieses Beispiel wertvoll, weil es zeigt, wie wichtig die Wahl der Kennzahl ist. Es unterstreicht zugleich, dass präklinische Endpunkte sorgfältig interpretiert werden müssen, bevor Rückschlüsse gezogen werden. Aussagen zur Knochengesundheit beim Menschen lassen sich daraus nicht ableiten.
Welche Humandaten zu Ipamorelin existieren?
Die einzigen nennenswerten Humandaten zu Ipamorelin stammen nicht aus dem Bereich Wachstumshormon oder Körperzusammensetzung, sondern aus der Gastroenterologie. Die Proof-of-Concept-Studie der Phase 2 von Beck et al., 2014 untersuchte Ipamorelin als Ghrelin-Mimetikum zur Behandlung des postoperativen Ileus, also der vorübergehenden Darmlähmung nach Operationen.
In dieser doppelblinden, placebokontrollierten Untersuchung erhielten 114 Patienten nach einer Darmresektion Ipamorelin in einer Dosis von 0,03 mg/kg intravenös zweimal täglich, beginnend am ersten postoperativen Tag bis zum siebten Tag beziehungsweise bis zur Entlassung. Beim primären Endpunkt, der Zeit bis zur Toleranz fester Nahrung, zeigte sich lediglich ein numerischer, statistisch nicht signifikanter Trend zugunsten von Ipamorelin (25,3 vs. 32,6 Stunden, p=0,15) bei guter Verträglichkeit.
Dieser Datenpunkt ist aus zwei Gründen zentral. Erstens etabliert er die einzige belastbare Humandosis, die in der Literatur dokumentiert ist, und sie stammt aus einem streng klinischen Setting mit intravenöser Gabe. Zweitens macht er deutlich, dass die menschliche Evidenz zu Ipamorelin auf die gastrointestinale Motilität fokussiert ist und ausdrücklich nicht auf Anti-Aging, Muskelaufbau oder ähnliche Anwendungen.
Der mechanistische Bezug ergibt sich aus dem Ghrelin-Rezeptor. Da Ghrelin neben der GH-Freisetzung auch die Magen-Darm-Motilität fördert, ist die prokinetische Wirkung eines selektiven Ghrelin-Mimetikums biologisch plausibel und deckt sich mit den Nagerdaten von Venkova et al., 2009. Eine arzneimittelrechtliche Zulassung besteht auf dieser Basis nicht.
Wie wird Ipamorelin mit CJC-1295 kombiniert?
Die Kombination von Ipamorelin mit CJC-1295 gehört zu den am häufigsten diskutierten Konstellationen der Forschungspeptide, weil beide Substanzen an unterschiedlichen Rezeptoren ansetzen. Ipamorelin ist ein GHRP und aktiviert den Ghrelin-Rezeptor GHS-R1a, während CJC-1295 ein GHRH-Analogon ist und am GHRH-Rezeptor wirkt. Mechanistisch adressieren die beiden also zwei parallele Eingänge der somatotropen Zelle.
Der theoretische Reiz dieser Ipamorelin-CJC-1295-Kombination liegt in der komplementären Pharmakologie: Ein GHRH-Analogon erhöht die Bereitschaft der Hypophyse, Wachstumshormon abzugeben, während das GHRP den Freisetzungsimpuls auslöst und zugleich die Ausschüttung von Somatostatin dämpft. In präklinischen Modellen wurde eine solche synergistische GH-Antwort beschrieben, sie bleibt jedoch Gegenstand der Grundlagenforschung.
Wichtig ist die Unterscheidung der CJC-Varianten. CJC-1295 mit DAC bindet über eine Drug-Affinity-Complex-Technologie an Albumin und wirkt tagelang, während CJC-1295 ohne DAC (auch als Mod-GRF 1-29 bezeichnet) kurzwirksam ist und pulsatiler mit einem GHRP harmoniert. Diese kinetischen Unterschiede sind der Grund, warum die Kombinationsforschung so genau zwischen den Formen differenziert.
Tiefer gehende Darstellungen finden sich im CJC-1295-Leitfaden sowie im dedizierten Leitfaden zum CJC-1295-Ipamorelin-Blend. Alle Angaben beziehen sich ausschließlich auf publizierte Forschung; eine Empfehlung zur Anwendung am Menschen ist damit nicht verbunden.
Wie unterscheidet sich Ipamorelin von GHRP-2 und GHRP-6?
Der direkte Vergleich mit GHRP-2 und GHRP-6 ist der klassische Weg, das Profil von Ipamorelin einzuordnen, denn alle drei sind Growth-Hormone-Releasing-Peptide am selben GHS-R1a-Rezeptor. Der Unterschied liegt nicht in der grundsätzlichen Fähigkeit, Wachstumshormon freizusetzen, sondern in den begleitenden hormonellen Effekten.
