Wirkmechanismus
Ipamorelin bindet an den Wachstumshormon-Sekretagogen-Rezeptor (GHS-R), denselben Rezeptor, über den das körpereigene Hormon Ghrelin die Wachstumshormonfreisetzung aus der Hypophyse stimuliert. In der pharmakologischen Erstcharakterisierung (Raun et al., 1998) setzte das Peptid an primären Hypophysenzellen der Ratte sowie in Ratten- und Schweinemodellen Wachstumshormon mit einer Potenz und Wirksamkeit frei, die mit GHRP-6 vergleichbar war. Die Besonderheit lag in der Selektivität: Anders als GHRP-6 und GHRP-2 erhöhte Ipamorelin die ACTH- und Cortisolspiegel im Schweinemodell auch bei Dosierungen weit oberhalb der für die GH-Freisetzung wirksamen Dosis nicht signifikant über das GHRH-Niveau hinaus. Keines der getesteten Sekretagoga, Ipamorelin eingeschlossen, beeinflusste die FSH-, LH-, Prolaktin- oder TSH-Spiegel. Eine Dosis-Eskalationsstudie an gesunden männlichen Freiwilligen (Gobburu et al., 1999) beschrieb nach intravenöser Infusion eine dosisproportionale Pharmakokinetik mit einer kurzen terminalen Halbwertszeit von etwa 2 Stunden und einer einzelnen, zeitlich begrenzten Episode der GH-Freisetzung.
Evidenzlage
Die Evidenz zu Ipamorelin besteht aus der präklinischen Charakterisierung (Raun et al., 1998), einer pharmakokinetisch-pharmakodynamischen Studie an gesunden Freiwilligen (Gobburu et al., 1999) und zwei kontrollierten Phase-2-Studien zum postoperativen Ileus nach Darmresektion, beide gesponsert von Helsinn. Die erste war eine multizentrische, doppelblinde, placebokontrollierte Proof-of-Concept-Studie (NCT00672074, 117 Patienten, abgeschlossen 2009, publiziert als Beck et al., 2014). Ipamorelin wurde dort gut vertragen, verfehlte jedoch den wichtigsten Wirksamkeitsendpunkt: Die Zeit von der ersten Dosis bis zur Verträglichkeit einer standardisierten festen Mahlzeit unterschied sich nicht signifikant von Placebo, und auch die sekundären Wirksamkeitsanalysen zeigten keine signifikanten Unterschiede. Die Autoren benennen selbst als Einschränkung, dass die Studie klein war und Patienten mit sehr unterschiedlichen Grunderkrankungen einschloss. Danach folgte eine größere randomisierte, placebokontrollierte Phase-2-Dosisfindungsstudie (NCT01280344, HT-IPAM-202, 320 Patienten, 2011 bis 2014). Nach deren Abschluss wurde die Entwicklung eingestellt; die Ergebnisse dieser größeren Studie wurden weder auf ClinicalTrials.gov hinterlegt noch publiziert, der größte kontrollierte Datensatz zu Ipamorelin ist damit öffentlich nicht verfügbar. Ipamorelin besitzt in keinem Land eine arzneimittelrechtliche Zulassung. Phase-3-Daten, Langzeitdaten und Studien zu anderen Indikationen fehlen vollständig. Aus dieser Datenlage lassen sich keine Aussagen zu Wirksamkeit oder Sicherheit ableiten, insbesondere nicht für unreguliertes Forschungsmaterial.
Lagerung und Handhabung
Lyophilisierte Peptide werden allgemein kühl, trocken und lichtgeschützt gelagert. Nach Rekonstitution werden Peptidlösungen üblicherweise gekühlt (2-8 °C) aufbewahrt und innerhalb weniger Tage verwendet, da die Stabilität in Lösung begrenzt ist. Wiederholte Einfrier- und Auftauzyklen gelten als ungünstig. Dies sind generische Hinweise zur Handhabung lyophilisierter Peptide, keine produktspezifischen Stabilitätsdaten; für Ipamorelin-Forschungsmaterial sind substanzspezifische Stabilitätsdaten nicht publiziert.
Fragen zur Forschungslage
- Wofür wurde Ipamorelin in der Forschung untersucht?
- Ipamorelin wurde in den 1990er Jahren als selektives Wachstumshormon-Sekretagogum charakterisiert: Die Erstbeschreibung untersuchte die GH-Freisetzung in Zell-, Ratten- und Schweinemodellen, eine Folgestudie die Pharmakokinetik und GH-Antwort bei gesunden Freiwilligen. Das kontrollierte klinische Programm prüfte die Substanz in zwei Phase-2-Studien als Prokinetikum beim postoperativen Ileus nach Darmresektion. Heute dient sie in der Forschung vor allem als pharmakologisches Werkzeug, um die Ghrelin-Rezeptor-vermittelte, selektive GH-Freisetzung zu untersuchen.
- Wie ist die Studienlage zu Ipamorelin?
- Es existieren die präklinische Charakterisierung, eine Studie an gesunden Freiwilligen und zwei placebokontrollierte Phase-2-Studien zum postoperativen Ileus: eine publizierte Proof-of-Concept-Studie mit 117 Patienten, die ihren wichtigsten Wirksamkeitsendpunkt (Zeit von der ersten Dosis bis zur Verträglichkeit einer standardisierten festen Mahlzeit) verfehlte, und eine größere Dosisfindungsstudie mit 320 Patienten (2011 bis 2014), deren Ergebnisse nie veröffentlicht wurden. Die klinische Entwicklung wurde danach eingestellt, ein Phase-3-Programm wurde nie begonnen, und Ipamorelin ist in keinem Land als Arzneimittel zugelassen. Aussagen zu Wirksamkeit oder Sicherheit, etwa für die im Umlauf befindlichen unregulierten Produkte, lassen sich aus dieser Datenlage nicht ableiten.
Quellen
- Raun et al., Eur J Endocrinol 1998DOI: 10.1530/eje.0.1390552PMID: 9849822
- Gobburu et al., Pharm Res 1999DOI: 10.1023/a:1018955126402PMID: 10496658
- Beck et al., Int J Colorectal Dis 2014DOI: 10.1007/s00384-014-2030-8PMID: 25331030
- ClinicalTrials.gov NCT00672074 (phase 2, postoperative ileus, 117 patients)
- ClinicalTrials.gov NCT01280344 (HT-IPAM-202, phase 2 dose-finding, 320 patients, no results posted)