GHRP-6 gilt als potenter GH-Auslöser, treibt aber zugleich Appetit und in Vergleichen auch Cortisol und Prolaktin nach oben. GHRP-2 setzt Wachstumshormon ebenfalls kräftig frei, aktiviert jedoch messbar die ACTH-Cortisol-Achse. Genau an diesem Punkt setzt die Charakterisierung von Raun et al., 1998 an: Ipamorelin erreichte eine vergleichbare GH-Freisetzung wie GHRP-6, ohne ACTH, Cortisol oder Prolaktin über das GHRH-Niveau zu heben.
Diese Selektivität ist der Grund, warum Ipamorelin in der Forschung als saubereres Werkzeug zur isolierten Untersuchung der GH-Achse geschätzt wird. Wenn Stresshormone konstant bleiben, lassen sich GH-abhängige Endpunkte weniger verfälscht studieren. Bowers, 2001 liefert den übergeordneten Rahmen, indem er die gesamte GHRP-Klasse relativ zum endogenen Ghrelin verortet.
Zusammengefasst ist Ipamorelin nicht unbedingt das potenteste GHRP, aber das mit dem schmalsten Nebenprofil in den zitierten präklinischen Vergleichen. Diese Einordnung gilt für die Forschung und impliziert keinerlei Aussage über Sicherheit oder Wirksamkeit beim Menschen.
Welchen regulatorischen Status hat Ipamorelin?
Ipamorelin besitzt keine arzneimittelrechtliche Zulassung als Medikament, weder in der Europäischen Union noch in anderen großen Rechtsräumen. Die Substanz ist nicht als Fertigarzneimittel geprüft, freigegeben oder vermarktet worden. Die vorliegende Humanevidenz beschränkt sich auf frühe klinische Studien der Phase 2 zum postoperativen Ileus, wie sie Beck et al., 2014 berichten, und hat zu keiner Zulassung geführt.
Für die Einordnung bedeutet das: Ipamorelin ist in der Praxis eine Forschungssubstanz. Es existiert derzeit kein bei BergdorfBio kaufbares Ipamorelin-Produkt und kein CJC-1295-Ipamorelin-Blend im Sortiment. Dieser Leitfaden verweist daher bewusst nicht auf ein Produkt, sondern behandelt Ipamorelin ausschließlich als Gegenstand der wissenschaftlichen Literatur.
Aus dem fehlenden Zulassungsstatus folgt zugleich die wichtigste inhaltliche Leitplanke dieses Textes. Es werden keine therapeutischen Aussagen, keine Empfehlungen zur Körperzusammensetzung und keine Humandosierungen abgeleitet. Die dokumentierten Dosen, etwa 0,01 bis 1 mg/kg intravenös im Tiermodell oder 0,03 mg/kg intravenös in der klinischen Ileus-Studie, sind reine Studienparameter und dienen der Beschreibung der Forschungslage.
Wer sich mit Forschungspeptiden beschäftigt, sollte den Unterschied zwischen dokumentierter präklinischer Charakterisierung und belegtem klinischen Nutzen stets im Blick behalten. Ipamorelin ist wissenschaftlich gut beschrieben, aber klinisch nur in einem sehr engen Kontext untersucht.
Aus dieser Datenlage ergeben sich auch die Grenzen der Übertragbarkeit. Ein selektives endokrines Antwortmuster im Nagermodell sagt nichts über Langzeitsicherheit, Immunogenität oder Wechselwirkungen beim Menschen aus. Ebenso wenig lassen die auf Körpergewicht bezogenen Tierdosen einen Rückschluss auf ein sinnvolles Humanprotokoll zu, da sich Rezeptordichte, Clearance und Verteilungsvolumen zwischen den Spezies unterscheiden. Seriöse Forschungsdokumentation trennt diese Ebenen konsequent und behandelt die publizierten Werte als das, was sie sind: Parameter einzelner Studien unter definierten Bedingungen.
Wie ordnet sich Ipamorelin in die Peptidforschung ein?
Innerhalb der Landschaft der Wachstumshormon-aktiven Forschungspeptide nimmt Ipamorelin eine klar definierte Position ein. Es ist das prototypische selektive GHRP: ein kurzwirksames, pulsatiles Sekretagogum am Ghrelin-Rezeptor mit auffallend schmalem hormonellem Nebenprofil. Damit unterscheidet es sich sowohl von den breiter wirkenden älteren GHRP als auch von den langwirksamen GHRH-Analoga.
Die wissenschaftliche Attraktivität liegt genau in dieser Selektivität. Ein Werkzeug, das Wachstumshormon freisetzt, ohne die Stressachse zu bewegen, erlaubt präzisere Untersuchungen der GH-abhängigen Physiologie. Die Arbeiten von Raun et al., 1998 und Svensson et al., 2000 liefern hierzu die grundlegende Charakterisierung, während Kojima und Kangawa, 2005 den physiologischen Kontext des Ghrelin-Systems bereitstellen.
Für eine strukturierte Auseinandersetzung mit dem Zeitverhalten empfiehlt sich der Peptidrechner für Ipamorelin, der die pulsatile Kinetik modellhaft abbildet. Wer die Kombinationslogik mit GHRH-Analoga vertiefen möchte, findet im CJC-1295-Leitfaden und im CJC-1295-Ipamorelin-Blend-Leitfaden die passenden Anschlusstexte.
Als Forschungssubstanz bleibt Ipamorelin ein gut dokumentierter, aber klinisch nur eng untersuchter Vertreter seiner Klasse. Die vorhandene Evidenz ist präklinisch solide, humanmedizinisch jedoch auf einen einzigen Anwendungsbereich begrenzt. Diese Nähe zwischen sauberer Grundlagenforschung und begrenzter klinischer Datenlage macht Ipamorelin zu einem lehrreichen Studienobjekt.
Häufig gestellte Fragen
Ist Ipamorelin ein GHRH-Analogon oder ein GHRP?
Ipamorelin ist ein GHRP, also ein Growth-Hormone-Releasing-Peptide, und wirkt am Ghrelin-Rezeptor GHS-R1a. Es ist ausdrücklich kein GHRH-Analogon; Verbindungen wie CJC-1295 oder Tesamorelin setzen am GHRH-Rezeptor an. Dieser mechanistische Unterschied ist der Grund, warum beide Klassen in der Forschung oft gemeinsam betrachtet werden.
Warum gilt Ipamorelin als selektiv?
In der Charakterisierung von Raun et al., 1998 setzte Ipamorelin Wachstumshormon frei, ohne ACTH, Cortisol oder Prolaktin über das durch GHRH ausgelöste Niveau anzuheben. Ältere Sekretagoga wie GHRP-2 und GHRP-6 hoben diese Hormone messbar mit an. Dieses schmale Nebenprofil ist das definierende Merkmal von Ipamorelin.
Gibt es Humanstudien zu Ipamorelin?
Ja, aber nur im Bereich der Gastroenterologie. Die Phase-2-Studie von Beck et al., 2014 untersuchte Ipamorelin bei 114 Patienten mit postoperativem Ileus in einer Dosis von 0,03 mg/kg intravenös zweimal täglich. Daten zu Anti-Aging oder Muskelaufbau am Menschen existieren nicht.
Kann man Ipamorelin bei BergdorfBio kaufen?
Derzeit ist bei BergdorfBio kein Ipamorelin-Produkt und kein CJC-1295-Ipamorelin-Blend verfügbar. Dieser Leitfaden behandelt Ipamorelin ausschließlich als Forschungssubstanz und als Gegenstand der wissenschaftlichen Literatur, nicht als kaufbares Sortimentsprodukt.
Wie schnell wirkt Ipamorelin im Modell?
In präklinischen Modellen beginnt der Anstieg des Wachstumshormons etwa 15 bis 20 Minuten nach subkutaner Gabe, erreicht seinen Gipfel nach rund 30 bis 60 Minuten und kehrt innerhalb von etwa zwei bis drei Stunden zur Ausgangslage zurück. Dieses kurze, pulsatile Muster ist charakteristisch für die Substanz.
Nur für Forschungszwecke. Nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt. Wissenschaftliche Redaktion: Dr. Sieglinde Klaus
Quellenangaben
- Raun K., et al. Ipamorelin, the first selective growth hormone secretagogue. European Journal of Endocrinology. 1998.DOI
- Venkova K, et al. Efficacy of ipamorelin, a novel ghrelin mimetic, in a rodent model of postoperative ileus. The Journal of pharmacology and experimental therapeutics. 2009.PMID
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12511847/
- Ahnfelt-Rønne I, Nowak J, Olsen UB. Do growth hormone-releasing peptides act as ghrelin secretagogues?. Endocrine. 2001.PMID
- Beck DE, et al. Prospective, randomized, controlled, proof-of-concept study of the Ghrelin mimetic ipamorelin for the management of postoperative ileus in bowel resection patients. International journal of colorectal disease. 2014.PMID

